Nach GMK-Ergebnissen: Kontroverse um Masterplan 2020 geht weiter

Die Kontroverse um den „Masterplan Medizinstudium 2020“ geht weiter. Nachdem die Ergebnisse der letzten Gesundheitsministerkonferenz vorliegen, regt sich nun vor allem Widerstand aus den Reihen der Medizinstudierenden.

Hörsaal

Nach dem Bekanntwerden der GMK-Ergebnisse regt sich Widerstand aus den Reihen der Studierenden. | Kasto/Fotolia

Auf der diesjährigen Gesundheitsministerkonferenz (GMK) in Warnemünde sprachen sich die 16 Gesundheitsminister dafür aus, im Masterplan Medizinstudium 2020 solle festgehalten werden, dass jedes Land weiterhin die Option hat, eine eigene Landarztquote einzuführen.

Außerdem einigten sich die Länderminister auf eine Quartalisierung des Praktischen Jahres (PJ). Bislang wird das PJ in drei Abschnitte aufgeteilt. Ein Abschnitt davon soll in der ambulanten Medizin absolviert werden – ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin ist damit zwar vom Tisch. Aber: Nach dem PJ soll dafür eine Pflicht-Prüfung im Fach Allgemeinmedizin eingeführt werden. Noch allerdings wollen die Länderminister weiter mit den Kultusministern beraten.

Erneut harsche Kritik aus den Reihen der Studierenden

Erneut harsche Kritik schlägt den GMK-Beschlüssen nun aus den Reihen der Studierendenverbände entgegen. „Die Beschlüsse der Gesundheitsminister der Länder zum Masterplan Medizinstudium 2020 sind für die Medizinstudierenden in mehrfacher Hinsicht enttäuschend: Anstatt die bisherigen Reformen und Modellversuche auszuwerten, soll gleich das nächste Experiment zu Lasten der ohnehin geringen Wahlfreiheit im Studium gestartet werden. Das ist Politik auf Zuruf der allgemeinmedizinischen Fachgesellschaft und widerspricht eklatant den Wünschen und Bedürfnissen der Medizinstudierenden“, so der Kommentar von Stefanie Weber, Vorsitzende des Sprecherrats der Medizinstudierenden im Marburger Bund, zu den neuesten Forderungen.

Appell an Kultusminister

Die Medizinstudierenden im Hartmannbund fordern in einer ersten Reaktion an die Kultusministerkonferenz, nun konsequent „dagegen zu halten“. „Es wäre ein fatales Signal, wenn gegen das eindeutige Votum der Medizinstudierenden mit Zwangsmaßnahmen reagiert würde oder mit dem verfrühten Festlegen von Studienbewerbern auf eine Jahre spätere Tätigkeit auf dem Land Versorgungsprobleme gelöst werden sollen“, sagte Moritz Völker, der Vorsitzende des Ausschusses der Medizinstudierenden im Hartmannbund.

Völker: "Verpflichtung durch die Hintertür"

Auf Anfrage von Operation Karriere ergänzt Völker: "Zuerst einmal freuen wir uns, dass ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin vom Tisch ist. Das schien einige Zeit vielen als 'Allheilmittel' gegen den Landarztmangel. Nun aber den 'Kompromiss' mit der Pflicht zur ambulanten Medizin einzuschlagen, ist mehr als fragwürdig. Gerade in Kombination mit der verpflichtenden AM-Prüfung im M3 ist das eine Verpflichtung durch die Hintertür. Da hilft es auch nichts, uns durch die Quartalisierung einen Wahlabschnitt übrig zu lassen. In der Summe droht den Medizinstudierenden in Deutschland noch mehr Pflicht und weniger Freiheit im Studium. Das ist ein eindeutiger Rückschritt und ein fatales Signal in die Zukunft. Die versorgungspolitischen Erwägungen machen also auch vor dem Medizinstudium keinen Halt und die Tür ist für alle Fachrichtungen geöffnet, eigene Ansprüche anzumelden – nicht nur die Allgemeinmediziner erleben einen Nachwuchsmangel. Das macht eine Reaktion der Medizinstudierenden dringend erforderlich und auch dafür ist unsere Blitzumfrage gedacht. Mit einem starken Votum können wir Fehlentscheidungen noch vermeiden."

Blitzumfrage gestartet

Um ein aktuelles Stimmungsbild innerhalb der Studierendenschaft zu erhalten, haben die Medizinstudierenden im Hartmannbund eine Blitzumfrage zum Masterplan gestartet. Damit soll in Erfahrung gebracht werden, wie die Medizinstudierenden zu den bisher veröffentlichten GMK-Ergebnissen stehen.

Ärztetag gegen Pflichtteil Allgemeinmedizin und Landarztquote

Die Medizinstudierenden stehen mit ihrer Kritik nicht allein da. Der 119. Deutsche Ärztetag, der bereits Ende Mai in Hamburg stattfand, hatte sich mehrheitlich gegen den Vorschlag ausgesprochen, im PJ einen Pflichtabschnitt in der Allgemeinmedizin einzuführen. Statt weitere Zwangsmaßnahmen zu etablieren, sollten zunächst die bereits angeschobenen Maßnahmen in ihrer Wirksamkeit evaluiert werden, war einer Mitteilung zum Ärztetag zu entnehmen.

Der Ärztetag in Hamburg hatte außerdem gefordert, bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen stärker als bisher die persönliche Eignung der Bewerber zu berücksichtigen. Eine Landarztquote lehnten die Delegierten ab, mit der Begründung, dass nur die wenigsten Bewerber vor ihrem Studium einschätzen könnten, welche Fachrichtung sie später einschlagen wollten. 

Quellen: aerzteblatt.de, Medizinstudierende im Hartmannbund, Medizinstudierende im Marburger Bund