Medizinstudent rettet Zahnarzt: Herzmassage im Rhythmus von „Staying alive“

Ein Medizinstudent der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat einem Tennisspieler das Leben gerettet. Der 21-jährige Lennart Stalp war zur Stelle, als der 55-jährige Zahnarzt Mirko Philipp beim Training mit Herzversagen zusammenbrach.

Dr. Christian Napp, Lennart Stalp, Mirko Philipp und Professor Dr. Johann Bauersachs mit einem Defibrillator. | MHH/Kaiser

„Er hat noch ,aua‘ gerufen. Wir dachten, er wäre umgeknickt“, erinnert sich Lennart Stalp an den Vorfall. Doch als er von der anderen Seite des Tenniscourts herüber eilte, erkannte er, dass die Situation ernster war: „Schnell merkte ich, dass er bewusstlos war, kaum noch Puls hatte, und dass die Atmung schließlich ganz aussetzte.“ Stalp, der im sechsten Semester an der MHH studiert, leitete sofort die Wiederbelebungsmaßnahmen ein. „Eine Reanimation hatte ich auch in meinem Studium noch nie gemacht, aber an die Herzdruckmassage konnte ich mich noch aus dem Erste-Hilfe-Kursus erinnern.“ Dabei half ihm eine Eselsbrücke: Der Song "Staying Alive" von den Bee Gees gibt genau den richtigen Rhythmus für die Herzdruckmassage vor.

Andere Tennisspieler holten sofort den Defibrillator, der in der Tennishalle hängt, und riefen über die 112 einen Rettungswagen. „Ich habe die Herzdruckmassage fortgesetzt, weitere Helfer haben den Defibrillator vorbereitet“, erinnert sich Lennart Stalp. „Die Bedienung ist sehr einfach, denn er redet mit den Helfern und sagt genau, was man tun muss. Dabei analysiert das Gerät selbsttätig, ob ein Stromstoß notwendig ist, da kann man gar nichts falsch machen.“ Bei Mirko Philipp kommt der Stromstoß rechtzeitig und rettet sein Leben. „Als der Rettungsdienst nach knapp zehn Minuten eintraf, schlug sein Herz bereits wieder“, erinnert sich Stalp. Philipp selbst hat davon nichts mitbekommen: Er wachte erst auf der Intensivstation der MHH wieder auf. Dort war er mit Medikamenten und einem Stent therapiert worden.

Defibrillatoren retten Leben

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Dabei kommt es zum Kammerflimmern, die Pumpleistung des Herzens sinkt abrupt ab und ein Kreislaufstillstand tritt ein. „Der Einsatz eines Defibrillators ist dann die einzige Möglichkeit, den Kreislauf wieder herzustellen“, erklärt Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie an der MHH. Und das muss schnell gehen: Je schneller die Defibrillation erfolgt, umso größer ist die Chance, dass der Patient ohne schwere Hirnschäden überlebt.

Inzwischen gibt es an vielen Orten öffentlich zugängliche Defibrillatoren: zum Beispiel in Bahnhöfen, Behörden oder Banken. Die Geräte lassen sich auch ohne Vorkenntnisse leicht bedienen, weil sie mit den Ersthelfern sprechen. Auch Zahnarzt Mirko Philipp hat aus dem Vorfall gelernt: Er hat einen Defibrillator gekauft und in seiner Praxis aufgehängt. An den Wochenenden nimmt er ihn mit, wenn er auf Tennisturniere fährt - schließlich könne man nicht wissen, ob es in der Halle einen Defibrillator gebe, sagt er.

„Ist ein Arzt an Bord?“ Auf einer Flugreise kann dieser Hilferuf einen Arzt oder anderes medizinisches Personal spontan aus der Urlaubsstimmung herausreißen. Aber nicht alle Ärzte sind auf so eine Notsituation vorbereitet. Mit einem YouTube-Video wollen kanadische Notärzte Abhilfe schaffen.

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Erste Hilfe bei Herzstillstand:

1. Auf Bewusstlosigkeit prüfen:
Ist der Betroffene bewusstlos? Das sollten Ersthelfer als erstes prüfen. Legen Sie die Person auf den Rücken und klopfen abwechselnd auf die linke und rechte Wange des Betroffenen und sprechen ihn an. Wenn er sich nicht bewegt und kein Puls zu fühlen ist, ist ein Herzstillstand wahrscheinlich.
 
2. Umstehende einbinden und 112 wählen:
Bitten Sie Umstehende, über den Notruf 112 den Notarzt zu alarmieren und  die Rettungssanitäter zum Unfallort zu führen. Andere Umstehende sollten gegebenenfalls nach einem Defibrillator Ausschau halten.

3. Wiederbelebungsversuch beginnen:
Knien Sie sich seitlich neben den Betroffenen und legen den linken Handballen auf die Mitte des Brustbeins. Anschließend legen Sie die rechte Hand auf die linke und beginnen, kräftig zu drücken. Dabei nicht zimperlich sein! Um im Takt zu bleiben, können Sie den Bee Gees-Song „Staying alive“ summen (pro Minute ca. 100 Mal drücken). Auf Mund-zu-Mund-Beatmung können Sie verzichten.

4. Defibrillator bei laufender Herzmassage anlegen:
Wenn Sie wissen, dass ein externer Defibrillator in der Nähe ist, schicken Sie eine zweite Person los, um ihn zu holen. Sie sollten die Herzdruckmassage nicht unterbrechen.

So bedient man einen Automatischen Externen Defibrillator (AED):

1. Ziehen:
Durch den Zug am Griff wird der Defibrillator eingeschaltet. Der Defibrillator sagt, was zu tun ist.

2. Platzieren:
Nachdem Sie die Brust entblößt haben, kleben Sie die beiden selbstklebenden Elektroden auf den Oberkörper des Betroffenen. Wo sie platziert werden müssen, zeigt eine Grafik. Jetzt analysiert das Gerät die Herztätigkeit (EKG) und stellt fest, ob der Betroffene ein Kammerflimmern aufweist und mit Hilfe einer Defibrillation behandelt werden muss.

3. Drücken:
Wenn ein Kammerflimmern festgestellt wurde, weist das Gerät den Helfer an, den Knopf zur Defibrillation zu drücken. Eine Defibrillation ist nur in diesem Fall möglich. Falls notwendig, fordert der Defibrillator zu einer Herz-Lungen-Wiederbelebung auf.

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover