Überblick: Weiterbildung Pharmakologie

In unserer Serie „Überblick“ stellen wir die verschiedenen Facharztweiterbildungen vor. Dieses Mal geht es um die Weiterbildungsmodalitäten in der Pharmakologie. Wie lange dauert die Weiterbildung? Was wird erlernt? Was sind spätere Arbeitsschwerpunkte?

Klinische Studie

Als Bindeglied zwischen Klinik und Pharmaindustrie fungiert der Facharzt der Pharmakologie | Alexander Rates/Fotolia

Ein genereller Schwerpunkt der Arbeit von Fachärzten der Pharmakologie ist die Prüfung von neuen Medikamenten im Rahmen von klinischen Studien. Im Gegensatz zu den USA, wo an den großen Krankenhäusern Teams bereitstehen, die solche Studien begleiten, ist die Zahl an Fachärzten der Pharmakologie in Deutschland sehr gering. 408 Fachärzte für Pharmakologie gibt es bei uns, 233 Ärzte haben sich auf die Klinische Pharmakologie spezialisiert, 168 auf die Pharmakologie und Toxikologie. Die jeweilige Spezialisierung erfolgt nach einer Basisweiterbildung von 2 Jahren. Entweder man wird Facharzt für Klinische Pharmakologie oder man wird Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie. 

Neben der Überwachung klinischer Studien erarbeiten Fachärzte der Pharmakologie außerdem allgemeine Therapiepläne für Kliniken, in der die Medikation eine zentrale Rolle einnimmt. Auch in der Arzneimittelkommission können sie ihr Wissen einbringen, um vorhandene Medikamente zu verbieten bzw. neue zu genehmigen. Schlussendlich berät ein Facharzt für Klinische Pharmakologie in Einzelfällen auch Patienten oder Kollegen, um neue Pharmakotherapien vorzustellen. Ein Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie ist spezieller Ansprechpartner bei Diagnosen und Therapien von Vergiftungen. 

Weiterbildung und Berufsbranchen 

Fachärzte für Pharmakologie arbeiten in Forschungseinrichtungen von Pharmaunternehmen, in Kliniken oder in Gesundheitsämtern. Darüber hinaus sind sie in der medizinischen Lehre und Forschung tätig, allerdings haben viele medizinische Fakultäten keine Institute für Klinische Pharmakologie, und auch die Zahl der Weiterbildungsstätten ist gering. Wenn überhaupt, dann verfügen in der Regel nur Unikliniken über entsprechende Fachabteilungen. Daher bedarf es einer gewissen Recherche, bis man weiterbildungsberechtigte Einrichtungen gefunden hat. Bei speziellen Fragen zur Weiterbildung hilft die Deutsche Gesellschaft für Pharmakologie e.V. (DGP).

Facharzt/Fachärztin für Klinische Pharmakologie

Weiterbildungszeit:

60 Monate im Gebiet Pharmakologie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon

  • müssen 48 Monate in Klinische Pharmakologie abgeleistet werden (davon können zum Kompetenzerwerb bis zu 18 Monate Weiterbildung in Pharmakologie und Toxikologie erfolgen)
  • müssen 12 Monate in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung abgeleistet werden.

Weiterbildungsinhalt:

