Doktorarbeit – Promotion ohne Plagiate und Unredlichkeiten

Wer in der bei der Promotion abgeschrieben hat, der kann im schlimmsten Fall den Doktortitel verlieren. Das gilt auch bei unabsichtlichen Plagiaten – und die sind gar nicht selten. Worauf es ankommt, damit die Arbeit nicht anfechtbar ist, verriet Dr. Natascha Miljkovic (Wien) beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg.

Egal, ob bewusstes Schummeln oder unbeabsichtigte Schludrigkeit: Wenn in der Doktorarbeit Plagiate entdeckt werden, kann das ernste Konsequenzen haben. Wie man sich davor schützen kann, erklärte Dr. Natascha Miljkovic auf dem Operation Karriere-Kongress in Hamburg. | Stefanie Hanke

Frau Dr. Miljkovic, in Ihrem Vortrag ging es um das Thema „Plagiate in der Doktorarbeit“. Warum ist das Thema vor allem für die Studierenden so wichtig?

Dr. Natascha Miljkovic: In den letzten Jahren ist das tatsächlich ein Karrierefaktor geworden. Man möchte vermeiden, dass die Arbeit, für die man so viel Zeit und Energie aufgewendet hat, dann in irgendeiner Form nicht korrekt genug erstellt worden ist. Und das passiert manchmal tatsächlich unabsichtlich. Einige versuchen natürlich, das unredlich schnell irgendwie über die Bühne zu bekommen, lassen jemanden schreiben und so weiter. Mir geht es aber heute um die Fälle, die das korrekt machen möchten und sich Tipps holen möchten, wie das funktioniert.

Wie vermeidet man unabsichtliche Plagiate in der eigenen Arbeit?

Dr. Natascha Miljkovic: Plagiate oder nicht korrekt formulierte Arbeiten sind für mich ein Zeichen, dass jemand noch nicht gut wissenschaftlich schreiben kann oder die Grundregeln vielleicht nicht verstanden hat. Meistens entsteht ein Plagiat unabsichtlich. Das kann daran liegen, dass man im Studium nicht genug hat schreiben müssen – das passiert leider in vielen Fächern. Ein Plagiat kann auch ein Zeichen dafür sein, dass man schlampig recherchiert hat – oder auch, dass man beim Überarbeiten des eigenen Textes einfach schlampig war. Viele haben Zeitdruck – sie haben vielleicht schon Anstellungen, die warten und jetzt stehen sie unter Druck und müssen rasch publizieren. Oder die Betreuenden wollen, dass die Arbeit endlich abgeschlossen wird. Da gibt es viele Faktoren, die das beeinflussen. Man kann dann natürlich beim Überarbeiten plötzlich Dinge verlieren – es passiert häufig, dass man eine Passage verschiebt und dabei ist das Zitat verloren gegangen. Das ist mir auch schon passiert. Aber daraus kann ein Plagiatsverdacht entstehen.

Was kann man tun, um das zu vermeiden?

Dr. Natascha Miljkovic: Ideal wäre es, von Anfang an bei Recherchearbeiten aufzupassen – also schon während des Studiums. Man sollte alles dokumentieren, was man macht und sich auch schon Fragen aufschreiben, die einem dabei aufgefallen sind – warum steht das in diesem Text so, warum zitiert dieser Autor diesen anderen Autor nicht – so etwas. Außerdem sollte man lernen, zu paraphrasieren und wissenschaftlich zu argumentieren. Das wird selten gelehrt, ist aber wahnsinnig existenziell.

Sie prüfen Arbeiten auf Plagiate. Wie gehen Sie dabei vor?

Dr. Natascha Miljkovic: Bei Plagiatsprüfungen setze ich Software ein. Da gibt es verschiedene Produkte unterschiedlicher Hersteller. Die meisten dieser Programme vergleichen die Texte einfach miteinander. Das sind eigentlich keine Plagiatsprüfungs-Programme – das ist ja eher Marketing-Sprech. Es sind Text-Vergleichs-Programme. Es kommt dann darauf an, welche Quellen die Programme im Hintergrund haben – da gibt es Vereinbarungen mit Verlagen wissenschaftlicher Journale und anderen Verlagen. Außerdem wird mit Dokumenten in Archiven verglichen. Daraus wird eine Ähnlichkeit berechnet. Das bedeutet erstmal noch nichts. Man muss dann erst in die einzelnen Fundstellen hineinsehen: Da klickt man dann drauf und sieht, welche Quelle das gewesen sein könnte. Und dann muss man entscheiden: Ist das jetzt gut genug? Kann man da etwas verbessern – und wie sollte der Autor das verbessern, um nicht in Verdacht zu geraten.

