PJ-Blog: Mein Feueralarm

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 6: "Mein Feueralarm".

PJ-Blog

Hier bloggt Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

heute war ich mit drei Ärzten auf dem PJ-Tag in Münster. Hier stellen sich zweimal im Jahr alle Lehrkrankenhäuser den Studenten vor (das Gebäude der Anatomie wird als „Messehalle“ genutzt und die einzelnen Vertreter der Krankenhäuser stehen an kleinen Tischen und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung). Und weil die Veranstaltung um 12 Uhr losgeht, bietet jedes Krankenhaus auch etwas zu Essen an – bemerkenswert ist allerdings, dass bei 30 Lehrkrankenhäusern jeder Stand etwas anderes zu Essen hat. Daher ist es der Plan hungriger Studenten, zuerst zu den Krankenhäusern mit dem warmen Essen zu gehen, danach die Krankenhausstation mit den Cocktails aufzusuchen – ja, es gibt wirklich ein Krankenhaus das mit eigenem Koch anrückt, der Fruchtsaftcocktails anbietet – um dann als großes Finale zu den Ständen mit den Süßigkeiten zu gelangen. Einerseits ist es schon irgendwie komisch, dass Studenten so einfach durch Essen fürs PJ zu ködern sind, auf der anderen Seite gibt es wirklich gute Sachen (Jelly Belly-Fruchtbonbons, die nach Ananas-Kokos schmecken oder aber ein leckerer Obstspieß mit Papaya und Drachenfrucht).

Auf jeden Fall bereitet mein PJ-Krankenhaus, das Klinikum Holzhausen, immer herzhafte Crêpes mit Käse und Speck zu. Also wurden kurzerhand Waffeleisen und Teig ins Auto gepackt, am Stand in Münster aufgebaut und dann konnte es auch schon mit dem PJ-Tag losgehen. Naja, fast – nach zehn Minuten Crêpes-Eisen anheizen ertönte plötzlich der Feueralarm. Blöderweise hatten wir unseren Klinikstand direkt unter dem einzigen Feuermelder im ganzen Gebäude aufgebaut. Damit hatten wir als Klinikum Holzhausen natürlich den Vogel wirklich abgeschossen.

Alle Leute mussten aus dem Anatomiegebäude evakuiert werden und auf die sechs Löschfahrzeuge der Feuerwehr warten. Aber dann, nach Meckerei des Einsatzleiters ("...wie blöd kann man denn sein, Pfannkuchen in einem geschlossenen Gebäude zu machen, ich dachte das wäre eine Klinikmesse und keine Kochshow! Also wirklich!") durften alle wieder rein und wir boten dann doch aus Sicherheitsgründen kleine Schälchen mit leckerem Apfelmus an.

Als sich die Aufregung wieder gelegt hatte und alle wieder am Stand standen – deshalb heißt er wohl auch so – konnte der PJ-Tag weitergehen. Ich erzählte über meine Arbeit in der Klinik, was es in Holzhausen so alles gibt, dass wir mit den Crêpes-Eisen bestimmt nicht den Feueralarm ausgelöst haben (das MUSS eine technische Störung gewesen sein), wie die Oberärzte mit und ohne Kittel aussehen, wie das mit der Wohnung ist, ob man Kleidung gestellt bekommt und so weiter und so fort. Und ich konnte meine Kommilitonen aus den höheren Semestern – diejenigen, die also schon seit einem halben Jahr im PJ sind – mal wieder treffen und ein wenig mit ihnen quatschen (und natürlich die besten Essenstipps austauschen). Gegen 14 Uhr war dann aber auch alles wieder vorbei und der Stand wurde abgebaut. Etwas müde und natürlich mit ganz viel Apfelmus im Gepäck fuhren wir wieder nach Holzhausen. Ich glaube, im nächsten Jahr werden wir Eis anbieten…

Fräulein Licht (24) studiert Medizin in Münster und startet in diesem Winter in ihr Praktisches Jahr an der Klinik. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

In unserer Blogger Zone finden sich unsere Bloggerinnen und Blogger, die regelmäßig auf Operation Karriere von ihren Erfahrungen aus Studium und Praxis berichten.