Gemeinsame Inhalte des Gebiets Pharmakologie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Internationale und nationale Normen der Erforschung, Entwicklung und Anwendung von Arzneimitteln, z. B Good Clinical Practice des International Council for Harmonisation of Technical Requirements for Pharmaceuticals for Human Use (ICH-GCP), ethische Grundsätze für die medizinische Forschung am Menschen (Deklaration von Helsinki)
  • Pharmakologische, toxikologische und klinische Grundlagen der Erforschung, Entwicklung und Anwendung von Arzneimitteln
  • Erkennung, Erfassung, Meldung und Bewertung unerwünschter Arzneimittelwirkungen und von Medikationsfehlern
  • Risiken von Wirk- und Schadstoffen
  • Risikomanagement und -kommunikation
  • Biometrie und Statistik, Pharmakoepidemiologie und Arzneimittelanwendungsforschung, Expositionserfassung
  • Pharmakologische Methodik, insbesondere Pharmako- und Toxikokinetik sowie Pharmako- und Toxikodynamik relevanter Wirk- und Schadstoffe
  • Biochemische, chemische, immunologische, mikrobiologische, molekularbiologische, physikalische und physiologische Arbeits- und Nachweismethoden
  • Grundlagen der tierexperimentellen Forschungstechnik zur Wirkungsanalyse von Arzneimitteln und Fremdstoffen, Erzeugung von Krankheitszuständen in Modellorganismen zur Wirkstoffprüfung
  • Grundlagen, Methoden und Anwendung der Pharmako- und Toxikogenomik
  • Standardmethoden der Qualitätssicherung für Labor- und Klinikuntersuchungen, Berichtswesen
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung und Bewertung von Forschungsberichten
  • Grundlagen der Entwicklung und Prüfung von Arzneimitteln und Medizinprodukten
  • Arzneimitteltherapie von Erkrankungen

Klinische Prüfung von Arzneimitteln und Medizinprodukten

  • Gesetzliche und ethische Anforderungen, Leitlinien und Empfehlungen klinischer Prüfungen
  • Zulassungsverfahren für Arzneimittel und Medizinprodukte
  • Post-Marketing-Surveillance
  • Biometrische Methoden und Datenmanagement
  • Planung und Erstellung von Prüfplänen, Durchführung der Studien, statistische Auswertung bzw. Bewertung der Ergebnisse klinischer Prüfungen der Phase I bis IV (Richtzahl: 8), davon
  1. Durchführung von Studien Phase I/II (Richtzahl: 4)
  2. Durchführung von randomisierten kontrollierten Studien (RCT) (Richtzahl: 2)

Wirkungsanalyse von Arzneimitteln am Menschen

  • Bewertung von Dosis-/Konzentration- Wirkungsuntersuchungen (Richtzahl: 3)
  • Anwendung pharmakokinetischer und/oder - dynamischer Methoden
  • Methodik epidemiologischer Studien
  • Mitwirkung bei Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von nicht-interventionellen Studien (NIS) (Richtzahl: 2)

Bestimmung von Wirkstoffen und Arzneimitteln in Körperflüssigkeiten und Geweben

  • Bestimmungsmethoden, insbesondere chemisch-analytische Verfahren, z. B. Massenspektrometrie, molekularbiologische Verfahren
  • Erkennung und Bewertung von Arzneimittelwechselwirkungen einschließlich der Mitbehandlung
  • Durchführung und Bewertung des therapeutischen (Drug-)Monitorings einschließlich der Mitbehandlung
  • Durchführung und Bewertung pharmakogenomischer Untersuchungen

Arzneimittelsicherheit und Arzneimitteltherapiesicherheit

  • Prinzipien, Meldesysteme, Stufenplanverfahren
  • Erkennung, Erfassung und Bewertung der Sicherheit von Arzneimitteln und Medizinprodukten
  • Vorgehen bei Vergiftungen und Überdosierungen
  • Beratung bei Vergiftungen und Überdosierungen

Bewertung von Arzneimitteln

  • Evaluation von Arzneimitteln und Therapieverfahren anhand der Prinzipien der evidenzbasierten Medizin
  • Bewertung von Arzneimitteln in Zusammenarbeit mit behandelnden Ärzten oder Prüfärzten
  • (Kosten)-Nutzen-Risiko-Bewertung

Arzneimitteltherapie

  • Beratungen und Mitbehandlung in der Arzneimitteltherapie unter Berücksichtigung von Therapie-Leitlinien einschließlich Nutzen-Risiko-Abschätzung (Richtzahl: 30)

Therapie-Leitlinien

  • Grundlagen der Erstellung, Beurteilung und Implementierung von Therapie-Leitlinien unter Berücksichtigung der Prinzipien der evidenzbasierten Medizin
  • Mitwirkung bei der Erstellung und Implementierung von Therapie-Leitlinien

>> Seite 2: Musterweiterbildungsordnung Facharzt/Fachärztin für Pharmakologie und Toxikologie

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.