Gegenwart und Zukunft im OP-Saal 4.0 – Roboterassistiertes Operieren

Wie haben sich Operationstechniken seit dem Mittelalter verändert – und vor allem: Wie sieht die Zukunft aus? Darüber sprach Dr. Henrik Zecha, Chefarzt für Urologie und Uroonkologie, beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg.

Vom offenen Operieren hin zur Roboterassistierten Chirurgie: Wie sich die Arbeit im OP in den letzten Jahrhunderten verändert hat, erklärte Dr. Henrik Zecha auf dem Operation Karriere-Kongress anhand seines Fachgebiets, der Urologie. | Hanke

"Die Urologie ist die innovativste Fachrichtung – wir sind beim roboterassistierten Operieren schon sehr weit", stieg Zecha in seinen Vortrag ein. Gerade hier könne man gut beobachten, welche Entwirklung es in den vergangenen Jahrzehnten gegeben habe.

Evolution: Offenes Operieren, Laparoskopie, roboterassistiertes Operieren

Zunächst skizzierte Zecha die offene Operationstechnik in ihrer ursprünglichsten Form – und zwar anhand eines Gemäldes von Hieronimus Bosch: Darauf könne man sehen, wie Operateure zu einer Zeit arbeiteten, als für die Anästhesie nur alkoholische Getränke zur Verfügung standen und der Aderlass eine verbreitete Methode für die Behandlung einer Vielzahl von Beschwerden war. Zur Veranschaulichung zeigte er auch eine Operationssäge, die noch vor 120 Jahren in Gebrauch war.

"Heute wird die offene Operationstechnik nur noch bei höchstens zehn Prozent der Eingriffe verwendet", erklärte Zecha. Denn die Nachteile liegen auf der Hand:

  • Höhere Komplikationsrate
  • Blutverlust und höherer Bedarf an Bluttransfusionen
  • Wundheilungsstörungen
  • postoperative Schmerzen
  • längerer Krankenhausaufenthalt

Mit der Laparoskopie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts dann die erste minimalinvasive Operationstechnik entwickelt: 1901 wurde in Dresden von Georg Kelling erstmals ein laparoskopischer Eingriff an einem Hund durchgeführt, 1910 folgte die erste diagnostische Laparoskopie am Menschen durch Hans Christian Jacobaeus in Schweden. 1980 wurde in Kiel die erste laparoskoische Blinddarmentfernung durchgeführt, im gleichen Jahr erfolgte der erste urologische Eingriff mit dieser Technik.

Das Operationssystem Da Vinci ist im Klinikalltag angekommen. In rund 100 Kliniken wird es bereits eingesetzt. Auch Assistenzärzte sind oft Teil des Teams.

weiterlesen

Auch wenn die Laparoskopie gegenüber der offenen Chirurgie Vorteile biete und die Komplikationsrate deutlich senke, gebe es auch hier einige Herausforderungen für den Operateur:

  • häufig nur 2D-Vision
  • lange, steife Instrumente
  • contra-intuitive und nicht-ergonomische Bewegungen
  • lediglich fünf Freiheitsgrade

Operieren mit Kollege Dr. da Vinci

Abhilfe bietet die roboterassistierte Chirurgie, die sich in den letzten Jahren immer weiter durchgesetzt hat: Hier stehen dem Operateur sieben Freiheitsgrade zur Verfügung – außerdem lasse sich viel nervenschonender operieren. So könne man den Patienten einen Großteil ihrer Lebensqualität erhalten: Nach der roboterassistierten Entfernung von Prostata oder Harnblase sei es beispielsweise problemlos möglich, weiterhin kontinent Wasser zu lassen oder eine normale Erektion zu bekommen. Da die Nerven sehr dicht an der Prostata liegen und der Operateur häufig mit eingeschränkter oder fehlender Sicht arbeiten muss, sei der Roboter hier überlegen: Beispielsweise liege die 30-Tage-Transfusionsrate bei einer offenen Operation fünfmal höher, die 1-Jahres-Reinterventionsrate sei doppelt so hoch.

Auch hier erlaubte sich Zecha einen kleinen Ausflug in die Geschichte und erklärte kurz den Namen "da Vinci": Der Roboter sei natürlich nach dem italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci (1452-1519) benannt, der bereits im 15. Jahrhundert anatomische Studien betrieben und dafür Leichen seziert habe. Außerdem habe er mit einer Ritterrüstung, die ihre Arme mechanisch bewegen konnte, eine Art frühen Roboter konstruiert.

Zum Ende seines Vortrags fasste Zecha zusammen: Die Medizin erlebe derzeit eine rasante Entwicklung der minimalinvasiven Techniken. Doch trotzdem bleibe der Mensch in der Medizin ein wichtiger Faktor: Denn auch wenn mit Hilfe von Robotern operiert werden, gehöre dazu auch ein intensiver Patientenkontakt und eine intensive Betreuung. Das sei nur mit vielen Menschen und einer guten interdisziplinären Zusammenarbeit machbar.

Quelle: Operation Karriere Hamburg, 14.06.2019, "Gegenwart und Zukunft im OP-Saal 4.0 – Roboterassistiertes Operieren", Chefarzt der Klinik für Urologie und Uroonkologie im Albertinen Krankenhaus, Hamburg