Bewerbungstraining – wie bewerbe ich mich richtig?

Das Studium ist geschafft – doch auf dem Weg zum Arbeitsalltag wartet noch eine weitere Hürde: das Bewerbungsverfahren. Worauf muss man achten, um mögliche Arbeitgeber von sich zu überzeugen? Darüber sprach Sophia Schneider auf dem Operation Karriere-Kongress in München.

Wie sieht ein guter Lebenslauf aus? Welche Infos gehören ins Anschreiben? Und welche Fragen können im Vorstellungsgespräch gestellt werden? Darüber sprach Sophia Schneider beim Operation Karriere-Kongress in München | Hanke

Am Anfang einer erfolgreichen Bewerbung steht die Selbstanalyse, verriet die Wirtschaftsberaterin Sophia Schneider bei ihrem Workshop in München: "Dazu sind viele Fragen wichtig, die man sich selbst stellen muss: Wo will ich hin? Wie sieht meine Strategie aus? Wie sind meine Perspektiven? Was ist mir wichtig – persönlich und fachlich?"

Nach den eher allgemeinen Fragen der Selbstanalyse müsse man konkret überlegen, ob eine bestimmte Stelle zu einem passe: Hier gehe es um Fragen wie: Möchte ich in diesem Krankenhaus arbeiten? Was wird mir hier geboten? Hat das Krankenhaus auch die Weiterbildungsbefugnis für den Bereich, der mich interessiert? Aber auch: Passt das, was das Krankenhaus mir bietet, zu meinen sonstigen Plänen? Wie sieht meine Familienplanung aus? Möchte ich Kinder und kann ich das mit meiner beruflichen Planung vereinbaren? Könnte ich dabei mit Unterstützung von meinem Arbeitgeber rechnen?

Wer sich darüber im Klaren sei, strahle diese Sicherheit auch aus: "Chefärzte merken, wenn jemand weiß, was er will", erklärte Schneider. Um die Bewerbung so gut wie möglich vorzubereiten, sollte man zunächst die Stellenanzeigen genau studieren. So könne man erfahren, was einem der Arbeitgeber konkret bieten könne und was von den Bewerbern erwartet wird. "Das beantwortet schon im Vorfeld viele Fragen und hilft, die Bewerbung genau auf einen Arbeitgeber anzupassen", verriet die Wirtschaftsberaterin.

Bewerbungsmappe konzipieren: Was muss rein?

Was gehört in die vollständigen Bewerbungsunterlagen? Wichtig seien vor allem ein Deckblatt, das Anschreiben, der Lebenslauf, ein Bewerbungsfoto, Zeugnisse und Beurteilungen, zählte Schneider auf. Dabei sei der Lebenslauf der wichtigste Teil – hier gehe es darum, sich kurz und knapp einen Überblick darüber zu verschaffen, was den Bewerber ausmache. "Im Medizinerbereich ist es gut, wenn der Lebenslauf übersichtlich und chronologisch aufgebaut ist", verriet Schneider, "allerdings geht der Trend in die anti-chronologische Richtung – das bedeutet, dass Sie mit den aktuellen Punkten anfangen und dann zurückgehen".

Dabei sei es empfehlenswert, für eine bessere Übersichtlichkeit Unterpunkte zur Gliederung zu verwenden – zum Beispiel "Schulbildung", "Berufsausbildung" (falls vorhanden), "Studium", "Soziales Engagement" und "Berufserfahrung" bzw. "Nebentätigkeiten". Natürlich gehören auch Informationen zu Famulaturen und dem PJ in den Lebenslauf. Unter anderem seien auch Publikationen interessant – vor allem, wenn sie aus dem passenden Fachgebiet stammen. Und auch bei den persönlichen Informationen wie Familienstand oder Geburtsort gelte: je mehr, umso besser – schließlich helfe das dem potenziellen Arbeitgeber, sich ein Bild von dem Bewerber zu machen.

Der Lebenslauf: Persönlichkeit, Softskills und Vorkenntnisse rüberbringen!

Bei der Schulbildung gelte: Abitur ja, Grundschule nein – das sei schon zu weit weg und deshalb nicht mehr relevant. Und eine Berufsausbildung sei auf jeden Fall ein Pluspunkt, mit dem man hervorstechen könne. "Generell gilt: Überlegen Sie, womit Sie sich von anderen Bewerbern abheben können", empfahl Schneider, "dabei geht es nicht um optische Extravaganz, sondern um Inhalte: Bringen Sie Persönlichkeit rüber!"

Gut sei es immer, wenn man schon Erfahrungen in dem Bereich habe, in dem man sich bewerbe – das sollte man im Lebenslauf auch besonders hervorheben, riet die Wirtschaftsberaterin: "Da können Sie gern auch konkrete Aufgabengebiete und Tätigkeitsbeschreibungen auflisten, aus denen hervorgeht, welche Vorkenntnisse Sie haben". Aber auch Nebentätigkeiten, die auf den ersten Blick nichts mit dem gewählten Fachbereich zu tun haben, gehören in den Lebenslauf: "Bei jedem Job lernen Sie etwas – das können auch wertvolle Softskills sein". Und auch bei Hobbys lassen sich Bezüge zum Beruf herstellen: Wer beispielsweise einen Mannschaftssport ausübe, könne damit Teamfähigkeit belegen, Menschen mit einem handwerklichen Hobby beweisen Fingerfertigkeit, die vielleicht auch in der Chirurgie von Vorteil sein könnte.

Lebenslauf

Wer sich bei einem Klinikum bewirbt, versendet neben Zeugnissen und dem Anschreiben auch einen Lebenslauf. Was muss hinein, worauf kann man verzichten?

