Zeitmanagement – Tipps für ein erfolgreiches Studium

Dass das Medizinstudium im Vergleich zu den meisten anderen Studiengängen eines der lernintensivsten ist, dürfte kaum jemanden überraschen. Allerdings kann sich angesichts des Lernpensums schnell eine leichte Panik breit machen. Konsequentes Zeitmanagement kann dem Studium die nötige Struktur geben.

Zeitmanagement gegen Prüfungsstress

Die nächste Prüfung kommt bestimmt - das richtige Zeitmanagement hilft, sich strukturiert vorzubereiten. | Foto: Andreas Hermsdorf/Pixelio

Prioritäten setzen – Ziele definieren

Um effektiv studieren zu können, müssen Prioritäten gesetzt werden. Wann ist welche Prüfung? Was muss bis wann gelernt werden? Wo bleibt das Privatleben, gibt es Zeit für Hobbys, Freunde? Hierbei hilft eine kleine Liste mit Wünschen und Vorstellungen. Tipp: Die Liste sollte nicht mehr als zehn Punkte umfassen. Jeder Punkt, jedes Ziel auf der Liste muss mit konkreten Schritten und mit einem fixen Datum versehen werden.

Tagesplanung spart Zeit

Indem man seinem Tagesablauf im Vorfeld eine klare Struktur gibt, spart man sich bereits sehr viel Zeit. Daher: Eine kurze To-Do-Liste vor dem Start in den Tag anzulegen, spart darüber hinaus auch unnötige Wege. Entscheidend für das Studieren ist hier auch vor allem die Frage: Wann ist der beste Zeitpunkt für welche Aufgabe? Was muss zuerst erledigt werden, bevor etwas anderes angefasst werden kann? Welche Dinge auf der Liste lassen sich kombinieren? Es gilt: Nicht die Zeit einer Aufgabe anpassen – sondern die Aufgabe einer bestimmten Zeit. Wie viel Zeit einer Aufgabe zusteht, hängt wiederum mit der Priorisierung zusammen.  

Extra-Tipp: Die wichtigste,  kniffligste Aufgabe, die am meisten Hirnschmalz benötigt, sollte man sich bereits am Vorabend zurechtlegen. Das hat den Vorteil, morgens gleich durchstarten zu können, wenn man noch frisch, konzentriert und voller Energie ist. Wichtig: Frühstück nicht vergessen. 

Lernphasen dem Biorhythmus anpassen

Was im Berufsleben leider nur selten funktioniert, ist bei der Prüfungsvorbereitung durchaus hilfreich: Einige Menschen können vor allem abends gut arbeiten, kommen erst über den Tag so richtig in die Gänge. Andere sind morgens topfit und ihre Leistungskurve sinkt gegen Abend in Richtung Null. Stellen Sie sicher, dass Sie zu den Zeiten ungestört sind und lernen können, zu denen Sie geistig fit sind. Legen Sie Routinen und unwichtigere Aufgaben in die Zeit des sogenannten Leistungstiefs: Einkaufen, E-Mails checken, Wohnung putzen kann man auch "auf Autopilot".

Salami-Taktik: „Große Brocken“ in kleine Happen zerteilen

Das Lernpensum für ein Semester vor Augen, kann man schon einmal kurzzeitig in Panik geraten. Aber keine Angst: Zerlegt in mehrere kleine Abschnitte, schwindet die anfängliche Furcht. Wichtig beim Aufteilen in gut verdaubare Häppchen ist die Kontrolle. Es empfiehlt sich dringend, eine Checkliste anzulegen, um den Fortschritt festzuhalten und das Ziel – die näher rückende Prüfung – nicht aus den Augen zu verlieren. 

Prokrastination – der natürliche Feind aller Studierenden

Die Prüfung rückt näher und plötzlich fällt einem auf: Es liegt zu viel Krempel in der Bude, der ablenkt. Das Bad sollte dringend mal wieder geputzt werden. Und eigentlich würde dem Zimmer ein wenig mehr Farbe an den Wänden nicht schaden. Selten ist eine Studi-Wohnung so sauber, geputzt aufgeräumt und neu dekoriert wie kurz vor der „heißen Phase“ in den Wochen vor einer wichtigen Prüfung. Wer kennt sie nicht, die Prokrastination, also das Verhalten, notwendige aber unangenehme oder lästige Aufgaben immer wieder zu verschieben, anstatt sie endlich in Angriff zu nehmen. Um die Prokrastination zu durchbrechen, das ewige Aufschieben und Suchen nach Ersatztätigkeiten zu verhindern, hilft nur gezielte Planung und Zeitmanagement. Und die Frage danach, was einen wirklich weiterbringt. Was ist wie wichtig? – Was ist dringend? – Und was bringt mich meinem Ziel wirklich näher? – Nur so überwindet man den inneren Schweinehund.

