Als Arzt in der Reha-Medizin: Dr. Malte Arland im Interview

Warum der Reha-Bereich abwechslungsreich und gut vereinbar mit dem Familienleben ist, verrät Dr. Malte Arland im Interview. Außerdem gibt er wertvolle Tipps für die Auswahl des Arbeitgebers im Reha-Bereich. Der Oberarzt arbeitet seit rund neun Jahren im Reha-Zentrum Bad Brückenau, das zum Deutsche Rentenversicherung Bund gehört.

Dr. Malte Arland | © Klaus D. Wolf

Ganz unterschiedliche Wege führen in die Reha-Medizin. Welche Facharztausbildungen eignen sich besonders?
Dr. Malte Arland:
In vielen nichtoperativen Fächern bietet es sich an, einen Teil der Facharztausbildung in einer Rehaklinik zu absolvieren. Besonders prädestiniert sind hier die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, Internisten aber auch zum Neurologen. Unter den in Deutschland ca. 1142 vorhandenen Rehakliniken gibt es viele Abteilungen, die für bestimmte Ausbildungsabschnitte entsprechend ihrer Indikation eine Weiterbildungsermächtigung haben. Gerade im Bereich Allgemeinmedizin oder auch Inneren Medizin fallen mir Ausbildungsinhalte ein, die in einer Rehaklinik besser erlernt werden können als in einem Akutkrankenhaus. Z.B. enthält der Ausbildungskatalog für diese Facharztausbildungen 500 Sonographien des Abdomens oder auch 150 Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse. Diese Untersuchungen können häufig besser in den planbaren Arbeitstag einer Rehaklinik leichter eingebaut werden als in den unruhigen arbeitsverdichteten Tagesablauf eines Akutkrankenhauses.


Ein direkter Weg ist die Weiterbildung zum Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin. In den Top-10 der beliebtesten Fachrichtungen taucht diese allerdings nie auf. Woran liegt das?
Dr. Malte Arland:
Ich denke, das hat durchaus realistische und durchdachte Gründe. Meine persönliche Meinung ist, dass man sich zu Beginn der Berufskarriere nicht auf die Rehabilitationsmedizin völlig festlegen sollte. Und in gewisser Weise tut man das schon, wenn direkt nach dem Studium der Weg in eine Rehaklinik führt, mit dem Ziel, die Facharztausbildung zum Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin anzustreben. Ich denke, dass es sinnvoller ist, diese spezielle Facharztausbildung im Anschluss an eine größere klinische Facharztausbildung zusätzlich anzustreben. Aber nach Abschluss des Studiums würde ich erst empfehlen, in die Akutmedizin zu gehen, um die Fähigkeit zu erwerben, Notfälle zu erkennen und zu behandeln. Von meiner Perspektive aus präferiere ich natürlich die Ausbildung zum Internisten oder zum Allgemeinmediziner, da Sie mit der Grundlage dieser Facharztausbildung viele Möglichkeiten der weiteren beruflichen Entwicklung haben.


Warum ist gerade für einen jungen Arzt der Bereich der Rehabilitativen Medizin interessant?
Dr. Malte Arland:
Wenn man nach dem Studium eine Zeit in der Akutmedizin gearbeitet hat, stellt man doch fest, dass einem das Akutkrankenhaus viele Inhalte der Medizin vorenthält, die für eine abgerundete Ausbildung aber notwendig sind. So sieht man bei vielen chronischen Erkrankungen den Patienten nur in der Phase der akuten Exazerbation im Krankenhaus, die Betreuung der chronischen Erkrankung lernt man aber nicht, doch diese Fähigkeit ist dann z.B. in einer Ambulanz oder einer allgemeinmedizinischen Praxis gefragt.


Sie arbeiten in einem Reha-Zentrum in Bad Brückenau als Oberarzt. Aus welchen Gründen haben Sie sich für die Reha-Medizin entschieden?
Dr. Malte Arland:
Ursprünglich stand im Vordergrund, einen familienfreundlichen Arbeitsplatz mit einer Teilzeitstelle im Gesundheitswesen zu haben, außerdem brauchte ich Freiräume, um mich auf meine internistische Schwerpunktprüfung vorzubereiten. In der Klinik wurde mir dann sehr bald eine Oberarztstelle angeboten, die ich ohne zu zögern annahm, obgleich sich diese Tätigkeit nur in Vollzeit ausüben lässt und doch häufig vielfältige Herausforderungen beinhaltet. Ich bin in dieser Klinik nun seit über neun Jahren und hier habe ich einen abwechslungsreichen Arbeitsplatz gefunden – das heißt für mich, ich habe interessante Patienten, kann regelmäßig vielseitige internistische Diagnostik anwenden. Regelmäßig bestand bisher die Möglichkeit zur Fortbildung, so dass ich mich in den Jahren weiterentwickeln konnte. Kurz gesagt: ich habe einen Arbeitsplatz mit einem Potpourri von Vorteilen, die ich im Akutkrankenhaus oder auch in der Niederlassung nicht finde.


