Ärzte sehen erheblichen Änderungsbedarf am Entwurf der neuen Approbationsordnung

Lob von Allgemeinmedizinern

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) begrüßte indes, dass der Stellenwert, den das Fach Allgemeinmedizin in der Versorgung hat, nun auch in der Ausbildung von Nachwuchsärzten adäquat abgebildet werden soll. Vor allem die longitudinale Verankerung der Allgemeinmedizin im gesamten Studium sei aus didak­tischen, inhaltlichen und versorgungspraktischen Gründen sinnvoll, betont die Fachge­sell­schaft.

Positiv bewertet sie zudem die von ihr lange geforderte Quartalisierung des Praktischen Jahrs sowie die Verankerung der Allgemeinmedizin als Prüfungsfach im vierten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Allerdings sei eine ausreichende Finanzierung der Maßnahmen sicherzustellen, betont die DEGAM.

Ärztliche Prüfung: Vier statt drei Abschnitte

Tatsächlich soll es dem Entwurf zufolge künftig vier statt wie bisher nur drei Abschnitte der Ärztlichen Prüfung geben (ÄP1, 2, 3, 4): Der Erste Abschnitt (ÄP1) wird schriftlich nach einem Studium von mindestens zwei Jahren abgelegt; der Zweite Abschnitt (ÄP2) dann mindestens ein Jahr nach Bestehen des Ersten Abschnitts in Form einer strukturierten klinisch-praktischen Prüfung („Objective Structured Clinical Examination“/OSCE).

Den Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (ÄP3) sollen die Studierenden schriftlich mindestens zwei Jahre nach Bestehen des Zweiten Abschnitts absolvieren. Nach dem Praktischen Jahr soll dann das Studium mit dem Vierten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (ÄP4) als mündlich-praktische Prüfung an Patienten aus dem stationären Bereich und dem ambulanten Bereich und durch eine strukturierte klinisch-praktische OSCE-Prüfung abgeschlossen werden.

Hochschulmedizin hält Regelung für problematisch

Die Deutsche Hochschulmedizin bewertet die vier geplanten separaten Abschnitte der Ärzt­lichen Prüfung als problematisch. Sie müssten aus didaktischer wie konzeptioneller Sicht hinterfragt werden, heißt es in ihrer Stellungnahme.

Mit ihnen würde „ein starres staatliches Prüfungskorsett mit Abschnitten von jeweils nur ein bis zwei Jahren Dauer geschaffen, was nur wenige Freiräume für die im Masterplan verankerten fakultären Schwerpunktsetzungen und Innovationen ließe sowie die Lehr­frei­heit über die Maße einschränke“.

Darüber hinaus konterkarier die strikte Abfolge die jetzt geforderte, vorher nicht notwen­dige inhaltliche Verschränkung der Inhalte der Lehrveranstaltungen. Eine Alter­native sieht die Hochschulmedizin in dem Zusammenlegen von ÄP1 und ÄP2 nach dem 6. Sem­ester.

Kritik an Innovationsklausel

Auf heftige Kritik stößt die Innovationsklausel, die gänzlich neu in die Approbations­ordnung aufgenommen werden soll. Mit dieser Klausel, die in Paragraf 137 des vorge­legten Entwurfs verankert ist, sollen bei Bedarf weitgehende Abweichungen vom Regel­studiengang ermöglicht werden. Sie eröffnet sogar die Möglichkeit, die Dauer des Medi­zinstudiums künftig auf fünf Jahre zu reduzieren.

Voraussetzung für eine solche Sonderregelung ist, dass ein Innovationsziel beschrieben wird, was erkennen lässt, welche qualitativen Verbesserungen für die medizinische Aus­bildung erwartet werden. Außerdem sollen uneingeschränkt Unterrichtsver­anstaltungen im Rahmen digitaler Lehrformate als Fernunterricht ermöglicht werden.


Die Ärzteschaft lehnt die Innovationsklausel komplett ab und fordert die Streichung der entsprechenden Passage. Die Bundes­ärzte­kammer sieht stattdessen in dem Arbeits­ent­wurf ausreichend Spielräume für universitätsspezifische Schwerpunkte im Rahmen des Regelstudiengangs.

Nach Ansicht der Deutschen Hochschulmedizin steht die Innovationsklausel in „deutlich­em Widerspruch zu den Zielen des Masterplans und zur Gestaltung des Medizin­studiums als universitäres Studium“. Eine erhebliche Überarbeitung sei nötig.

Regelung für Aufwandsentschädigung im PJ

Ergänzt werden müsste nach Ansicht der Bundes­ärzte­kammer zudem eine rechtliche Regelung für eine obligate Aufwandsentschädigung während des PJ. Die Bundesärzte­kammer weist darauf hin, dass viele Studierende im PJ keiner Nebentätigkeit zur Sicher­stellung des Lebensunterhalts nachgehen können. Neuregelungen seien zudem bei der Gleichwertigkeitsprüfung im Rahmen des Anerkennungsverfahrens von in Drittstaaten erworbener Ausbildungsnachweise notwendig.

Der Anerkennung vorausgehen müssten eine Prüfung der vorgelegten ausländischen Zertifikate auf Echtheit durch eine Bundesbehörde, eine Fachsprachenprüfung auf Niveau C1 sowie eine obligate Kenntnisprüfung auf der Basis des aktuell Dritten und eventuell zukünftig Vierten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung.

Positiv bewertet die Deutsche Hochschulmedizin das Bestreben des Ministeriums, das Medizin­studium gemäß Masterplan Medizinstudium 2020 noch stärker als bisher kom­petenz­orientiert auszugestalten. Dem Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) werde dabei zurecht eine zentrale Funktion zugesprochen.

Auch die explizite Verankerung der Wissenschaftlichkeit im Medizinstudium und auch der Wunsch, die Digitalisierung der Medizin stärker zum Studieninhalt zu machen, seien zu begrüßen. Die parlamentarischen Verfahren und Beratungen zum Entwurf sollen im ersten Halbjahr 2020 beginnen.

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