Umfrage: Ärzte und Ärztinnen in Weiterbildung arbeiten zu viel

Eine Umfrage unter 1.258 Assistenzärzten und -ärztinnen zeigt, dass nur ein Drittel der Befragten mit den Arbeitsbedingungen zufrieden sind. Mehr als jeder Dritte denkt sogar darüber nach, den Beruf ganz zu wechseln.

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Im April 2021 veröffentlichte der Hartmannbund Ergebnisse einer Umfrage unter 1.258 jungen Ärztinnen und Ärzten in der Weiterbildung. Dabei zeigt sich: 33 Prozent der Befragten bewerten die vorherrschenden Arbeitsbedingungen mit gut, 35 Prozent mit befriedigend und 13 Prozent mit ausreichend. 

Beim Blick auf die durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten werden diese Angaben nachvollziehbar: Denn 38 Prozent der Befragten haben trotz Tarifverträgen eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 45-55 Stunden und weitere 25 Prozent arbeiten sogar 55-65 Wochenstunden. Zudem gaben 45 Prozent an, dass die Überstunden nicht dokumentiert werden. 

Die hohe Arbeitsbelastung führt bei 64 Prozent der jungen Ärzte und Ärztinnen zu einer Beeinträchtigung des Privatlebens. 37 Prozent sehen in einer Teilzeitstelle oder Elternzeit berufliche Nachteile. Außerdem gaben 39 Prozent an, sich vor gesundheitlichen Folgen zu fürchten und über 30 Prozent leiden an Schlafstörungen. Dies führt dazu, dass 56 Prozent der Befragten sich eine Teilzeitstelle wünschen und mehr als 35 Prozent sogar einen Berufswechsel in Erwägung ziehen. 

Mögliche Arbeitszeitmodelle  

Die Assistenzärztinnen und -ärzte sehen unter anderem in Teilzeitmodellen, Weiterbildungskonzepten mit einem Rotationsplan und der Einstellung von mehr ärztlichem Personal Möglichkeiten für verbesserte Arbeitsbedingungen. 

Außerdem fühlen fast 50 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte einen ökonomischen Druck in ihrem Arbeitsalltag. Die Arbeit eines Assistenzarztes habe den Charakter einer Fließbandtätigkeit, heißt es da. Der Fokus liege auf auf einer möglichst kurzen Liegezeiten der Patienten. Der Druck, Überstunden zu vermeiden und möglichst viel in der vorgesehenen Arbeitszeit zu schaffen, führe zu einem mangelhaften Verhältnis zwischen Personal und Patient. Über 50 Prozent der Befragten geben an, manchmal bis selten zufrieden mit der Zeit für ihre Patienten zu sein. 

Durch digitale Helfer am Arbeitsplatz werden die jungen Ärztinnen und Ärzte nicht sonderlich bei ihrer Tätigkeit unterstützt. Fast 60 Prozent der Befragten geben an, dass viele Prozesse ineffizient digitalisiert seien. Fast jeder zweite Befragte gibt an, mehrmals mit Vielfachdokumentationen beschäftigt zu sein. Als Ursachen hierfür wurde ein veralteter, langsamer und ineffizienter Technikstand sowie Schnittstellenprobleme genannt, die doppelte Dokumentationen erfordern.

So überrascht es nicht, dass bei 20 Prozent der Assistenärztinnen und -ärzte die bloße Dokumentationsarbeit mehr als 50 Prozent der Arbeitszeit ausmacht. Dabei ist für 83,3 Prozent der Befragten die Digitalisierung im beruflichen Umfeld wichtig bis sehr wichtig. 

Für das Jahr 2040 wünschen sich die jungen Assistenzärztinnen und -ärzte, dass Krankenhäuser nicht mehr als Wirtschaftsbetriebe gesehen werden und Kliniken unter staatlicher Trägerschaft geführt werden. Mehr automatisierte Dokumentation und vom Arbeitgeber bezahlte Fortbildungen sollen den zeitlichen Fokus der ärztlichen Tätigkeit auf die Patientenbehandlung legen. Außerdem wünschen sich die jungen Ärztinnen und Ärzte 24-Stunden-Kitas und flexible Arbeitszeiten für eine bessere Work-Life-Balance. 

Quelle: Hartmannbund 

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