Umfrage: Chirurgische Weiterbildung in Deutschland

Ergebnisse

Teilnehmerstruktur
Insgesamt konnten 1100 Fragebögen ausgewertet werden. Dies entspricht einer Quote von fast 23 % der gesamten Zielgruppe.

Insgesamt zeigt sich ein leichter Anstieg der Teilnehmerzahlen gegenüber den Vorerhebungen. Das Interesse ist also ungebrochen. Die überwiegende Teilnehmerzahl stammt mit 46,6 % aus Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung, gefolgt von 22,3 % aus der Maximalversorgung. 20,5 % der Teilnehmer sind in Krankenhäusern der Schwerpunktversorgung tätig. Die Universitätsklinika sind mit 8,7 % vertreten.

Die chirurgische Weiterbildung erfolgt derzeit hälftig in den Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung sowie den Krankenhäusern der Maximal- und Schwerpunktversorgung. Im Geschlechterverhältnis zeigt sich eine in den letzten Jahren begonnene Zunahme der Frauen mit 54 % gegenüber den Männern mit 46 %. In der basischirurgischen Weiterbildung befanden sich zum Zeitpunkt der Umfrage 23,7 %. Der überwiegende Anteil der Teilnehmer befand sich in der Weiterbildung zum Viszeralchirurgen (32,3 %), zum Unfallchirurgen/Orthopäden (23,7%) und zum Facharzt für Allgemeine Chirurgie (22,8%).

Die Ära der Kurzverträge mit jährlicher Befristung ist zu Ende: Immerhin bei 28,5 % liegt ein sogenannter Kettenvertrag vor. 49,1 % haben einen bis zum Ende der Facharztausbildung befristeten Arbeitsvertrag und 22,4 % einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Der Weiterbildungsverbund ist mit 19,8 % eher die Ausnahme.


Weiterbildung als Unternehmensziel
Nur 30 % der Befragten beantwortet die Frage mit Ja, ob das Krankenhaus auf die Länge der Weiterbildungszeit achtet. Knapp ein Viertel der Befragten gibt an, dass das Unternehmen/Krankenhaus sich für den Fortschritt der Weiterbildung und die Weiterbildungszeit interessiert und ebenfalls knapp ein Viertel bejaht, dass das Krankenhaus Fort- und Weiterbildung in die Unternehmensstrategie einbindet. Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser hat bei 73 % der Teilnehmer eine Auswirkung auf die Weiterbildung. 73 % bewerten diese Auswirkungen als eher negativ.


Arbeitszeit und Weiterbildung
Die Mehrheit der Befragten arbeitet 50 bis 60 Stunden pro Woche. Wobei diese Mehrarbeit überwiegend bezahlt und in Freizeit ausgeglichen wird. 45,8 % geben an, dass die Mehrarbeitsstunden in Freizeit ausgeglichen werden. Hinsichtlich der Bereitschaftsdienste zeigt sich, dass im Durchschnitt ca. fünf bis sechs Bereitschaftsdienste pro Monat geleistet werden. Die Vergütung dieser erfolgt in 36,1 % durch eine volle Bezahlung, in 53,8 % in einer anteiligen Bezahlung bis zu einem Höchststundensatz und in nur 3 % in Freizeit. Das 24-Stunden-Bereitschaftsdienstsystem geben 64 % an, gefolgt von einem 2-Schichtsystem mit Bereitschaftsdienstzeit mit 28 %. Insgesamt wirkt sich laut 60 % der Umfrageteilnehmer das „neue“ Arbeitszeitgesetz nicht negativ auf die Weiterbildungszeit im Sinne einer Verlängerung aus.

Demgegenüber steht die Einschätzung von ebenfalls 60 % der Teilnehmer, dass die Präsenz im OP durch das „neue“ Arbeitszeitgesetz verringert wurde.
Wege in die Chirurgie

Was hat die Teilnehmer zur Facharztweiterbildung in der Chirurgie bewogen? An erster Stelle stand mit 34 % das allgemeine Berufsbild des Chirurgen, gefolgt von der Berufung mit 22 %, mit 18 % durch die Tätigkeit im PJ und mit 13,9 % die chirurgischen Vorbilder/Lehrer. Freie Stellen, Anerkennung in der Bevölkerung, Karrieremöglichkeiten sowie Verdienstmöglichkeiten spielen keine oder eine untergeordnete Rolle bei der Wahl des Berufs. Diesbezüglich haben sich in den letzten Umfragepanelen keine großen Veränderungen ergeben.


Weiterbildungsstruktur
Die Teilnehmer der Umfrage gaben in 69 % an, dass der Oberarzt federführend für die Weiterbildung ist. Nur in 23 % übernimmt dies der Chefarzt und in 8 % ist es der erfahrene Facharzt. Dies ist über die Jahre hinweg stabil geblieben. Die Hauptlast der Weiterbildung trägt somit der Oberarzt der Klinik. 71 % der Teilnehmer erachten die Implementierung eines speziell für die Weiterbildung verantwortlichen Ansprechpartners oder eines Mentorensystems zur Verbesserung der Weiterbildungsqualität als sinnvoll. In immerhin 27 % existiert ein solches bereits.



Gut 67 % der Umfrageteilnehmer geben an, dass es an ihrer Klinik keine „grobe Struktur“ der Weiterbildung gibt. Sogar 86 % geben an, kein Weiterbildungscurriculum zu Beginn der Weiterbildung erhalten zu haben. Hier hat sich im Vergleich zu den Vorjahren praktisch nichts geändert. Dies verwundert sehr, da laut Kammerrecht zur Beantragung einer Weiterbildungsbefugnis ein solches Curriculum zwingend zu erstellen ist. Wie wichtig dem Nachwuchs aber eine strukturierte Weiterbildung ist, verdeutlichen folgende Zahlen: Die Mehrzahl der Umfrageteilnehmer sieht die strukturierte Weiterbildung mit realistischen Weiterbildungszielen sowie eine transparente Einteilung zu den Operationen mit operativen Zielvereinbarungen als Schlüssel einer erfolgreichen chirurgischen Weiterbildung. Die Qualität des Weiterbilders wird im Durchschnitt mit befriedigend bewertet. In gut 93 % der Umfrageteilnehmer sind didaktische Grundkenntnisse des Weiterbilders wichtig. In 54 % werden dem Weiterbilder diese didaktischen Grundkenntnisse in der Vermittlung von praktischen wie theoretischen Weiterbildungsinhalten bescheinigt. Entgegen dem Kammerrecht, das dem Weiterbilder und den Weiterzubildenden verpflichtet, jährlich mindestens ein Weiterbildungsgespräch zu führen, erfolgt dies nur bei 56 % der Teilnehmer. Hier zeigt sich gegenüber den letzten Erhebungen zwar eine Tendenz zur Verbesserung, aber ein zufriedenstellendes Ergebnis ist dies nicht. Denn immerhin mehr als 40 % erhalten gar kein strukturiertes Feedback.

Lesen Sie auf Seite 3, wie zufrieden die Befragten mit der Expertisevermittlung und dem Weiterbildungsangebot sind --->

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