Moritz Völker zum Aktionstag „Richtig gute Ärzte werden“

Unter dem Motto „#RichtigGuteÄrzteWerden“ rufen die Medizinstudierenden im Hartmannbund und die bvmd die Studierenden aller Medizinischen Fakultäten am 18. Mai zu einem bundesweiten Aktionstag auf. Worum es dabei geht, erklärt Moritz Völker, Vorsitzender Ausschuss Medizinstudierende im Hartmannbund.

Moritz Voelker

Moritz Völker (25) ist seit Oktober 2015 Vorsitzender des Ausschusses der Medizinstudierenden im Hartmannbund. | Hartmannbund

Herr Völker, am 18. Mai planen die Medizinstudierenden des Hartmannbundes gemeinsam mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) einen deutschlandweiten Aktionstag unter dem Motto „Richtig gute Ärzte werden“. Was steckt dahinter?

Die Aktion wird vor dem Hintergrund der Entstehung des „Masterplan Medizinstudium 2020“ durchgeführt. Wir wollen alle Medizinstudierenden in Deutschland darüber informieren, welche Veränderungsvorschläge diskutiert werden und bei welchen vorgeschlagenen Maßnahmen wir große Bedenken haben. Unsere wichtigsten Themen sind: Zielgerichtete Auswahl der Studienplatzbewerber, früher Praxis- und Patientenkontakt im Studium, frühzeitige Einbindung der Allgemeinmedizin ins Studium. Die Einführung einer „Landarztquote“ lehnen wir ebenso ab wie einen verpflichtenden PJ-Abschnitt in der Allgemeinmedizin.

Wir wollen den Entscheidern zeigen, dass auch wir eine Stimme haben und mitbestimmen wollen, wie unser Medizinstudium gestaltet wird. Das Aktionsmotto „#RichtigGuteÄrzteWerden“ verdeutlicht die zentralen Anliegen der Studierenden. Gute Ärzte werden – das geht nur auf die richtige Art und Weise. Dabei ist ein richtig gutes Studium nicht bloßer Selbstzweck, sondern Voraussetzung dafür, dass die Studierenden von heute die Patienten von morgen richtig gut versorgen können. Gute Versorgung und gutes Studium gehen dabei Hand in Hand.

Die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarte Reform des Studiums der Humanmedizin, auch „Masterplan Medizinstudium 2020“ genannt, wird von unterschiedlichen Institutionen kontrovers diskutiert. Auch sorgte eine vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Auftrag gegebene Studie, die sich mit einer möglichen Quotenregelung für mehr Landärzte auseinandersetze für eine gewisse Empörung innerhalb des Hartmannbundes. Was war der Auslöser?

Die Studie soll aus Sicht der beiden Gutachter zeigen, dass eine Landarztquote an Universitäten nicht im Widerspruch zum Grundgesetz steht. Eine Vorabquote für Bewerber, die sich verpflichten, sich im Anschluss an Studium und Weiterbildung in ländlichen Räumen als Hausärzte niederzulassen, lasse  sich verfassungskonform ausgestalten. Diese rechtliche Frage ist für uns nicht wirklich relevant. Wir halten dies in der Sache schlicht für falsch. Die Studienplatzbewerber können vor dem Studium nicht einschätzen, welche Fachrichtung sie später einmal einschlagen wollen. Auch die bvmd, der Medizinische Fakultätentag und viele andere Interessenorganisationen stehen diesen Plänen ablehnend gegenüber und halten eine solche Quote für eine falsche Maßnahme. 

Mitte Januar hatten die Medizinstudierenden des Hartmannbundes und die bvmd sich in einem offenen Brief an die Politik gewendet und konkrete Forderungen bezüglich des Masterplans Medizinstudium 2020 gestellt. Mit welchem Ergebnis?

Kein weiterer PJ-Pflichtabschnitt, auch nicht in der Allgemeinmedizin. Keine Landarztquote. Aufteilung des PJ in Quartale. Dies waren drei der Positionen, mit denen wir uns an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, gewendet haben. Wir wollten vor der bevorstehenden Fertigstellung des Eckpunktepapiers durch die Bund-Länder-Arbeitsgruppe noch einmal an unsere bisher dargelegten Argumente erinnern und dazu auffordern, keine Vorschläge zu verabschieden, die ungeeignet sind, das Medizinstudium wirklich sinnvoll weiterzuentwickeln. Eine Antwort auf unseren Brief haben wir bis heute leider nicht erhalten, aber wir hoffen, dass unsere Forderungen berücksichtigt werden.

Mehr als 7.500 Medizinstudierende haben im Winter 2015 an einer vom Hartmannbund initiierten Umfrage „Medizinstudium 2020 Plus“ teilgenommen, die medial und auch in der Politik auf ein großes Echo gestoßen ist. Was ist das Ergebnis dieser Umfrage?

Vorab muss man sagen, dass dies unsere bisher erfolgreichste Umfrage war. So viele Studierende haben noch nie an einer unserer Umfragen teilgenommen – und das bei über 40 Fragen. Die Umfrageergebnisse waren Grundlage für alle folgenden Projekte – unsere Stellungnahme gegenüber der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Masterplan Medizinstudium 2020“ inklusive der Teilnahme am Expertengespräch und zahlreiche weitere Aktionen.

