PJ-Blog: Meine Erwartungen vor dem Praktischen Jahr

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 1: "Meine Erwartungen".

Fräulein Licht

Fräulein Licht bloggt regelmäßig auf www.operation-karriere.de über ihre Erfahrungen im Praktischen Jahr. | privat

Liebes Krankenhaus,

nach 5 Jahren, 3 Monaten, 34 Tagen und 12 Stunden (also insgesamt fast 180 Millionen Sekunden Lebenszeit) bin ich endlich Arzt! Naja, nicht ganz. Eigentlich bin ich nur scheinfrei und starte morgen in mein Praktisches Jahr. Endlich darf ich mein gesammeltes Wissen anwenden und Patienten behandeln – also so richtig: mit Anamnese, Untersuchungen und detektivischen Höchstleistungen bei der Diagnosefindung. Und deshalb freue ich mich sehr auf ein Jahr als Halbgott in weiß, aber dann denke ich wieder: Oh mein Gott, arbeiten im Praktischen Jahr an echten Patienten – das wird viel schlimmer als studieren. In den vergangenen 5 Jahren als Medizinstudent wurde man ja schließlich nur systematisch mit Pflichtveranstaltungen und schlechten Dozenten gequält. Aber dann denke ich wieder: Es wird viel besser als studieren! Ich kann mit den Schwestern ständig Kaffee trinken gehen und die Arbeit die anderen Medizinstudenten machen lassen, mit gutaussehenden Chirurgen schäkern und völlig betrunkenen Patienten nachts um halb drei wissenschaftlich erklären, dass eine Kopfplatzwunde nicht zum sofortigen Tode führt.

Zusammenfassend lässt sich also feststellen: Ich bin wirklich, wirklich aufgeregt!

Zur Ablenkung schaue ich jetzt noch eine Folge Dr. House – der wieder einmal einen Patienten fast umbringt und dann durch eine winzige Nebensächlichkeit auf die richtige und äußerst seltene Diagnose kommt. Danach bin ich fachlich fit fürs Arbeiten bzw. für den morgigen PJ-Tag an der Uni. In der Klinik fange ich dann nämlich offiziell erst am Tag darauf an.

Der Tag morgen dient eher dazu, wieder einmal vom Dekan beweihräuchert zu werden. Er wird wahrscheinlich – wie bei jeder Veranstaltung – sehr viele Statistiken zeigen, vor allem seine geliebten „Boxplots“. Er wird darüber schwafeln, wie gut wir Studenten im Staatsexamen abgeschnitten haben und wie toll das Studium hier an der Uni war – dass wir das vielleicht auch durch unsere eigene Lernleistung geschafft haben, ist da nebensächlich.

Naja, ich bin gespannt, wie viele Boxplots morgen zu sehen sein werden …

Fräulein Licht (24) studiert Medizin in Münster und startet in diesem Winter in ihr Praktisches Jahr an der Klinik. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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