Worauf achten Sie besonders bei der Ausbildung der Ärzte in Weiterbildung?
Dr. Malte Arland:
In unserer Klinik haben wir 1,5 Jahre Weiterbildung für Allgemeinmedizin und Innere Medizin. Ich schaue mir das bisherige Curriculum der in Ausbildung befindlichen Kollegen an und suche nach Möglichkeiten, welche Weiterbildungsinhalte die Kollegen in ihrem Ziel zum Facharzt weiterbringen können. Ich mache Vorschläge für Fortbildungen in Form von weiterbildenden Kursen, z.B. Ultraschallkurse, die häufig von unserer Klinik dann bezahlt wurden.


Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, muss man beispielsweise sehr gut zuhören können oder ein geduldiger Mensch sein?
Dr. Malte Arland:
Man sollte bereit sein, sich intensiv mit dem Patienten zu befassen, d.h. sich nicht nur mit seinen Erkrankungen auseinanderzusetzen, sondern stets interessiert sein, auch das berufliche und soziale Umfeld des Patienten zu verstehen. Das ist eine häufig weitergehende Arbeit, als in der Akutmedizin, wo man sich auf die Krankheit der Patienten beschränken muss.


Welche Rahmenbedingungen –Teilzeit, Arbeitszeiten – findet man in Reha-Zentren?
Dr. Malte Arland:
Der große Vorteil der Rehabilitationsmedizin ist, dass hier die Möglichkeit besteht, extrem vielfältige Arbeitszeitmodelle zu realisieren, um sie an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anzupassen. Die lange Verweildauer – meist 3–5 Wochen – und nur selten medizinische Notfälle, machen die Arbeit planbar. Als Stationsarzt weiß man z.B. einige Zeit im Voraus, an welchen Tagen wieviel Patienten entlassen oder aufgenommen werden. Man kann die Entlassungsberichte frühzeitig schreiben, kann vorarbeiten und sich so z.B. auch mal einen freien Nachmittag organisieren. Das bedeutet, es gibt deutlich weniger Kollisionen mit dem Privatleben als im Akutkrankenhaus. Die zu leistenden Dienste sind wesentlich geringer arbeitsverdichtet als in der Akutmedizin.

Was ist Ihre Empfehlung – nach welchen Kriterien sollten Ärzte, die sich für eine Tätigkeit im Reha-Bereich entscheiden, ihren Arbeitgeber auswählen?
Dr. Malte Arland:
Wesentlich ist erst einmal, dass die als Arbeitsplatz favorisierte Rehaklinik nach dem entsprechenden Fachgebiet der gewünschten Facharztausbildung ausgewählt wird. Wieviel Jahre Weiterbildung hat der Chefarzt einer entsprechenden Abteilung? Wenn man hier sicher gehen will, so kann man auch mit der entsprechenden Landesärztekammer Kontakt aufnehmen, um detaillierte valide Informationen zu erhalten. Dann empfehle ich, sehr genau zwischen dem inhaltlichen Angebot der Kliniken zu vergleichen. Sehr günstig ist es, wenn die Möglichkeit besteht, Erfahrungsberichte von Kollegen zu bekommen. Für den nächsten Schritt im Vorstellungsgespräch ist es wichtig, klar strukturiert aufzutreten und nahezubringen, welche Ausbildungsinhalte man in der Weiterbildungszeit erreichen möchte: z. B. Ultraschalluntersuchungen des Abdomens. Nicht unwesentlich ist natürlich das Gehalt. Dazu sollte man wissen, dass bei Zahlung des Gehaltes nach einem Tarifvertrag der Vorteil einer klaren Eingruppierung besteht und auch im Laufe der Jahre Tarifsteigerungen zu erwarten sind – wie etwa bei meinem Arbeitgeber, der DRV-Bund. Komplizierter ist die Situation, wenn in einer Klinik die Gehälter individuell verhandelt werden, das ist meist undurchsichtig und beinhaltet auch nicht automatische Gehaltssteigerungen im Laufe der Jahre. Auf jeden Fall sollte man vorher klare Vorstellungen vom gewünschten Gehalt haben. Anhaltspunkte findet man regelmäßig in den veröffentlichten Ergebnissen von Tarifverhandlungen, hier sind Zeitungen von einer Ärztegewerkschaft sehr hilfreich. Wichtig ist auch zu klären, welche zusätzlichen Sozialleistungen – etwa Zahlung in eine Zusatzversorgungskasse - ein Arbeitgeber leistet. Nicht unwesentlich ist auch die Frage, ob Fortbildungen bezahlt werden und die entsprechende Zeit der Teilnahme an einer Fortbildung als Arbeitszeit anerkannt wird.


Dr. Malte Arland ist Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie und ist Oberarzt und Stellvertretender Ärztlicher Direktor im Reha-Zentrum Bad Brückenau, Klinik Hartwald. Wir sprachen mit ihm auf dem Operation Karriere Kongress in München, am 7. Dezember 2018. Bei Rückfragen oder Interesse an einer Mitarbeit in der Klinik: Dr.med.Malte.Arland@drv-bund.de