Weiterbildung in Teilzeit – das geht!

Über Probleme und Lösungsmöglichkeiten einer Weiterbildung in Teilzeit referierte Prof. Dr. Stephan Holmer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt am Klinikum Landshut, bei Operation Karriere in München. Sein Fazit: "Weiterbildung in Teilzeit ist möglich."

Prof. Dr. Stephan Holmer | © Klaus D. Wolf

Für die ärztliche Weiterbildung sind die Landesärztekammern zuständig. Eine Weiterbildung kann auch in Teilzeit absolviert werden, wodurch sich die Weiterbildungszeit entsprechend verlängert. Prof. Dr. Stephan Holmer hat die Erfahrung gemacht: "Meistens absolvieren die Mitarbeiter nicht die ganze Zeit der Weiterbildung in Teilzeit, sondern nur einen Teil." Am Klinikum Landshut arbeiten 30 Prozent der Mitarbeiter im ärztlichen Dienst in Teilzeit; 58 % davon Frauen, 42 % Männer. "Wir stellen fest: Die Männer-Frauen-Verteilung nähert sich an." 

Flexibler Schichtplan und Crash-Kurse

Die Gründe für Teilzeit sind bekannt: Kinderbetreuung, die Pflege eines Angehörigen, eine Zusatzweiterbildung, die gleichzeitig absolviert wird – oder manchmal einfach der Wunsch nach mehr Freizeit, "was auch immer mehr Mitarbeiter äußern, gerade in Bereichen mit Schichdienst-Modellen." Welche Probleme ergeben sich eventuell aus einer Teilzeittätigkeit? Neben der längeren Dauer gibt es natürlich weniger Gehalt und geringere Anwartschaften. Aufstiege in der Hierarchie sind später und schwieriger. Organisatorisch muss die Klinik aufwändigere Rotationsmodelle entwickeln, mehr Übergaben werden erforderlich und die Mehrarbeit der Teilzeitkräfte wird häufig nicht von den Vollzeit-Kollegen wahrgenommen. Andererseits ist seine Erfahrung: "Teilzeit begünstigt die Selbstentwicklung der Mitarbeiter. Die Eigenverantwortung und Selbstorganisation ist besser und auch die Arbeitseffizienz."

Für die Probleme, die Teilzeit mit sich bringt, gibt es Lösungsmöglichkeiten. Der Schichtplan muss flexibel gestaltet werden und der Ausbildungsstand der Weiterzubildenden in Teilzeit sollte rasch homogen sein – hierzu bieten sich Crash-Kurse an."Die Mitarbeiter müssen schnell selbständig werden, damit es keine Abstriche bei der Qualität gibt." Um das optimale Rotationsmodell zu finden, muss man viele Gespräche führen. "Von Monat zu Monat machen wir einen Einsatzplan. Wir versuchen das transparent zu gestalten, damit Teilzeitkräfte, die mehr gearbeitet haben, das nächste Mal weniger eingeplant werden."

Keine starren Wunschzeiten in Teilzeit

Starre Wunschzeiten, wie täglich von 8-12 Uhr zu arbeiten, sind im Krankenhaus schwierig umzusetzen. Besser sei es, einzelne Tage ganztags zu arbeiten, z.B. im Rahmen eines regelhaften Stationsdienstes, und andere frei zu haben. Auch im OP ist diese Lösung praktikabler, weil das Ende der Arbeitszeit "oft nicht präzise" ist. Eine intensive Supervision sollte ebenfalls stattfinden.

Sein Fazit: "Weiterbildung in Teilzeit ist möglich. Dazu benötigt man eine Flexibilität der Arbeitszeitmodelle und des Einsatzplans, ebenso wie das Verständnis der Supervisoren, Dienstplanschreiber und Vollzeitkollegen. Wichtig ist es, sich rasch eine Basisexpertise anzueignen, ggf. auch außerhalb der Arbeitszeit zu lernen, und mit dem flexiblen Einsatz einverstanden zu sein."

Quelle: Operation Karriere-Kongress am 7. Dezember 2018 in München. Vortrag: Weiterbildung in Teilzeit – Wie können wir das lösen? Prof. Dr. med. Stephan Holmer, Ärztlicher Direktor des Klinikums, Chefarzt Medizinische Klinik II, Klinikum Landshut gGmbH, Landshut.