Andere um Rat fragen

Wenn man an einer bestimmten Stelle nicht weiterkommt, nicht versteht, wie etwas funktioniert – nicht verzweifeln, sondern andere um Rat fragen – Kommilitonen, höhere Semester, Mediziner-Blogs. Wichtig: keine Scheu, Nobody’s perfect. Auch die größte Intelligenzbestie hat manchmal eine Blockade.

Nicht ablenken lassen

Ebenfalls ein wichtiger Tipp, vor allem für Menschen, die sich gerne ablenken lassen. Es hilft, Lerneinheiten in vorher festgelegte Phasen einzuteilen und Pausen dazwischen vorzusehen. Beim intensiven Lernen ist es wichtig, dass man mit voller Konzentration und – an einem Stück – arbeitet.  Die Länge der Lernphasen kann dabei je nach Konzentrationsspanne angepasst werden. Wichtig dabei ist jedoch, dass man sich strikt an die Planung hält. Also: Lernphase: es wird nur gelernt. Pause: WhatsApp-Nachrichten beantworten, Freunde anrufen, Essen, etc.

Feedback, Feedback, Feedback

Nach der Prüfung  ist vor der Prüfung. Deswegen ist es wichtig, dass man sich möglichst direkt nach der Prüfung eine Stunde Zeit nimmt, um Notizen zu machen: Was ist gut gelaufen und was nicht? Was kann man beim nächsten Mal besser machen, wo gibt es noch Potenzial. 

Bewusst Pausen einlegen

Das Leben eines Studenten, auch eines Medizinstudenten, besteht nicht nur aus Lernen. Daher: bewusst Pausen einlegen, Freunde treffen, Sport treiben, Zeit für Freizeit einplanen. Daran sollte man sich genauso strikt halten, wie bei den Lernphasen. So klappt es auch mit der Work-Life-Balance.

Zeitmanagement und Lernen: kleine Theoriesammlung

Eisenhower-Matrix

Das Grundprinzip ist einfach. Die sogenannte Eisenhower-Matrix besteht aus vier Feldern, in welche die jeweiligen Aufgaben eingeteilt werden: dringend und wichtig, dringend, aber nicht wichtig, wichtig, aber nicht dringend. Die angenehmste der vier Gruppen ist wohl die letzte: weder wichtig noch dringend. Denn alles, was unter diese Kategorie fällt, kann weg. Die Aufgaben aus dem ersten Bereich sollten sofort erledigt werden. Die dringenden, aber nicht wichtigen Aufgaben können delegiert werden, die wichtigen, aber nicht dringenden Aufgaben sollten exakt terminiert und dann selbst erledigt werden. Die Schwierigkeit besteht darin, die Aufgaben richtig einzuteilen. Das erfordert Disziplin und auch Übung.

Getting Things Done – GTD

Die Theorie von David Allen besagt, alle Aufgaben zu erfassen und nach ihrer Dringlichkeit zu sortieren, um effektiver zu werden. Sehr wichtige Aufgaben, die in sehr kurzer Zeit abgearbeitet werden können, sollten demnach sofort erledigt werden. Das verhilft zu der nötigen Zeit für die wichtigen Dinge, die viel davon in Anspruch nehmen.

Not-To-Do-List

Viel wichtige Zeit verplempern wir tagtäglich mit Dingen wie dem ständigen Checken von Mails, oder mit beiläufigen Durchforsten von Facebook und Co. Daher kann es hilfreich sein, eine Liste der Dinge anzulegen, mit denen man auf keinen Fall seine Zeit verschwenden will. So bleibt erstaunlich mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Alltag.

Die Yerkes-Dodson-Kurve

Viele Menschen sind der Überzeugung, wenn sie nur stärker, härter, schneller arbeiteten, dann erzielten sie auch bessere Ergebnisse. Diese Herangehensweise führt in Wahrheit jedoch häufig nur zu mehr Druck, Stress und noch weniger Zeit. Und dann entsteht der folgende Effekt: Man legt sich ins Zeug wie verrückt, erreicht aber immer weniger. Dieses Phänomen wurde bereits 1908 von den beiden Psychologen Robert Yerkes und John D. Dodson beschrieben.

Nach Yerkes und Dodson ist auch die gleichnamige Kurve benannt, die wie ein umgedrehtes U aussieht. Den Studien zufolge verhält es sich mit Leistung und Produktivität folgendermaßen: Mit wachsendem Einsatz und wachsendem Stress steigt zunächst die Produktivität eines Menschen. Jedoch nur bis zu einem Scheitelpunkt, dem sogenannten Leistungsoptimum. Jede Anstrengung darüber hinaus bringt keine Leistungssteigerung. Im Gegenteil: Die Produktivität fällt nur noch schneller ab. Sprich: die eigene Leistungsfähigkeit lässt sich nicht übergehen oder austricksen. 

Worauf müssen Sie jetzt als Erstsemester achten? Worum müssen Sie sich direkt bei Semesterbeginn kümmern? Welche Hürden gibt es zu umschiffen? Wo findet man zum Studienbeginn die richtigen Ansprechpartner?