Ein wichtiges Umfrageergebnis war, dass die Allgemeinmedizin nicht so schlecht da steht wie oft behauptet. Bei der Wahl der angestrebten Facharztrichtung belegte sie den ersten Platz. Beim Wahltertial im Praktischen Jahr (PJ) findet sich die Allgemeinmedizin auf dem fünften Platz wieder. Der bereits erwähnte PJ-Pflichtabschnitt in der Allgemeinmedizin traf auf eine deutliche Ablehnung. Eine Quartallösung im PJ wurde dagegen für gut befunden. Ebenfalls groß ist der Wunsch nach einem früheren Praxisbezug. Viele der Befragten haben erst zu einem sehr späten Zeitpunkt im Studium persönlichen Patientenkontakt. Ein klares Nein kam bei der Frage, ob Bewerber im Zulassungsverfahren bevorzugt werden sollen, wenn sie sich vor dem Medizinstudium bereit erklären, für einen bestimmten Zeitraum als Hausarzt in unterversorgten Regionen zu arbeiten bzw. sich niederzulassen.

Welche Inhalte sollten nach Auffassung des Hartmannbundes in den „Masterplan Medizinstudium 2020“ mit aufgenommen werden?

Eine zielgerichtete Auswahl der Studienplatzbewerber, wobei die Abiturnote keinen so großen Stellenwert wie bisher einnehmen sollte. Wir befürworten ein Modell, bei dem die Abiturnote, ein schriftlicher standardisierter Test und ein standardisiertes Assessmentverfahren zu je einem Drittel gewertet werden. Dabei sollten auch das Persönlichkeitsprofil des Bewerbers, einschlägige Berufsausbildungen und soziales Engagement Berücksichtigung finden. Des Weiteren muss der Praxis- und Patientenkontakt früher im Studium ansetzen.

Noch immer hat die Vermittlung praktischer Fähigkeiten in unserem Medizinstudium einen zu geringen Stellenwert – dies gilt auch für den Stellenwert der ambulanten Versorgung in der ärztlichen Ausbildung. Wir finden es auch sehr wichtig, dass mit der Vermittlung wissenschaftlicher Kompetenzen früher im Studium begonnen wird. Aktuell ist das Gegenteil der Fall. Viele der Studierenden werden erst im klinischen Studienabschnitt mit der Wissenschaftlichkeit konfrontiert. Trotzdem sollte aus unserer Sicht auch hier keine vorschnelle Verpflichtung, zum Beispiel bei Forschungsarbeiten, eingeführt werden, wie vom Wissenschaftsrat vorgeschlagen. Was die Allgemeinmedizin betrifft, sehen wir diese viel früher am Anfang des Studiums und studienbegleitend. Eine weitere Verpflichtung in diesem Fach halten wir für falsch.

Wo kann man sich zum Aktionstag der Studierenden informieren?

Die Medizinstudierenden im Hartmannbund und die bvmd haben auf Facebook eine gemeinsame Veranstaltungsseite, auf der alle Neuigkeiten gepostet werden. Vor Ort an den Fakultäten sind die einzelnen Fachschaften und die Univertreter Ansprechpartner. Diese findet man auch ganz unkompliziert auf unserer Website www.medizinstudierende-im-hartmannbund.de. Wichtig ist, dass möglichst viele Studierende zu den Aktionen am 18. Mai kommen. Es werden Informationsstände, Podiumsdiskussionen und Protestmärsche veranstaltet. Wenn es heißt, wir wollen #RichtigGuteÄrzteWerden, sollten Audimax, Campus oder welcher Ort auch immer am besten berstend voll sein, damit unsere Stimme gehört wird. Also unbedingt mitmachen!

Herr Völker, vielen Dank für das Interview.

Zur Person:

Moritz Völker ist seit Oktober 2015 Vorsitzender des Ausschusses der Medizinstudierenden im Hartmannbund. Der 25-Jährige, der ursprünglich aus Brandenburg stammt, studiert Humanmedizin an der Universität Witten/Herdecke. Im November 2016 startet er in sein Praktisches Jahr.

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Zum Aktionstag:

Die Medizinstudierenden im Hartmannbund und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) haben die Studierenden aller Medizinischen Fakultäten am 18. Mai zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen. Die Aktion steht unter dem Motto „#RichtigGuteÄrzteWerden“ und soll vor dem Hintergrund der Entstehung des „Masterplan Medizinstudium 2020“, dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Reformvorhaben der Bundesregierung, durchgeführt werden.

Das Aktionsmotto „#RichtigGuteÄrzteWerden“ verdeutlicht die zentralen Anliegen der Studierenden. Gute Ärzte werden – das geht nur auf richtige Art und Weise: Die Studierenden müssen ausreichend Möglichkeiten im Studium haben, eigene Schwerpunkte zu setzen und eine richtige wissenschaftliche Ausbildung zu erfahren. Dabei ist ein richtig gutes Studium nicht bloßer Selbstzweck, sondern Voraussetzung dafür, dass die Studierenden von heute die Patienten von morgen richtig gut versorgen können. Gute Versorgung und gutes Studium gehen aus Sicht der Hartmannbund-Studierenden und der bvmd daher Hand in Hand.

Die wichtigsten Themen des Aktionstages: zielgerichtete Auswahl der Studienplatzbewerber, früher Praxis- und Patientenkontakt im Studium, frühzeitige Einbindung der Allgemeinmedizin ins Studium. Die Einführung einer „Landarztquote wird ebenso abgelehnt wie ein verpflichtender PJ-Abschnitt in der Allgemeinmedizin. Auch lokalspezifische Probleme und Forderungen werden angesprochen. Am 18. Mai werden an über 20 Medizinischen Fakultäten bundesweit Protestmärsche, Informationsveranstaltungen und Podiumsdiskussionen stattfinden, die von Hartmannbund und bvmd koordiniert und unterstützt werden.