Kind und Kittel: Zeit der Abschiede

Unsere Operation Karriere-Bloggerin Natalja Ostankov zieht um – mit zwei Kindern und mitten in der Lernphase. Dafür wollte sie sich eigentlich zwei lernfreie Wochen gönnen. Wie ihr "lernfreier" Alltag aussieht, schildert sie im Beitrag.

Die zweifache Mutter Natalja Ostankov schreibt regelmäßig über den Alltag zwischen Familie, Klinik und Medizinstudium. | Deutscher Ärzteverlag/privat

Letzter Donnerstag war der Tag der Abschiede. Ich war das letzte Mal in der Uni, hatte dort einen Untersuchungskurs, den ich noch aus dem 7. Semester nachholen musste. Es war recht unzeremoniell und dass es mein letzter Tag war, ist mir auch erst geraume Zeit später aufgefallen.

Und die Kinder nahmen Abschied in ihrem Kindergarten, weil sie ab November in den neuen Kindergarten gehen. Dieser Abschied allerdings war sehr aufregend für uns. Auch wenn ich immer wieder Grund zum Meckern fand, sind die Erzieherinnen mir mit der Zeit ans Herz gewachsen und es war nicht einfach, nun Abschied von unseren Freunden zu nehmen.

Wir ziehen zwar erst Ende Dezember um, mussten aber unsere hart erkämpften Kindergartenplätze jetzt schon wahrnehmen, sonst würden sie an andere Kinder übergeben. Überall fehlen Plätze, auch in Kleinstädten, wie der, in die wir umziehen. Zudem werden dem Kindergarten vereinfacht gesagt Fördergelder gestrichen, wenn die angemeldeten Kinder nicht ab September wirklich physisch erscheinen. Diese Regelung soll dem Fördergelderbetrug entgegenwirken, schränkt aber Familien in ihrer Mobilität ein. Anstatt das Budget für Kindergärten anzuheben, damit die Kindergärten gar nicht erst auf den Gedanken kommen, Kinder anzumelden, die nicht kommen, müssen jetzt einfach alle Familien im September umziehen. Ganz einfach.

Dank meiner Hartnäckigkeit am Telefon mit Jugendamt, Kindergartenverbund und der Kitaleitung konnte ich allerdings noch November heraushandeln, denn von unserem jetzigen Zuhause ist der Fahrtweg eine ganze Stunde mit dem Auto und das morgens im Berufsverkehr und mit zwei Kindern auf der Rückbank... Man hatte doch Mitleid mit uns.

Zwei Wochen lernfrei!

Nachdem ich in den letzten Wochen endlich einen Rhythmus gefunden hatte, durch den ich sogar zweimal die Woche Joggen gehen konnte, musste ich Anfang November alles umschmeißen. So war und ist es immer mit den Kindern: Kaum hat man eine Balance zwischen den eigenen und den Bedürfnissen der Kinder gefunden, ändert sich irgendetwas in ihren kleinen Köpfen oder an den äußeren Umständen und alles muss neu koordiniert werden.

So habe ich in meinem Lernplan für Anfang November zwei Wochen lernfrei eingeplant, damit wir uns stressfrei an die neue Situation gewöhnen können. Wichtig war mir auch, dass ich die Kinder so lange in den neuen Kindergarten begleiten kann, wie sie es brauchen.  

Seit einer Woche sieht mein Alltag ganz lernfrei so aus: Ich stehe um 6:00 Uhr auf und schmiere den Kindern Brötchen für den Kindergarten, wecke sie um 6:30, damit wir trotz aller Schwierigkeiten beim Anziehen und Packen, die da wären: “Diese Hose kraaaatzt!” - “Welches Kuscheltier nehme ich denn heute mit…?” - “Mama! Wo ist mein zweiter Handschuh?” rechtzeitig um 7:20 im Auto sitzen. So düsen wir dann zum neuen Kindergarten, verbringen den Vormittag dort alle zusammen und fahren dann wieder nach Hause. Ich muss sagen, das ist ermüdend.

Das Medizinstudium ist extrem zeitaufwändig – und später im Arztberuf wird das häufig nicht besser. Wie lässt sich dieser fordernde Beruf mit einem ausgefüllten Privat- und Familienleben vereinbaren? Damit beschäftigt sich die bvmd-Initiative „Freundilie – für Freunde und Familie“. Julia Peker-Vogelsang, Katja Gierhahn, Anne Katrin Goele und Janina Einsele vom Kernteam des Projekts erklären im Interview, wie Lösungen aussehen könnten.

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Mit 25 Kindern den Vormittag zu verbringen, ist irgendwie nicht so mein Ding – zwei reichen mir. Abends dann noch ein oder zwei Stunden Lernen einzubauen, wie ich es insgeheim geplant hatte, kann ich mir abschminken. Deswegen hoffe ich, dass meine Kinder in der zweiten Woche mehr Selbständigkeit an den Tag legen werden und mich das eine oder andere Mal gehen lassen. Zumal ich meinem superduper Lernplan natürlich hinterher hinke und ein Puffer zum Aufholen nicht schlecht wäre.

Und wenn sie dann vollends eingewöhnt sind und hoffentlich freudestrahlend ohne mich zu ihren neuen Freunden rennen, werde ich mir irgendwo im neuen Ort einen Unterschlupf zum Lernen suchen. Zum Beispiel in der Stadtbibliothek, die leider erst um 10:00 Uhr aufmacht. Und leider ist der Herbst kalt, sodass ich nicht auf einer Parkbank bis 10:00 ausharren kann. Und wenn ich erst um 10:00 anfange, kommen mir anderthalb wertvolle Stunden abhanden. Das würde mir keine Ruhe lassen.

Es ist nie genug...

Lernen ist unglaublich ausufernd, man kann immer noch mehr machen. Es ist nie genug wiederholt, es ist nie genug gekreuzt! Und zwischendurch überfällt mich die gruselige Angst, dass ich es nicht schaffen könnte. Dass ich alles bisher Gelernte vergesse, oder in der Prüfung mit dem Blackout des Jahres sitze und mir nichts mehr einfällt. Diese Angst ist normal, glaube ich. Ich glaube, alle staatsexamengeplagten Studenten haben das. Oder?

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