Umfrage: Chirurgische Weiterbildung in Deutschland

Vermittlung der operativen Fertigkeiten

Die Erlangung operativer Expertise ist eine sehr komplexe Entwicklung eines jeden Chirurgen. Sie ist geprägt von Erfolgen aber auch von Niederlagen. Eine strukturierte Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten mit möglichst großer und somit notwendiger Redundanz in kurzen Zeitintervallen sind Erfolgsgaranten dieser Entwicklung.

Eine Überbewertung von manuellem Geschick im Sinne eines „chirurgischen Gens“ verkennt die Komplexität derartiger Prozesse. Vor diesem Hintergrund verwundert es, dass moderne Prinzipien der Vermittlung und Training von Fertigkeiten in der operativen Medizin bisher kaum Anwendung finden. 47 % der Umfrageteilnehmer geben an, dass Operationsverfahren und -techniken nicht theoretisch erklärt und Vor- und Nachteile besprochen werden. Nur in 26,6 % der Fälle werden regelmäßig Teilschritte von Operationen durch den Weiterbildungsassistenten übernommen. 63,7 % der Umfrageteilnehmer erachten die Einteilung zu Weiterbildungsoperationen als intransparent und unfair. Grundsätzlich wird dabei wohl vorzugsweise nach subjektiv geschätzten Operationsbedarf (60 %) oder nach dem Günstlingsprinzip (30 %) verfahren. In gut 60 % sind die Teilnehmer der Umfrage mit den Lehrassistenzen unzufrieden. Dies hat sich seit 2004 nicht wesentlich verändert. Im Mittel darf der Weiterbildungsassistenz in unserer Umfrage drei selbständige Operationen pro Woche durchführen, wobei 74,8 % angeben, dass für die Weiterbildung wichtige Operationen nur bestimmte Oberärzte oder der Chefarzt an ihren Kliniken durchführen würden.

Weiterbildungs- und Fortbildungsveranstaltungen

In den Kliniken der Umfrageteilnehmer sind 58,9 % unzufrieden mit dem Angebot, der Häufigkeit und der Qualität der internen Fortbildungsveranstaltungen. Nur in 14,5 % der Fälle werden gar keine Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Eine erfreuliche Tendenz zeigt sich bei den Indikationskonferenzen, den Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen sowie bei der Einführung des CIRS bzw. anderer Fehlermeldesystemen. Hier ist eine entsprechende Häufigkeitszunahme zu konstatieren.

Hinsichtlich der externen Weiterbildungsveranstaltungen wird die Tendenz der letzten Jahre positiv fortgesetzt. So erhalten fast 95 % freie Tage vom Arbeitgeber zur Teilnahme an externen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen. In 82 % wird sogar eine finanzielle Unterstützung gewährt. Im Durchschnitt hat der Weiterbildungsassistent fünf Tage dafür zur Verfügung. In der klinischen Organisation ist es aber nach wie vor schwierig, dies zu integrieren.

Dokumentation der chirurgischen Weiterbildung

Zu den Pflichten des Weiterbildungsassistenten gehört es, die Weiterbildung zu dokumentieren. Dieses muss in den sogenannten Logbüchern erfolgen. In 55,5 % der Umfrageteilnehmer setzt das Krankenhaus keine Logbücher zur Dokumentation ein. Leider benutzen zum Zeitpunkt der Umfrage auch 21,1 % der Assistenten persönlich keine Logbücher. Hier zeichnet sich aber eine deutliche Verbesserung des Einsatzes ab. Werden Logbücher eingesetzt, so sind es in 55 % der Fälle Logbücher der Landesärztekammern.

Limitierung der Umfrageergebnisse

Natürlich unterliegt diese Umfrage einer gewissen Limitierung. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass sich im Sinne einer negativen Selektion, nur unzufriedene Assistenten bzw. junge Fachärzte an dieser Umfrage beteiligt haben. Weiterhin spiegelt dies die alleinige Sicht der chirurgischen Weiterbildungsassistenten wieder. Diese Sicht kann sich im weiteren Berufsleben ändern und ggf. auch relativieren.

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