Plagiat

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In Ihrem Vortrag ging es nicht nur um Plagiate, sondern auch um andere Arten von Unredlichkeit. Was gibt es da noch?

Dr. Natascha Miljkovic: Sehr schwierig zu kontrollieren sind alle Arten von Datenfälschung – also alle Arten von Datenmanipulation, die über das statistisch sinnvolle Maß hinausgehen: etwa Daten zu erfinden, weil man nicht genug Datenquellen erheben konnte, beispielsweise nicht genug Interviews mit Patienten geführt hat. Zu den Unredlichkeiten gehört auch jede Form von Verfälschung und Veränderung von Daten: Man schiebt Datenpunkte rauf oder runter, man löscht Daten weg, weil sie einem nicht ins Konzept passen oder man sie nicht erklären kann. Das ist sehr unredlich – da gibt es große Probleme, natürlich nicht nur bei Studierenden, sondern auch bei Forschenden. Wenn es ums Publizieren geht, gibt es viele Probleme mit dem Thema Autorenschaft. Studierende werden zum Beispiel weggelassen. Das kann sehr karriereschädigend sein – vor allem, wenn man in der Wissenschaft bleiben möchte. Es werden Autoren genannt, die gar nichts zu der Publikation beigetragen haben. Veruntreuung von Forschungsgeldern kann schwerwiegende Folgen haben. Unredlich sind natürlich auch alle Dinge, die die Medizinethik betreffen: Missbrauch von Patientendaten, eine falsche Behandlung der Patienten und so weiter. Es gibt eine riesige Zahl von Vergehen, die in der Wissenschaft passieren können.

Sie haben die möglichen Konsequenzen schon mehrmals angesprochen. Was für Folgen drohen, wenn man beim Plagiieren oder einer anderen Unredlichkeit erwischt wird?

Dr. Natascha Miljkovic: Studierende müssen meistens einfach nachbessern, soweit das Plagiat nicht sehr dreist und auffällig ist. Ich würde auch sehr raten, da nicht lange zu diskutieren. Das ist eine einmalige Chance, sich auch für später zu verbessern und für andere Texte zu lernen, was man hier falsch gemacht hat. Meistens bietet die Universität das an. In schwereren Fällen kann eine Studiensperre die Folge sein. Man fällt aus Seminaren raus und wird negativ benotet – da gibt es verschiedene Härtegrade. Wenn das Plagiat erst nach der Approbation festgestellt wird, kann einem der Titel aberkannt und das Studium für null und nichtig erklärt werden. Ein Plagiat kann schon sehr schwerwiegende Folgen haben. Andere Unredlichkeiten können außerdem auch eine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen.

Was für Tipps geben Sie den Studierenden, damit es dazu nicht kommt – auch nicht unabsichtlich?

Dr. Natascha Miljkovic: Lesen Sie so viele wissenschaftliche Texte wie möglich – machen Sie sich vertraut damit, wie andere solche Texte schreiben. Sehen Sie sich andere Abschlussarbeiten an, vergleichen Sie so viel wie möglich, lernen Sie die Fachtermini – das ist das Wichtigste auf der literarischen Seite. Machen Sie sich auch mit formellen Aspekten vertraut: Welche Grundsätze gelten an Ihrer Hochschule? Welches Format und welcher Zitierstil werden verlangt? Lernen Sie auch während des Studiums schon, viel und nachhaltig zu schreiben. Schauen Sie, ob Sie sich beim Argumentieren verbessern können. Fragen Sie gern nach – zum Beispiel bei Ihren Dozenten oder in den Bibliotheken. Es gibt auch viele Kurse über wissenschaftliches Schreiben, die ich Ihnen sehr ans Herz legen kann. Nutzen Sie alle Hilfestellungen, die Sie kriegen können. Und beginnen Sie bald damit. Wenn Sie schon an Ihrer Abschlussarbeit sitzen, ist das sicher nicht die richtige Zeit, um damit zu beginnen – aber auch da zahlt es sich noch aus.

Operation Karriere Hamburg, 15.06.2018. „Doktorarbeit – Promotion ohne Plagiate und Unredlichkeiten", Dr. Natascha Miljkovic, Zitier-Weise, Agentur für Plagiatsprävention e. U., Wien

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