Die Doktorarbeit planen und meistern

Der "Doktor" ist kein Muss, um Patienten behandeln zu dürfen. Vielen Ärzten ist die Anerkennung, die der Titel mit sich bringt, jedoch sehr wichtig. Dr. Ursula Kessen erklärte auf dem Operation Karriere-Kongress in Köln, welche Fallstricke man auf dem Weg zum Dr. med. umgehen muss.

Dr. Ursula Kessen

Dr. Ursula Kessen gab Tipps zum korrekten Herangehen und Timing bei der Doktorarbeit. | Britta Krämer

Die Doktorarbeit wird früher oder später für jeden Medizinstudierenden ein Thema. Es empfiehlt sich daher, die ersten Überlegungen zur Promotion frühzeitig anzustellen, riet Dr. Ursula Kessen, Leitung Akademische Verfahren, Dekanat der medizinischen Universität Düsseldorf, beim Operation Karriere-Kongress am 5. Dezember 2015 in Köln.

Als Beweggründe zu dem Entschluss der meisten angehenden Ärzte, die Doktorarbeit in Angriff zu nehmen, nannte sie ein leidenschaftliches Interesse für die Wissenschaft oder die persönliche Ansicht, man brauche den Titel, um von den Patienten Anerkennung zu erfahren. Egal, was die Motivation sei, der Zeitpunkt spiele eine wichtige Rolle: Angehende Dr. med. müssten sich die Frage stellen, was sie mitbrächten. "Viele Kandidaten wollen mit der Doktorarbeit sehr früh beginnen, verfügen aber noch nicht über das nötige Wissen", erklärte Kessen. Problematisch sei in diesem Zusammenhang unter anderem auch die Tatsache, dass Medizinstudierende im Vergleich zu Akademikern anderer Disziplinen keine Ausbildung im wissenschaftlichen Arbeiten bzw. Schreiben erfahren.

Wie finde ich das passende Thema?

Bei der Themensuche sei die eigene Motivation und das Interesse an der Sache das Wichtigste. "Fragen Sie als potenzieller Doktorand nicht nach, ob der Prüfer/ Betreuer ein Thema für Sie hat – suchen Sie sich geleitet von dem, was Sie interessiert, ihr eigenes Thema aus", sagte Kessen.

Eine der wichtigsten Aktivitäten in dieser Phase sei das Knüpfen von Kontakten. Prüfer wählen laut Kessen ihre Doktoranden meist selbst aus. Der Pool der Doktoranden bestehe dabei aus Studierenden, die in den Vorlesungen auffallen, sehr interessiert sind oder an der Klinik bereits an Projekten mitgearbeitet haben.

Gut vorbereitet in das Projekt

"Nehmen Sie die Doktorarbeit ernst!", mahnte Kessen. Die Literaturrecherche sei die Grundlage einer guten und umfassenden Arbeit, das Einlesen in die Thematik müsse sehr tief gehen. "Lesen, lesen, lesen – werden Sie zum Experten auf dem Gebiet", riet Kessen. Auch das Studieren der Veröffentlichungen des Prüfers zum Wunschthema sei notwendig.

Eine gute Betreuung zeichne sich durch ständige Kommunikation zwischen Doktorand und Mentor aus. Eine Statusabfrage von Zeit zu Zeit sei nötig, um eventuelle Abweichungen von der Strecke zu korrigieren. "Zwischen Doktorand und Mentor muss ein Vertrauensverhältnis entstehen – er muss sich die Zeit für Sie nehmen, es darf Ihnen nie unangenehm sein, den Prüfer mit Fragen zu 'löchern'", hielt Kessen fest. Diese Auswahl sei einer der wichtigsten Aspekte, der natürlich Einfluss auf das gesamte Projekt habe. Daher müssten die Doktoranden viel Energie in die Auswahl investieren.

Die Fragestellung der Arbeit müsse von Beginn an klar umrissen sein, sonst verschwende man Zeit, in der man Forschung in die falsche Richtung betreibt. Kessen: "Für 'Notfälle' einen Plan B bereit halten – was geschieht zum Beispiel, wenn der Betreuer die Uni verlässt?" Solche Eventualitäten müssen im Vorfeld abgeklärt werden.

"Im Endeffekt darf die Doktorarbeit nicht das Mittel zum Zweck sein, um den Titel zu erlangen. Die Arbeit muss dazu beitragen, dass Sie das wissenschaftliche Arbeiten erlernen – das muss nämlich ohnehin jeder Arzt können", resümierte Kessen.

Quelle: Dr. Ursula Kessen, Leitung Akademische Verfahren, Dekanat der medizinischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Düsseldorf.

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