Unternehmertum und Medizinstudium

Als Medizinstudent das eigene Business starten – geht das? Deniz Tafrali hat sich getraut und berichtet in diesem Gastbeitrag von seinen Erfahrungen als Jungunternehmer.

Gründer und Medizinstudent Deniz Tafrali

Staatsexamina, mündliche Prüfungen und klinische Praktika – das Leben eines Medizinstudenten ist ziemlich stressig. In unserer heutigen Zeit verlangen viele Kollegen daher eine bessere Study-Life-Balance und das nicht zu Unrecht. Denn viele wollen nach dem Studium eine Familie gründen und ein angenehmes, relativ stressfreies Leben führen.

Andere wiederum finden ein stressfreies Leben ziemlich langweilig. Wie unterschiedlich die Persönlichkeiten der Studierenden sind, merkt man spätestens, wenn man nach der Gründung von MIAMED Amboss im Internet recherchiert. Hier haben sich drei Medizinstudenten noch während des Studiums zusammengetan und eine Geschäftsidee entwickelt, die das Lernen medizinischer Inhalte revolutioniert hat.

Wer sich zu den unternehmerisch interessierten Medizinstudenten zählt, findet in diesem Artikel Tipps und Tricks für die eigenständige Start-Up-Gründung als Medizinstudent.

Grundvoraussetzungen

Wenn es um erfolgreiche Start-Ups geht, ist es wohl der größte Mythos zu glauben, dass der Erfolg garantiert ist, wenn man nur eine geniale Idee hat. Das ist aber viel zu kurz gedacht. Die Geschäftsidee darf logischerweise nicht schon erfolgreich verwirklicht worden sein, denn ansonsten beansprucht die Konkurrenz jeglichen potentiellen Kunden für sich Ausnahmen dieser Regel gibt es wenige.

Ein anderer, gern begangener Fehler ist es, anzunehmen, dass man mit dem Finden der Idee allein die größte Arbeit schon getan hätte. Jeder, der aber schon mal ein Unternehmen gegründet hat, weiß: Hier beginnt die Arbeit erst! Ein Start-Up aufzubauen ist kein Zuckerschlecken. Das Unternehmen gleicht eher einer fleischfressenden Pflanze, die man tagein, tagaus gießen und pflegen muss, während man ständig Gefahr läuft, von ihr gebissen zu werden.

Außerdem gibt es das Vorurteil, dass sogenannte Unternehmertypen alle vom gleichen Schlag seien. Das trifft nur bedingt zu. Meiner Meinung nach kann jeder ein erfolgreicher Unternehmer werden, wenn er nur bestimmte Charaktereigenschaften aufweist.

Persönlichkeit

"If you need insipiring words, don't do it." Elon Musk

Zuallererst gilt es, sich kritisch mit Informationen auseinandersetzen zu können. Ein Unternehmer mit einer reflektierten Persönlichkeit, der sich seiner Stärken und Schwächen bewusst ist und aus Fehlern lernt, kann viel realitätsgetreuer seine eigenen und die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter einschätzen. Das führt dazu, dass die Arbeitsteilung im Unternehmen und die Auswahl der Angestellten ertragreicher wird. Außerdem kann man mit der Fähigkeit zum kritischen Denken auch viel eher prognostischen Erfolg oder Misserfolg, sei es von Menschen oder Projekten, korrekt beurteilen.

Der nächste Punkt mag zwar sehr leicht nachzuvollziehen sein, ist jedoch weniger selbstverständlich als er klingt. Wer ein Start-Up erfolgreich führen möchte, muss unbedingt eine Sache machen: Es erstmal gründen. Man kann sich die Selbstständigkeit und den Erfolg noch so sehr wünschen und davon träumen – man wird ihn jedoch nie erleben, wenn man nicht irgendwann damit startet, die Sachen in die Hand zu nehmen. Die Persönlichkeit sollte also eher die eines Machers, als die eines Träumers sein.

Der dritte Punkt knüpft an den zweiten an. Wer nämlich viel macht, aber schnell frustriert ist, wenn etwas nicht funktioniert, der sollte seine Entscheidung zur Selbststständigkeit vielleicht überdenken. Elon Musk sagte mal, ein Unternehmen zu gründen fühlt sich an, als würde man Glas kauen – und im Besonderen ist es so, wenn man das Start-Up während des Studiums gründet. Es hilft also ungemein, wenn man sich wie ein Pitbull in ein Steak als Unternehmer in ein Problem verbeißen kann, bis man es gelöst hat. Am besten nimmt man dafür aber Probleme, für die sich der Aufwand auch wirklich lohnt.

Zu guter Letzt muss man sich der Tatsache bewusst sein, dass Zeit für ein Start-Up das größte Luxusgut ist. Ich kenne keinen Unternehmer, der sich an Wochenenden mit Alkohol zuschüttet oder täglich interessante Zigaretten qualmt – die wenige Freizeit, die einem neben Business und Studium bleibt, muss zur Regeneration im Rahmen von Sport und sozialen Aktivitäten genutzt werden, sonst brennt man aus.

Alles in Allem

Zusammengefasst bedeutet das, man sollte eine gute Geschäftsidee haben, sie auch wirklich in die Tat umsetzen und dabei so hart wie möglich arbeiten. Darüber hinaus sollte man seine Freizeit mit sinnvollen, regenerativen Tätigkeiten füllen und eine unbeugsame Frustrationstoleranz aufweisen. Das wichtigste all dieser Ausführungen bleibt aber: selbstkritisch aus Fehlern lernen zu können!

Gebt euch also keinen Illusionen hin. Ein Start-Up-Unternehmer zu sein, ist beinharte Arbeit. Wenn man es jedoch richtig macht, kann es sein, dass man neue Produkte entwickelt, die vielen Menschen und der eigenen Zukunft großen Segen bringen. 

Deniz Tafrali ist seit 2013 Medizinstudent an der Universität Graz. Er gründete im Oktober 2015 das Internetunternehmen get-to-med, eine Lernplattform mit Aufgaben und Lösungen zur Vorbereitung auf den Medizinertest in Österreich (MedAT). Er ist Redakteur der Studentenzeitschrift "Medizynisch" und Autor der beiden Lernskripte für die Eingangsprüfung der Humanmedizin: MedAT 2018/19: Das Lernskript für den BMS und HAM-Nat 2018/19: Das Lernskript für den naturwissenschaftlichen Auswahltest in Hamburg, Berlin und Magdeburg.

In unserer Blogger Zone finden sich unsere Bloggerinnen und Blogger, die regelmäßig auf Operation Karriere von ihren Erfahrungen aus Studium und Praxis berichten.