Beruf, Karriere, Familie & Freizeit: Ergebnisse des Arztbarometers

Was wollen junge Ärzte? Und was erwarten die Krankenhäuser von ihnen? Beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg stellte Ingo Burmester von der A.S.I. Wirtschaftsberatung die aktuellen Ergebnisse des Arztbarometers vor.

Karriere bedeute für jeden etwas anderes, erklärte Burmester. Dabei stehe für viele persönliche Zufriedenheit im Mittelpunkt. | Hanke

Wie ticken Ärzte? Was ist ihnen wichtig? Und was steht für sie im Vordergrund, wenn sie sich Gedanken über Beruf und Karriere machen? Das ermittelt das Arztbarometer der A.S.I. Wirtschaftsberatung, an der Ärzte online teilnehmen können.

Bei der Befragung von Medizinstudenten zeigt sich: Selbstbestimmung ist in – 42 Prozent der künftigen Ärzte wollen eine eigene Praxis gründen, 40 Prozent wollen lieber in einer Klinik angestellt sein. "Viele wollen heute ihr Leben selbst gestalten und nicht fremdbestimmt sein", fasste Burmester zusammen. Dabei unterscheiden sich die persönlichen Ziele der einzelnen voneinander: Unter dem Begriff "Karriere" verstehe jeder etwas anderes, erklärte er. An erster Stelle stehe dabei die persönliche Zufriedenheit (22 Prozent) und die Kompetenz (21 Prozent). Auch die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit sei vielen wichtig (15 Prozent). Faktoren wie Geld, Erfolg und Position landen in der Befragung abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Interessant: Für 15 Prozent der Befragten sei "Karriere" ein negativ bewerteter Begriff.

Selbstständigkeit für viele attraktiv

Dass die Niederlassung in einer eigenen Praxis für viele Mediziner so attraktiv ist, hat laut Burmester vor allem mit der Flexibilität zu tun: Hier sei es leichter, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen und die Arbeit an unterschiedliche familiäre Anforderungen anzupassen. Das gelinge vor allem durch:

  • variablen Arbeitsumfang in Voll- und Teilzeit
  • höhere Eigenbestimmung durch mehr Selbstständigkeit (mit eigener Zulassung)
  • Klinik- und Praxis-Tätigkeit möglich
  • Wahl zwischen verschiedenen Modellen: Einzel- oder Berufsausübungsgemeinschaft, Praxisgemeinschaft, Jobsharing, verschiedene Angestellten-Tätigkeiten auch in der Praxis, MVZ, Teilniederlassung

"In 20 Jahren seid ihr unsere Patienten – verscherzt es euch nicht", schreibt der Medizinstudent Deniz Tafrali und fordert von Chefärzten und Oberärzten einen respektvolleren Umgang mit dem Nachwuchs.

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Und was erwarten die Krankenhäuser von den Bewerbern? "Wichtig ist, dass die Bewerber sich schon im Vorfeld über die Klinik und die Station informiert haben und sich darüber im Klaren sind, was sie wollen", erklärte Burmester. Im Vorstellungsgespräch solle man seine Motivation für den Job darlegen können, ohne rumzudrucksen. Außerdem seien Formalien wie vollständige und gut strukturierte Bewerbungsunterlagen wichtig: "An der Bewerbungsmappe sieht man, ob sich jemand Mühe gegeben hat". Wichtig seien auch Soft Skills wie Teamfähigkeit und Empathie.

Seien Sie anspruchsvoll!

Im Vorstellungsgespräch gehe es nicht grundsätzlich darum, die Kandidaten zu ärgern. "Wenn Sie eingeladen werden, heißt das, Sie passen grundsätzlich auf die Stelle," verriet der Wirtschaftsberater. Im Gespräch gehe es dann nur noch darum, Detailfragen zu klären. "Wenn Sie sich darauf gut vorbereiten, können Sie punkten", erklärte Burmester. Allerdings gehe es nicht nur darum, bei den potenziellen neuen Chefs einen guten Eindruck zu machen: "Klopfen Sie ab, ob die Klinik und die ausgeschriebene Stelle auch etwas für Sie sind und ob das Angebot zu Ihren Vorstellungen passt", riet er den Nachwuchsärzten, "die Kliniken suchen selbstbewusste Bewerber. Wer bettelt und zu bedürftig wirkt, kommt nicht so gut an. Seien Sie anspruchsvoll! Der Arbeitsmarkt gibt es her". Daher sollte man im Vorstellungsgespräch Grundsatzfragen klären: Darunter unter anderem die Struktur der Weiterbildung, das Gehalt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Allerdings unterscheide sich der Arbeitsmarkt je nach Fach und Lage der Klinik: So gebe es in Spezialfächern relativ viele Bewerber – entsprechend hoch seien die Ansprüche der Arbeitgeber. Das gelte auch für Kliniken in Ballungsräumen, im Umland sei der Druck weniger hoch.

Quelle: Operation Karriere Hamburg, 14.06.2019,"Beruf, Karriere, Familie & Freizeit – Ingo Burmester, Dipl.-Kaufmann (FH), Wirtschaftsberater, Bankkaufmann (IHK), A.S.I. Wirtschaftsberatung, Hamburg