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Insgesamt seien in Deutschland zweiseitige Lebensläufe üblich: "Diese beiden Seiten sollten dann auch voll sein", riet Schneider. Um den Lebenslauf zu vervollständigen, sollte man unten unterschreiben. Bei einer digitalen Bewerbung per Mail oder über ein Bewerberportal wirke eine eingescannte Unterschrift professionell.

"Für das Foto sollten Sie ruhig ein bisschen Geld in die Hand nehmen", empfahl Schneider. Hier rentiere es sich, sich von einem professionellen Fotografen ablichten zu lassen – beispielsweise auch bei einem der kostenlosen Fotoshootings auf den Operation Karriere-Kongressen. Wichtig sei es, ordentlich und professionell zu wirken. Offene Haare seien aber in Ordnung, antwortete die Wirtschaftsberaterin auf eine Zwischenfrage aus dem Publikum.

Das Anschreiben: Motivation zeigen!

Beim Anschreiben gehe es nicht darum, die Stationen aus dem Lebenslauf noch einmal aufzulisten, warnte Schneider. Vielmehr stehe hier die Motivation des Bewerbers für die konkrete Stelle im Mittelpunkt. Daraus ergebe sich der empfehlenswerte Aufbau:

  1. Anrede: Hier sei es wichtig, einen konkreten Adressaten für die Bewerbung anzusprechen. "Sehr geehrte Damen und Herren" solle wenn möglich vermieden werden.
  2. Anreißer-Satz: Im ersten Satz der Bewerbung sollte man wenn möglich einen persönlichen Bezug zu der ausgeschriebenen Stelle aufbauen: Das sei beispielsweise ein Hinweis darauf, dass man schon für das PJ oder eine Famulatur in der Klinik gewesen sei. Auch der Bezug auf ein vorausgegangenes Gespräch sei gut: Im Bewerbungsverfahren laufe viel über persönliche Beziehungen, verriet Schneider. Wenn es so einen Bezug nicht gebe, müsse man aber nichts erzwingen – dann sei es besser, auf einen Anreißer-Satz zu verzichten.
  3. Status Quo: Im ersten Absatz gehe es darum, kurz den Status Quo darzustellen: Hier werde der Adressat darüber informiert, wo man gerade stehe.
  4. Fachliche Motivation: Der zweite Absatz sei dazu da, die fachbezogene Motivation darzustellen – also, warum man ausgerechnet diese Facharztweiterbildung machen wolle und welche Vorkenntnisse man da schon habe.
  5. Stellenbezogene Motivation: Der dritte Absatz diene der stellenbezogenen Motivation: Hier könne man also ausführen, warum man gut auf die ausgeschriebene Stelle passe und wie das Krankenhaus von genau diesem Bewerber profitieren könne.

Insgesamt solle das Anschreiben nicht länger als eine Seite sein: "Beachten Sie dabei, dass auch der Briefkopf, der Betreff und Ihre Unterschrift Platz einnehmen", mahnte Schneider, "das Anschreiben an sich ist deshalb eher nur eine halbe Seite lang".

Selbstbewusst im Vorstellungsgespräch

"Wenn Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, haben Sie auf dem Papier schon überzeugt", erklärte Schneider, "sonst würden sich die Vertreter des Klinikums gar nicht die Zeit für den Termin nehmen". Daraus leitete sie einen wertvollen Rat ab: "Seien Sie selbstbewusst!" Das sei für angehende Mediziner eine der wichtigsten Eigenschaften – denn auch von Ärzten werde Selbstvertrauen und ein professioneller Habitus erwartet. Die richtige Einstellung für das Vorstellungsgespräch sei daher: "Die sollen doch froh sein, wenn sie mich bekommen!"

Üblicherweise habe ein Vorstellungsgespräch fünf Phasen:

  1. Aufwärmphase und Small Talk ("Haben Sie gut hergefunden?")
  2. Selbstpräsentation ("Stellen Sie sich doch bitte mal kurz vor!"): Eigene Erwartungen, Wünsche, Fähigkeiten darstellen. Das sollte man auch vor Publikum souverän darstellen können. Da hilft Üben im Vorfeld.
  3. Fragen zur stellenbezogenen Motivation ("Warum haben Sie sich bei uns beworben?")
  4. Unternehmen (Der Arbeitgeber stellt sich vor)
  5. Offene Fragen und Stressfragen

Auf den Block "Offene Fragen und Stressfragen" ging Schneider gesondert ein: Hier können auch "unangenehme" Fragen gestellt werden – beispielsweise zu Lücken im Lebenslauf, den eigenen Stärken und Schwächen oder medizinischer Ethik. "Denken Sie daran: Es gibt keine Frage, die Sie nicht beantworten können", ermutigte Schneider das Publikum in ihrem Workshop. Bei den Stressfragen gehe es eher darum, Selbstsicherheit zu demonstrieren und sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.

Außerdem gehe es bei den offenen Fragen auch darum, mit dem möglichen Arbeitgeber ins Gespräch zu kommen. "Bereiten Sie selbst mindestens fünf Fragen vor!", empfahl Schneider. Grundsätzlich könne man jede Frage stellen – auch die nach dem Gehalt: Die meisten Krankenhäuser seien bei den Assistenarzt-Stellen ohnehin tariflich gebunden, da gebe es wenig Spielraum. Allerdings könne man nach bezahlten Zusatzqualifikationen oder vermögenswirksamen Leistungen fragen. "Haben Sie da keine Scheu! Niemand anderes wird das für Sie fragen!", riet die Wirtschaftsberaterin.

Quelle: Operation Karriere München, 5.7.2019, "Workshop: Bewerbungstraining – wie bewerbe ich mich richtig?", Sophia Schneider, B.A. Betriebswirtschaft, Wirtschaftsberaterin, A.S.I. Wirtschaftsberatung AG, München