Der Weg nach dem Studium: Karriere in der eigenen Praxis oder im Krankenhaus?

Nach dem Abschluss des Medizinstudiums steht man vor der Entscheidung, welchen weiteren Weg man im beruflichen Leben einschlägt. Grundsätzlich stellt sich dabei die Frage zwischen einem Anstellungsverhältnis in einer Klinik und der Selbstständigkeit in der eigenen Praxis. Wir schauen uns beide Möglichkeiten einmal genauer an.

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Karriere in Klinik und Wissenschaft

Sich direkt nach dem Studium für eine Anstellung in einem Krankenhaus zu entscheiden, kann für viele Absolventinnen und Absolventen schon ein harter Weg sein. Die Anstrengungen, die man im Studium schon als Dauerzustand durchlebt hat, nehmen als frische Assistenzärztin bzw. frischer Assistenzarzt zumindest in der ersten Zeit kein Ende. Mangelnde Anleitung durch Vorgesetzte, 50-Stunden-Wochen im Schichtdienst und erlebte Unsicherheit in den ersten Wochen lassen viele Ärztinnen und Ärzte, die sich für die Anstellung entscheiden, zunächst verzweifeln. Dabei sind die Unterschiede zwischen privaten und städtischen Kliniken wohl eher marginal: Überall läuft man Gefahr, in der ersten Zeit zunächst negative Erfahrungen zu machen.

Aber die Anstellung in einer Klinik kann sich auch bezahlt machen: Wer bereit ist, den Stress als Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt auf sich zu nehmen, kann mit einer sicheren Anstellung und einem festen, nicht zu verachtenden Gehalt rechnen. Perspektivisch bieten darüber hinaus die Kliniken die Möglichkeit, die Karriereleiter hinaufzuklettern, wodurch längerfristig Posten als Ober- oder gar als Chefärztin bzw. -arzt realistisch werden. Um eine solche Anstellung zu ergattern, sind jedoch entsprechende Weiterbildungen notwendig, wobei der Doktortitel schon zur „Minimalausstattung“ gehört. Mitunter bieten Kliniken jedoch auch die Möglichkeit, „nebenbei“ zu forschen und so im Wissenschaftsbetrieb mitzuwirken. Wer hier zum Beispiel an hochkarätigen Publikationen mitschreibt, kann seine Karrierechancen ganz erheblich verbessern.

Der Weg als niedergelassene Ärztin oder niedergelassener Arzt

Wer glaubt, dass der Stress und die Belastungen in einer Klinik nichts für sie oder ihn sind, der bzw. dem steht auch die Option offen, in einer eigenen Praxis zu praktizieren. Aber: Die Einstiegshürden für den Beginn der Tätigkeit in der eigenen Praxis sind wesentlich höher als für die Anstellung in einem Krankenhaus. Grundsätzlich können sich frisch gebackene Medizinerinnen und Mediziner zunächst fragen, ob sie eine Praxis neu gründen möchten, beispielsweise mit Freundinnen und Freunden aus dem Studium, oder ob es die Möglichkeit gibt, eine bereits bestehende Praxis zu übernehmen. Bei einer Neugründung sollte bedacht werden, dass diese, abhängig von der Fachrichtung, mit ganz erheblichem Bedarf an Startkapital verbunden sein kann. Im Falle einer radiologischen Praxis fallen beispielsweise wesentliche Kosten für die technische Ausrüstung an. Gleichzeitig muss bei einer Neugründung auch ein neuer Patientinnen- und Patientenstamm akquiriert werden, wobei dieser Aspekt angesichts des nach wie vor bestehenden Mangels an niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten kein größeres Problem darstellen sollte.

Im Falle einer Praxisübernahme hat man prinzipiell weniger Stress, was die Neuanschaffungen, Akquise und den Aufbau der Praxis betrifft. Wenn die Vorgängerin oder der Vorgänger bei seinen Patientinnen und Patienten einen guten Ruf hatte, kann „der Neue“ davon ausgehen, ebenfalls mit einem Vertrauensvorschuss arbeiten zu können. Dennoch ist auch die Übernahme einer bestehenden Praxis nicht risikofrei. Gerade im Hinblick auf die Geräte sollte man genau schauen, ob diese den eigenen Erwartungen und Anforderungen genügen oder ob (teilweise) eine neue Ausstattung angeschafft werden muss.

Unabhängig von Neueröffnung oder Übernahme stellen sich auch zahlreiche Fragen bezüglich der Zulassung als Vertragsärztin bzw. -arzt, der Ausbildung zur Fachärztin bzw. zum Facharzt sowie vertrauensbildenden Maßnahme für die Akquise neuer oder die Übernahme bestehender Patientinnen und Patienten. An erster Stelle steht dabei eine zeitgemäße Internetpräsenz, denn diese ist heute als Informationsmedium nicht mehr wegzudenken. Auch der Doktortitel stellt ein Merkmal dar, das die meisten Menschen mit einer qualitativ hochwertigen ärztlichen Behandlung verbinden, sodass dieser ebenso wichtig erscheint wie im Falle einer Festanstellung im Krankenhaus.

Fazit: Ohne den Doktor geht in der Medizin nicht viel

Trotz aller Diskussion: Für Medizinerinnen und Mediziner ist der Doktortitel nach wie vor eine Notwendigkeit für den Karriereaufstieg in einer Klinik oder als „Qualitätsbeweis“ für die Patientinnen und Patienten der eigenen Praxis. Ärztinnen und Ärzte mit Doktortitel verdienen zudem statistisch mehr, ohne dass dem ein Unterschied in der Behandlung oder sonstigen Ausbildung zugrunde liegen würde.

Daher sind angehende Medizinerinnen und Mediziner gut beraten, ihren Doktortitel so früh wie möglich im Studium oder unmittelbar danach zu machen, denn die Erfahrung zeigt, dass man dieses Vorhaben eher verschleppt, je später es wird. Der Titel zahlt sich für die deutschen Medizinerinnen und Mediziner aus. Falls Sie bei Ihrer Dissertation Unterstützung benötigen oder sich nicht sicher sind, wie Sie dieses Projekt am besten in Angriff nehmen sollen, helfen Ihnen die Kolleginnen und Kollegen von ACAD WRITE gerne weiter.