Karrierestart – Wertvolle Tipps für angehende Ärzte

Abwechslungsreich, speziell, herausfordernd – so beschreibt Dr. Ralph Oberacker, leitender Oberarzt im Fachbereich Innere Medizin am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, seinen Job.

Dr. Ralph Oberacker, SRH

Dr. Ralph Oberacker ist leitender Oberarzt im Fachbereich Innere Medizin am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach | SRH

Von der Zentralen Notaufnahme über Gefäßchirurgie bis zum Herzkatheter hat Dr. Ralph Oberacker in verschiedenen Abteilungen gearbeitet und vielfältige Erfahrungen gesammelt. Wie er als Assistenzarzt angefangen hat, was er als prägend empfand und was er jungen Ärzten raten würde, erzählt er im Interview.

Frage: Herr Dr. Oberacker, können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie nach dem Studium frisch nach der Uni im Krankenhaus angefangen haben?

Dr. Oberacker: Ja, sehr gut. Ich bin 2001 nach meinem Studium in Marburg an das SRH Klinikum in Karlsbad-Langensteinbach gekommen und dort bis zu meiner Facharztausbildung geblieben. Dann ging es weiter als leitender Arzt auf der Station Innere Medizin und schließlich in der Zentralen Notaufnahme (ZNA). Am Anfang ist man noch sehr unerfahren, aber ich hatte gestandene Ärzte, vor allem Prof. Erwin Blessing, mit dem ich sozusagen Seite an Seite gelaufen bin und viel gelernt habe. Das würde ich jedem jungen Kollegen und jeder jungen Kollegin empfehlen. Suchen Sie sich einen erfahrenen Mentor!

"Nach der Uni fängt es erst richtig an"

Frage: Wie fühlt man sich am Anfang und was würden Sie einem frisch gebackenen Arzt noch raten?

Dr. Oberacker: Nun, nach dem Studium geht es eigentlich erst richtig los. Am Anfang ist noch alles neu. Das richtige Arzt-Dasein beginnt erst wirklich, wenn man einige Erfahrungen im Alltag gesammelt hat und Situationen einzuschätzen weiß. Ich finde die Innere Medizin als Fachbereich hat viele Vorteile, weil sie den Mensch in allen seinen Funktionen durchleuchtet und das ist ein guter Grundstock, um viele Vorgänge im Körper zu verstehen. 1-2 Jahre in der Inneren Medizin tun jedem Arzt gut.

Frage: Warum sind Sie nach Karlsbad-Langensteinbach gegangen?

Dr. Oberacker: Weil es ein verhältnismäßig kleines Haus ist, das sehr breitgefächert ist. In kleinen Krankenhäusern bekommt man meist noch mehr mit und lernt viel, das ist eine breite internistische Grundausbildung vom Herz über Darm bis hin zu Durchblutungsstörungen. Die SRH bildet ja an vielen Krankenhäusern in Baden-Württemberg und Thüringen aus. Für mich hat sich das Klinikum in Karlsbad angeboten.

Zentrale Notaufnahme

Frage: Sie haben auch die Zentrale Notaufnahme (ZNA) geleitet, was hat sie daran gereizt und ist das eher etwas für erfahrene Ärzte oder sollte jeder Nachwuchsmediziner dort eine Station einplanen?

Dr. Oberacker: In der ZNA lernen Sie sozusagen Gut von Böse zu unterscheiden, damit meine ich, welche Krankheit oder welcher Notfall ist so gravierend, dass es um Leben oder Tod geht und die Person schnell behandelt werden muss. Natürlich muss jeder versorgt werden, aber man lernt, ob man Zeit dafür hat oder ob jede Sekunde zählt. Ich würde jedem jungen Arzt oder jeder jungen Ärztin wärmstens ans Herz legen in der Zentralen Notaufnahme zu arbeiten, weil es das Auge schult, man viele Krankheiten und ihre Behandlung kennenlernt und eben nach und nach zu unterscheiden weiß. Außerdem ist es gut für die Zusammenarbeit im Ärzteteam. Wenn ein Kollege aus einem anderen Fachbereich benötigt wird, ruft man ihn dazu und sieht, wie er in diesem oder jenem Fall behandelt.

Körperliche und seelische Herausforderungen

Frage: Herr Dr. Oberacker, es gibt doch mit Sicherheit auch mal Situationen, wo man als Arzt an seine Grenzen stößt oder Erlebnisse, die nahe gehen. Was ist Ihre Empfehlung, wie man damit am besten umgehen sollte?

Dr. Oberacker: Darüber reden. Das ist ganz wichtig, ob mit einem älteren Kollegen oder der Partnerin. Erlebnisse in sich rein zu fressen, ist eher kontraproduktiv und jeder Arzt wird solche Situationen erleben. Wir können zwar viel, aber manches liegt eben auch nicht in unserer Hand. Vorwürfe bringen dabei niemanden weiter.

Frage: Gibt es so etwas wie grundsätzliche Regeln, die Sie einem Berufsanfänger mit auf den Weg geben würden?

Dr. Oberacker: Ja, wie gesagt, klemmen Sie sich an einen älteren Arzt oder eine Ärztin, von dem oder der sie viel lernen können. Sie zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen. Beobachten sie, halten Sie Augen und Ohren offen und scheuen Sie sich nicht, neue Sachen zu lernen. Saugen Sie das Wissen auf und haben Sie Spaß daran.

Familie und Hobby

Frage: Haben Sie noch Zeit für die so genannte „Work-Life-Balance“? Man hört immer noch von 14 Stunden Tagen oder mehr, die zum Standard geworden sind als Assistenzarzt. Ist das so?

Dr. Oberacker: Nun ja, Lehrjahre sind keine Herrenjahre, aber so schlimm ist es nicht mehr. Es gibt bessere Arbeitszeitmodelle im Gegensatz zu früher und wenn der Arbeitsalltag sich mal eingespielt hat, wird das auch anders. Da hat sich mittlerweile viel getan. Ich habe genug Zeit für meine Familie und mein Hobby, das Ringen. Das ist aber weniger ein notwendiger Ausgleich, weil ich meine Arbeit liebe, als schöne Dinge, die das Leben ebenso ausmachen. Oft vergisst man ja auch die Zeit, wenn man etwas tut, was einem wirklich Spaß macht und fordert.

Zukunftspläne

Frage: In welcher Abteilung arbeiten Sie gerade und was haben Sie in nächster Zeit vor?

Dr. Oberacker: Ich bin gerade dabei, mit und unter Prof. Blessing am SRH Klinikum in Karlsbad-Langensteinbach ein Herzkatheterlabor aufzubauen. Ziel ist es, ein Gefäßzentrum für Nordbaden zu implementieren. Das Know-how dazu ist vorhanden und würde vielen Menschen lange Wege ersparen. Dort sollen invasive kardiologische und angiologische Eingriffe, wie wir es bereits tun, vorgenommen werden, aber eben auch am Herzen.

Frage: Würden Sie diesen Beruf jederzeit wieder wählen?

Dr. Oberacker: Ja, auf jeden Fall. Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun und wenn man sieht, dass die Entscheidung, die man in der Behandlung von einem Patienten getroffen hat, richtig war, ist es umso schöner, weil man die Früchte seiner Arbeit schnell sehen kann.

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