Medizinstudium in Augsburg ab 2019/20

Bisher kann man in Deutschland an 35 staatlichen Unis Medizin studieren – Augsburg gehört bisher noch nicht dazu. Aber das soll sich ändern: In der Fuggerstadt wird derzeit ein Modellstudiengang entwickelt – die ersten Studenten sollen sich zum Wintersemester 2019/20 einschreiben können.

Rektoratsgebäude der Universität Augsburg | Fotostelle der Universität Augsburg, CC BY-SA 3.0

Bislang gibt es bundesweit neun Modellstudiengänge für Humanmedizin – zum Beispiel in Hamburg, Mannheim oder Aachen. Augsburg ist die erste Bayrische Uni, die ein entsprechendes Angebot entwickelt. Perspektivisch sollen hier bis zu 1.500 Studienplätze entstehen natürlich nicht alle gleichzeitig: Zum Wintersemester 2019/20 sollen erstmal etwa 80 Studenten ihr Studium starten, für spätere Jahrgänge sollen es bis zu 200 sein.

Kernelemente des Augsburger Modellstudienganges sind laut Webseite der im Dezember 2016 gegründeten medizinischen Fakultät:

  • Integration des bio-psycho-sozialen Modells von Gesundheit und Krankheit als Leitidee.
  • Lernendenzentrierte, aktivierende Lehre, die zu multiperspektivischem Denken und interdisziplinärem Arbeiten befähigt.
  • Kompetenzorientierung des Curriculums mit frühem Patientenkontakt und Verzahnung der vorklinischen und klinisch-theoretischen Fächer mit der klinischen Lehre.
  • Klar definierte Lehrziele innerhalb eines organ- und themenzentrierten, fächerübergreifenden und integrierten Curriculums.
  • Erwerb wissenschaftlicher Kompetenzen durch wissenschaftliche Ausbildung ab dem ersten Studienjahr.

Das heißt konkret: Der Studiengang wird nicht in eine vorklinische Phase (natur- und sozialwissenschaftliche, theoretische Grundlagen der Medizin) und eine darauffolgende klinische Phase (klinisch-theoretische und klinische Fachdisziplinen) eingeteilt. Stattdessen werden die grundlagenwissenschaftlichen und die klinischen Inhalte integriert unterrichtet.

Studiengang in der Entwicklungsphase

Bevor die ersten Medizinstudenten ihr Studium in Augsburg anfangen können, müssen die Studien-, Prüfungs- und Zulassungsordnung erstellt werden. All das soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden. Außerdem werden das Curriculum und die Stundenpläne im Detail ausgearbeitet. Hier ist schon viel passiert: Worauf die zuständige Arbeitsgruppen bei der Entwicklung des Curriculums geachtet haben, wird in einem Artikel im GMS Journal for Medical Education beschrieben.

An der Universität Augsburg soll eine medizinische Fakultät durch die Umwandlung eines kommunalen Krankenhauses in eine Universitätsklinik in staatlicher Trägerschaft entstehen.

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Parallel zur Entstehung des neuen Studienganges wird das städtische Klinikum Augsburg in eine Uniklinik umgewandelt. Die Trägerschaft soll spätestens am 1. Januar 2019 von Stadt und Landkreis Augsburg auf das Land Bayern übergehen. Schon jetzt wird das Klinikum von den Münchner Unis als Lehrkrankenhaus genutzt.

Doch in Augsburg sollen künftig nicht nur Mediziner ausgebildet werden: Die medizinische Fakultät wird auch den Medizinanteil des künftigen Bachelorstudiengangs Medizinische Informatik verantworten hier werden ab dem kommenden Wintersemester 2018/19 so genannte „data scientists“ ausgebildet. Der Schwerpunkt dieses Studienganges liegt auf der Simulation biologischer Prozesse und Visualisierung medizinischer Daten – zum Beispiel in der Genomforschung oder den Neurowissenschaften.

Quelle: Universität Augsburg