Medizin-Lehrprojekt aus Gießen gewinnt Hessischen Hochschulpreis

Was macht einen guten Arzt aus? Damit beschäftigt sich das Studienangebot „Global Health" an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Jetzt ist das Schwerpunktcurriculum mit dem Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre ausgezeichnet worden.

Das Projektteam um Projektleiter PD Dr. Michael Knipper kann sich nun über ein Preisgeld von 60.000 Euro freuen. „Die Lebenswelt unserer Studierenden und unserer Patientinnen und Patienten ist international und hat viele interkulturelle Bezüge. Das muss nicht nur thematisiert werden, sondern kann zur Verbesserung der Lehre konstruktiv genutzt werden“, beschreibt Knipper den Ansatz von „Global Health“.

Kultur- und Geisteswissenschaften ergänzen medizinische Themen

Die Lehrinhalte von „Global Health“ umfassen neben gesundheitswissenschaftlichen Themen auch Bereiche der Kultur- und Geisteswissenschaften wie Geschichte, Ethnologie und Politikwissenschaften. Außerdem wird ein spezieller Fokus auf das Thema Menschenrechte gelegt. Im Mittelpunkt steht nicht das Erlernen von Fakten, sondern die Entwicklung bzw. Stärkung der vielfältigen sozialen, wissenschaftlichen, ethischen und kommunikativen Kompetenzen, die für ärztliches Handeln in der globalisierten Welt von heute unabdingbar sind. Das inhaltliche Profil ist somit durch ein „bio-soziales“ Verständnis von Krankheit definiert: In Ergänzung zu natur- und biowissenschaftlichen Aspekten werden soziale, kulturelle und strukturelle Dimensionen von Krankheit und Gesundheitsversorgung gezielt in den Blick genommen.

„Ich bin sehr stolz auf die Auszeichnung dieses Lehrprojekts und gratuliere dem Projektteam sehr herzlich“, betonte JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. „‚Global Health‘ steht beispielhaft für die gesellschaftliche Verantwortung unserer Universität im Sinne der sogenannten ‚Third Mission‘: Wir sind gerade in diesen Zeiten, in denen wir uns in vielen turbulenten Entwicklungen befinden – weltweit, in Europa, aber eben auch bei uns – auf das Engagement aller unserer Mitglieder angewiesen, um positive Wirkungen in der Gesellschaft zu entfalten. Ich bin daher PD Dr. Michael Knipper überaus dankbar für seine Initiative.“ Der vom Land Hessen gestiftete Lehrpreis unterstreiche die große Bedeutung der universitären Lehre, die neben der Forschung viel zu oft in den Hintergrund trete.

Bereits 43 Absolventen seit 2011

Das Schwerpunktcurriculum „Global Health“ wurde im Jahr 2011 als Lehrprojekt zur systematischen Internationalisierung des Medizinstudiums gestartet und seitdem konsequent weiterentwickelt. Jedes Jahr werden über einen Bewerbungs- und Auswahlprozess bis zu 15 Studierende (plus zwei Studierenden aus Marburg) neu zugelassen. Aktuell sind 111 Studierende zugelassen; 43 haben das Schwerpunktcurriculum bereits erfolgreich beendet. Das Lehrangebot wird studienbegleitend über einen Zeitraum von vier bis sechs Semestern im 3. bis 6. Studienjahr absolviert.

Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen