"Dieser Apfel ist knackig, lecker und gesund": Tipps für die erfolgreiche Bewerbung

Wer sich bewirbt, stellt eine wichtige Weiche für sein Leben. Wie möchte ich arbeiten? Wo möchte ich leben? Welche Fachrichtung ist die richtige für mich? Wer diese Fragen für sich selbst geklärt hat, kann sich auch zielgerichteter bewerben.

"Machen Sie sich Gedanken darüber, was Sie wollen. Daran orientieren sich die nächsten Schritte, welche Weiterbildung zu Ihnen passt und welche Bereiche wichtig sind", riet die Diplom-Volkswirtin und Wirtschaftsberaterin Simone Denny beim Operation Karriere-Kongress in Frankfurt. | Hanke

"Ich bin immer wieder erschrocken, wie wenig sich die künftigen Fachärzte mit ihrer Weiterbildung beschäftigen", sagte die Wirtschaftsberaterin und Diplom-Volkswirtin Simone Denny zu Beginn ihres Vortrags beim Operation Karriere-Kongress in Frankfurt. Was muss ich machen? Was kann ich mir anrechnen lassen? Diese Fragen seien schon im Bewerbungsprozess wichtig. Nur wer sich hier gut informiert habe, könne eine Entscheidung darüber treffen, welche Stelle in die eigene Karriereplanung passe. Daneben riet Denny dazu, sich über die persönlichen Wünsche, Fähigkeiten und Ziele klar zu werden:

  • In welche Richtung möchte ich mich persönlich entwickeln?
  • Was liegt mir?
  • Was sind meine Soft Skills?
  • Wo will ich hin?
  • Was sind meine Ziele auf dem Arbeitsmarkt?

"Es ist fast unmöglich, als Arzt länger arbeitslos zu sein"

Der Vorteil für heutige Medizin-Absolventen: Sie bewerben sich quasi in einem Vollbeschäftigungssektor. Die Kliniken treten in Konkurrenz um die besten Bewerber. "Sie werden auf jeden Fall einen Job bekommen", erklärte Denny, "es ist fast unmöglich, als Arzt länger arbeitslos zu sein". Es seien nur wenige Mediziner auf dem Arbeitsmarkt – bei den Kliniken seien diese Fachkräfte sehr gefragt.

"Üblicherweise haben Sie fachlich schon überzeugt, nur weil Sie das Studium abgeschlossen haben", verriet Denny. Die Note spiele keine so große Rolle – wie das Examen laufe, sei in Klinik-Kreisen ja bekannt. Für die Bewerber ist das eine komfortable Position: Sie können sich von den Kliniken auch ein Stück weit umwerben lassen.

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Die ersten Minuten in einem Bewerbungsgespräch sind die entscheidenden, behaupten Bewerbungstrainer. Vor allem die nonverbalen Signale bleiben beim Gegenüber im Gedächtnis.

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Trotzdem gibt es natürlich für jede offene Stelle ein Bewerbungsverfahren: Hier ist es wie in anderen Bereichen auch üblich, Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen und den potentiellen Arbeitgeber so auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings: Die Bewerbung muss nicht immer per Post oder online verschickt werden. Oft ist es auch vorteilhaft, die Unterlagen persönlich in die Klinik zu bringen und bei der Chefsekretärin abzugeben. Das Risiko: Vielleicht ergibt sich daraus ein spontaner Vorstellungstermin beim Chefarzt. "Darauf sollten Sie in so einem Fall vorbereitet sein", empfahl Denny.

Das fängt schon bei der Kleidung an. Es muss nicht unbedingt ein Anzug sein, aber einigermaßen ordentlich sollte man zu so einem Termin schon erscheinen, riet Denny: "Legere Businesskleidung drückt auch Respekt dem anderen gegenüber aus. Außerdem ist schicke Kleidung auch eine Abwendung vom studentischen Lebensstil, hin zu einem neuen Abschnitt".

Was muss in die Bewerbungsmappe?

In die Bewerbungsmappe gehören üblicherweise folgende Unterlagen:

  • Anschreiben
  • Deckblatt (keine Pflicht)
  • Lebenslauf
  • Bewerbungsfoto
  • Beurteilung und Zeugnisse

Anschreiben und Lebenslauf: Der leckere Apfel

Eine Schwierigkeit ist es für Berufseinsteiger immer, Lebenslauf und Anschreiben richtig voneinander abzugrenzen. Denny brachte die Unterschiede mit einem plastischen Beispiel auf den Punkt: "Im Lebenslauf steht quasi, wann der Apfelbaum gepflanzt wurde, wie er gewachsen ist und was das Kilo Äpfel jetzt kostet. Im Anschreiben steht: Dieser Apfel ist knackig, lecker und gesund". Heißt für den Bewerber: Der Lebenslauf drückt die Motivation für die konkrete Stelle aus.

Im Lebenslauf oder Curriculum Vitae (CV) werden dagegen die bisherigen Stationen von Schule, Studium und Berufserfahrung aufgeführt. Die einzelen Punkte können entweder in chronologischer Reihenfolge (deutscher Stil) oder antichronologisch (amerikanischer Stil) sortiert werden. Wichtig ist nur: Die Darstellung muss einheitlich und lückenlos sein. Das heißt: Auch die viermonatige Weltreise gehört in den Lebenslauf.

In den Lebenslauf gehören:

  • persönliche Daten
  • Schulbildung (ab Gymnasium)
  • Wehr-/Zivil-/Freiwilligendienste
  • Berufsausbildung
  • Studium inklusive Staatsexamen
  • Famulaturen
  • Praktisches Jahr
  • eventuell Promotion
  • sonstige Kenntnisse (EDV, Sprachen)
  • Hobbys und Interessen (auch Ehrenämter)
  • Datum, Unterschrift

Gerade Hobbys, Ehrenämter oder eine Auszeit helfen dem künftigen Chef, sich ein individuelles Bild von dem Bewerber zu machen. Das sei wichtig, um sich von anderen, in der Regel ähnlich gut qualifizierten Bewerbern, abzugrenzen. Außerdem können diese persönlichen Elemente ein guter Einstieg ins Vorstellungsgespräch sein – denn Reisen oder Hobbys werden von den Arbeitgebern gern angesprochen, um die Situation etwas aufzulockern. Und wer hier eine Gemeinsamkeit mit dem künftigen Chef findet, ist schon ein gutes Stück näher an der Stelle.

Quelle: Operation Karriere-Kongress Frankfurt, 1.2.2020, Vortrag: "Weiterbildungsstätte – drei Punkte, die Sie bei der Bewerbung nicht vernachlässigen sollten", Simone Denny, Dipl.-Volkswirtin, Wirtschaftsberaterin. Versicherungsfachfrau (BWV), A.S.I. Wirtschaftsberatung, Frankfurt am Main.