Bündnis für Rheumatologie: Kampagne will die kommende Generation begeistern

Das Bündnis für Rheumatologie hat die Nachwuchs-Kampagne rheuma2025.de an den Start gebracht. Das Kernziel ist, bis zum Jahr 2030 rund 800 Ärzte und Ärztinnen rheumatologisch weiterzubilden, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten auch zukünftig sicherzustellen.

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Partner des Bündnisses sind die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie mit Sitz in Berlin, neben dem Berufsverband Deutscher Rheumatologen und dem Verband Rheumatologischer Akutkliniken, mit Unterstützung der RheumaAkademie. Die Kampagne setzt das Bündnis mit der Designagentur Lindgrün aus Berlin um.

Haupt-Adressat der Kampagne ist der rheumatologische Nachwuchs. So soll der Kampagnen-Hashtag #rhmtlgy vor allem Studierende und angehende Rheumatologen ansprechen. Für den Zugang zu den Zielgruppen wird die Kampagne verschiedene Kanäle nutzen: die Website, Instagram, Twitter, Videos, Podcasts, Chats und Gespräche – bis hin zu Treffen und einer geplanten Roadshow vor Ort an den Universitäten.

Pandemiebedingt läuft die Kampagne derzeit virtuell an. Die Website www.rheuma2025.de bildet den Auftakt: Sie bietet Informationen über Rheumatologie, Tipps und Lernkarten mit Prüfungsrelevanz, bundesweite Kontakte zu rheumatologischen Ansprechpartnern und Terminhinweise. Des Weiteren verlinkt sie zu den Social-Media-Kanälen. Es gibt beispielsweise den Facebook-Account R_rhmtlgy und den gleichnamigen YouTube-Kanal.

Zu den vorgesehenen digitalen Formaten gehört etwa der Journal Club "JC.rhmtlgy" auf Twitter. Die Idee: Hier diskutieren Wissenschaftler jeden Monat aktuelle Fachartikel und Forschungsthemen. Im Videoformat "FreiGang" will der Medizinstudent Jonathan Beron Persönlichkeiten aus der Rheumatologie interviewen. Und es soll ein Kampagnen-Quiz geben. Prof. Heinz-Jürgen Lakomek, Geschäftsführer des Verbandes Rheumatologischer Akutkliniken, sagt: "Auch in diese Quiz-Fragen fließt gebündeltes rheumatologisches Wissen ein, eigens dafür stellen unsere Expertinnen und Experten authentische Fälle vor und entwickeln dazu passende Fragen".

Die Kampagne bietet laut Bündnis damit relevantes Lehrmaterial. Alle Lernkarten basieren demnach auf dem Skriptum Rheumatologie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Zudem orientieren sich die Fragen an den studentischen Prüfungsfragen des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen. Verpackt in die ansprechenden Medien der Kampagne mache das Lernen damit noch mehr Spaß. Dr. Silke Zinke, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen, erläutert: "Rheumatologen müssen neben sehr umfassenden internistischem Wissen auch geradezu detektivisches Geschick entwickeln, um den systemischen Krankheiten auf die Spur zu kommen. Diesen Rätselfaktor sprechen wir in der Kampagne mit einer Geheimschrift an, die die Designagentur Lindgrün eigens dafür entwickelt hat."

Den Erfolg des Projekts will das Bündnis messen. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie untersuchen Gesundheitswissenschaftler der Universität Erfurt in mehreren Wellenbefragungen den Wissensstand der Studierenden zum Start und nach Ende der Kampagne.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie

Im Interview: Prof. Dr. Hanns-Martin Lorenz

Prof. Dr. Hanns-Martin Lorenz, Universitätsklinikum Heidelberg, Leiter Sektion Rheumatologie/Medizinische Fakultät und Mitglied im Beirat der DGRh | Universitätsklinikum Heidelberg

Herr Professor Lorenz, wie viele Ärzte absolvieren jedes Jahr die Weiterbildung für Rheumatologie?

Prof. Dr. Hanns-Martin Lorenz: Genau wissen wir das leider gar nicht, aber in etwa 50 Ärztinnen und Ärzte legen jährlich die Facharztprüfung ab. Bei einer Weiterbildungsdauer von 6 Jahren macht das etwa 300 fertige Rheumatologen in 6 Jahren. Das ist für die Versorgung der Bevölkerung schon heute, aber erst recht in Zukunft, viel zu wenig.

Genau hierfür ist ja die Kampagne gedacht: Sie wollen angehende Ärztinnen und Ärzte für das Fach Rheumatologie begeistern.

Prof. Dr. Hanns-Martin Lorenz: Aber damit ist es nicht getan! Wir müssen die Anzahl der Weiterbildungsstellen für die Bewerberinnen und Bewerber erhöhen, hier ist der eigentliche Flaschenhals. Die Politik muss endlich auf den Versorgungsbedarf der Bevölkerung mit rheumatologischen Fachärzten reagieren. Um das zu bessern, bräuchten wir schon heute in jedem größeren Zentralkrankhaus einen Weiterbildungsberechtigten für Rheumatologie. Leider fördert das pauschalierte Abrechnungssystem der diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG-System) eine Kultur hin zu DRG-reichen und damit lukrativen Fächern in den Krankenhäusern. Die sprechende Medizin, zu der u.a. auch die Rheumatologie zählt, fällt somit in den Krankenhäusern hinten runter, entsprechend gibt es keine ausreichenden Weiterbildungsstellen.

Was schlagen Sie vor?

Prof. Dr. Hanns-Martin Lorenz: Die Politik muss die Krankenhausfinanzierung von der Finanzierung der Weiterbildung trennen. Nur so lässt sich dem Flaschenhals der Weiterbildungsstellen gegensteuern. Andere europäische Länder machen uns das erfolgreich vor. Hierzulande hat die Einführung der ambulant-spezialärztlichen Versorgung Rheumatologie an den Spezialkliniken etwas gebessert, das genügt in der Fläche aber bei Weitem nicht, um so viele RheumatologInnen weiterzubilden wie wir bräuchten

Herr Professor Lorenz, vielen Dank für dieses Gespräch.


Ein Beitrag von Kompass Autoimmun 2021;3:126–129

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