Richtig ankommen im Arztberuf: Das passiert in der Weiterbildung

Beim Operation Karriere-Kongress 2018 in Köln ging Prof. Dr. Susanne Schwalen, Geschäftsführende Ärztin der Ärztekammer Nordrhein, darauf ein, was Mediziner nach dem Abschluss ihres Studiums erwartet, welche Unterstützung sie von "ihrer" Ärztekammer erhalten und wie sie eine geeignete Weiterbildungsstätte finden können.

Prof. Susanne Schwalen erklärte den Medizinstudierenden, was sie nach Abschluss des Studiums erwartet.

Das Ziel der Weiterbildung definierte Schwalen als geregelten Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten. "Es geht uns natürlich auch um Qualitätssicherung - mit der bestandenen Facharztprüfung und dem Stempel Facharzt bzw. Fachärztin für XY weiß jeder Bescheid, was der Kandidat kann", sagte Schwalen.

Was sollten frisch approbierte Ärzte bei der Wahl des Spezialisierungsfachs beachten? Es müsse natürlich Spaß machen, aber es gebe noch mehr zu bedenken. Welche Möglichkeiten ergeben sich nach der Facharztausbildung? Die hausärztliche Tätigkeit hätten viele nicht auf dem Schirm. In den vergangenen Jahren sei dieser jedoch politisch sehr stark durch KVen und Länder gefördert worden und das werde in den kommenden Jahren auch noch so weitergehen. "Ich konnte mir das nach den ersten Jahren an der Klinik selbst nicht vorstellen", gab Schwalen zu. Sie habe jedoch viele Kollegen, die mit ihrer Entscheidung für die Niederlassung sehr glücklich seien. "Setzen Sie sich einfach mit allen Möglichkeiten auseinander!", riet sie. Auch die Entscheidung für Versorgung oder Forschung sollte frühzeitig bedacht werden, um die passende Weiterbildungsstätte auswählen zu können.

Informationen zum Fachgebiet finden

Wenn die Entscheidung für ein bestimmtes Fachgebiet gefunden ist, wo findet man dann weitere Informationen? Schwalen empfahl das Heilberufegesetz und die Weiterbildungsordnung. Jedes Bundesland und jede Ärztekammer haben ihre eigenen Normen. Es gebe zwar keine großen Unterschiede, bzgl. der Nachweise notwendiger Untersuchungen und anderen Dokumenten könne es aber Unterschiede geben, daher solle man vor dem Wechsel der Ärztekammer (z. B. beim Jobwechsel in einen anderen Zuständigkeitsbereich wie von Nordrhein nach Westfalen-Lippe) nachschauen, ob die bisherigen Vorgaben noch passen.

Grundsätzlich erfolge die Weiterbildung in strukturierter Form. Spezialisierungen bauen auf der Facharzt-Kompetenz auf, daher werden beispielsweise keine Weiterbildungszeiten für Schwerpunkte oder Zusatzweiterbildungen anerkannt, die in der ersten Hälfte der Facharztweiterbildung absolviert wurden. "Die Weiterbildungszeiten sind Mindestzeiten und werden häufig nicht eingehalten. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn etwas mal länger dauert", sagte Schwalen. Die Weiterbildung erfolge angemessen vergütet und hauptberuflich, ein Arbeits- bzw. Weiterbildungsvertrag müsse vorliegen. "Früher haben Ärzte ohne Vergütung gearbeitet, um ihre Weiterbildungsinhalte zusammen zu bekommen. Heute sieht der Arbeitsmarkt anders aus", betonte Schwalen.

Merkmale einer guten Weiterbildungsstätte

Worauf muss man bei der Wahl des ersten Arbeitsgebers achten? Bewerber sollten sich gründlich informieren, wie die Weiterbildung an der infrage kommenden Klinik organisiert ist. Wie wird sichergestellt, dass die Weiterbildung in der Mindestzeit geschafft werden kann? Kennt der Weiterbildungsberechtigte seine Rechte und Pflichten? Gibt es jährliche Weiterbildungsgespräche? Diese seien Pflicht, genauso wie ein Weiterbildungsplan, würden aber bei weitem nicht von allen Weiterbildungsstätten so konsequent umgesetzt. Bei Fächern, die zusätzliche Kurse erforderlich machen (z. B. in der Psychiatrie), solle man nachfragen, ob die Kurse von der Klinik angeboten oder übernommen werden. "Das ist ebenfalls Pflicht für die Weiterbildungsorganisation", sagte Schwalen. Die Geschäftsführende Ärztin der Ärztekammer Nordrhein rät ebenfalls nachzufragen, welche Arbeitszeitmodelle möglich sind und wie es mit der Einstellung zur Fehlerkultur aussieht.

junger Arzt

Im Logbuch wird alles dokumentiert, was man als Arzt in Weiterbildung gelernt hat. Es muss zwingend bei der Anmeldung zur Prüfung der Weiterbildung vorgelegt werden. Deshalb erspart man sich Arbeit und Stress, wenn man sich seine Leistungen regelmäßig eintragen lässt.

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"Fragen Sie auch nach Art und Umfang der Weiterbildungsbefugnis", sagte Schwalen. Manchmal könnten bestimmte Inhalte nicht abgedeckt werden, dann erhält unter Umständen eine Gruppe von Kliniken gemeinsam die volle Weiterbildungsbefugnis, was eine Rotation notwendig macht. Liege dies alles nicht vor, müsse der Arbeitgeber während der Ausbildung gewechselt werden.

Die Anerkennung von Weiterbildungszeiten beginne erst nach der Approbation, einzig bei der Allgemeinmedizin können drei Monate aus dem PJ angerechnet werden. "Achten Sie immer darauf, dass Sie Unterlagen für alle Weiterbildungszeiten und -inhalte haben und auch eine Unterschrift dafür vorlegen können. Sonst wird es schwierig", sagte Schwalen.

Quelle: Operation Karriere-Kongress am 17. November 2018 in Köln. Impulsvortrag "Der Start als Arzt: Was Ärzte in der Weiterbildung erwartet." Prof. Dr. Susanne Schwalen, Geschäftsführende Ärztin der Ärztekammer Nordrhein, Köln.