PJ-Blog: Ich werde einfach nicht ernst genommen

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Christiane Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 66: "Ich werde einfach nicht ernst genommen".

Operation Karriere-Bloggerin Christiane Licht

Liebes Krankenhaus,

heute ist der erste Arbeitstag im Krankenhaus. Ich bin im Chiho Dokuritsu Gyosei Hojin Osaka Fu Hospital. Und ich kann dank des Japanischkurses schon die ersten beiden Zeichen des Namens lesen.

Es gibt hier eine Art ambulantes Zentrum. Da sie hier auch öfters ausländische Patienten behandeln und Touristen hierher kommen, arbeite ich hier. Der Assistenzarzt spricht ganz gut English und zeigt mir alles. Japan ist sehr konservativ und trennt streng nach Frauen und Männern. Wenn der Assistenzarzt zum Beispiel einen Mann behandelt, darf ich nicht mitkommen. Behandelt er Frauen, dann sitzen sie meistens auf der Liege und erzählen über ihre Beschwerden. Nur in sehr seltenen Fällen ziehen sich die Patienten aus. Einmal habe ich es sogar erlebt, dass eine ältere japanische Frau ihren Ausschlag im oberen Bauchbereich lieber auf einem Foto gezeigt hat, als ihren Pullover hochzuziehen.

Meine Aufgaben bestehen eher im Aktenordnen und Computerprobleme lösen, als in der Patientenversorgung. Hier im Krankenhaus traut man mir, so glaube ich, eher nicht. Vor allem aber geht es darum, dass ich noch so jung aussehe und damit automatisch kein Wissen haben kann.

Nachdem ich also in den vergangenen zwei Wochen eher der IT-Experte war und mir die Stadt angesehen habe, bin ich nun nach Kyoto gereist. Ich glaube aber, dass es hier ähnlich sein wird. Abwarten.

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