Überblick: Weiterbildung Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Virologen sind gerade gefragte Ansprechpartner bei der Diskussion um die Auswirkungen des Coronavirus. Aber wie wird man eigentlich Experte auf diesem Gebiet? Hier sind alle Fakten zur Weiterbildung dargestellt.

Mikroskop

Als Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie arbeitet man häufig im Labor. | CCO

Ein Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie hat in der Regel keinen Kontakt zu Patienten. Sein Hauptarbeitsbereich ist das Labor. Er beschäftigt sich mit krankheitserregenden Mikroorganismen – wie etwa dem Coronavirus, die im menschlichen Körper nachweisbar sind. Oder er spürt die Anpassungen und Fähigkeiten dieser kleinsten Lebewesen auf, um sie für den Menschen nutzbar zu machen.

Mikroorganismen sind nur unter dem Mikroskop sichtbar. Zur Mikrobiologie gehört die Bakteriologie (Wissenschaft der Bakterien), die Virologie (Wissenschaft der Viren), die Mykologie (Wissenschaft der Pilze) und die Protozoologie (Wissenschaft der Urtierchen). In der Mikrobiologie kann man sich nur in Kombination mit den Bereichen Virologie und Infektionsepidemiologie weiterbilden.

Therapie und Vorbeugung

Im Alltag beschäftigt sich der Facharzt mit Therapien, mit denen durch Mikroorganismen verursachte Infektionskrankheiten behandelt werden. Außerdem ist er auf der Suche nach Möglichkeiten, Krankheiten vorzubeugen. Hierzu untersucht und beurteilt er Mikroben hemmende Substanzen. Um Krankheiten zu erkennen, benötigt er "Körpermaterial", zum Beispiel aus einer Blutentnahme, einer Speichelprobe oder einer Stuhlprobe, das er vom behandelnden Arzt bekommt. Nach der Untersuchung kann der behandelnde Arzt mit dem Mikrobiologen die weitere Therapie diskutieren. Doch der Mikrobiologe kennt sich nicht nur mit Krankheitserregern aus, die dem Menschen gefährlich werden können, sondern auch mit den Erregern, die es nur auf Tiere abgesehen haben. 

Die meisten Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie sind in großen Laboratorien oder großen Krankenhäusern angestellt. Einige arbeiten selbstständig als niedergelassene Ärzte oder in einer Laborgemeinschaft. Andere sind in der freien Wirtschaft, in Biotech- und Pharmaunternehmen beschäftigt.

Fakten zur Weiterbildung

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Desinfektion und Sterilisation
  • Arbeitssicherheit im medizinischen Labor, insbesondere im Umgang mit potenziell gefährlichem Untersuchungsmaterial

Infektiologische Notfälle

  • Infektionen mit hochpathogenen Erregern sowie lebensbedrohliche Verläufe von Infektionen
  • Notfalldiagnostik einschließlich Beratung bei Infektionen, insbesondere Meningitis/Enzephalitis, Sepsis, Gasbrand, Malaria, akzidentellen, beruflichen oder kriminell verursachten Infektionen (Richtzahl: 25)
  • Auswahl der geeigneten Antiinfektiva bei akuten systemischen Infektionen (Richtzahl: 100)
  • Beratung zu Sofortmaßnahmen zur Prävention und zum Management akut lebensbedrohlicher Infektionen

Infektionskrankheiten

  • Symptomatologie und Epidemiologie der Infektionskrankheiten
  • Epidemiologie von Reise- und Tropenkrankheiten und lebensmittelbedingten Infektionen, Ausbrüche, Epidemien und Pandemien, Infektionskrankheiten bei Migration
  • Erreger und Toxine als Biowaffen
  • Diagnostik und Differentialdiagnostik sowie Grundlagen der Therapie und Verlaufsbeurteilung von Infektionskrankheiten
  • Besonderheiten der Diagnostik und Hygiene bei Immunsuppression und Immundefizienz
  • Beratung zur Therapie und Prävention ambulant und nosokomial erworbener Infektionskrankheiten

Präanalytik

  • Beratung zur Präanalytik und Methodenauswahl
  • Beurteilung von Untersuchungszeitpunkt, Gewinnung, Transport, Materialart, Materialeignung, Methodenauswahl für die klinische Fragestellung

Methoden der Infektionsdiagnostik

  • Immunologie und Immunpathologie von Infektionen
  • Zellkulturtechniken zum Nachweis von Viren
  • Diagnostik zum Nachweis von Toxinen
  • Sequenzierung einschließlich deren Auswertung und Interpretation
  • Diagnostik von
  1. Bakterien
  2. Pilzen
  3. Parasiten
  4. Viren
  • Mikroskopische Untersuchungen
  • Kulturelle Untersuchungen, z. B. Anzucht, Differenzierung, Typisierung, Empfindlichkeitsprüfung, Sterilitätstestung
  • Erregeridentifikation mittels biochemischer Methoden und Massenspektrometrie
  • Immunologische Untersuchungen, z. B. Nachweis von Antigenen und Antikörpern, Immunzellen, Zytokinen, Immunglobulinen und Komplementfaktoren
  • Molekularbiologische Untersuchungen zum Nachweis, zur Typisierung und Empfindlichkeitsprüfung von Infektionserregern

Bewertung und Befundinterpretation

  • Erstellung einschließlich Interpretation infektiologischer Befunde
  • Differenzierung von pathologischer und Normalflora, Bewertung opportunistischer Infektionen

Antiinfektive Therapie und Antibiotic Stewardship

  • Grundlagen der Erstellung von Empfehlungen zum Einsatz von Antiinfektiva unter Berücksichtigung der lokalen Resistenzlage
  • Ermittlung, Bewertung und Steuerung des Antiinfektivaverbrauchs
  • Auswahl der geeigneten Antiinfektiva bei Infektionen durch
  1. Bakterien
  2. Pilze
  3. Parasiten
  4. Viren
  • Klinisch mikrobiologische Konsile bei stationären Patienten (Richtzahl: 20)
  • Erstellung von Erreger- und Empfindlichkeitsstatistiken für Krankenhäuser und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens

Impfprävention

  • Beurteilung von Immunstatus und Impfindikation
  • Berücksichtigung des Impfstatus für die Infektionsdiagnostik

Infektionsprävention und Surveillance

  • Surveillance-Systeme zur Erfassung von nosokomialen Infektionen, Antibiotikaverbrauch und Antibiotikaresistenzen
  • Verfahren zum Nachweis klonaler Zusammenhänge und zur Aufdeckung von Infektketten
  • Infektionsepidemiologische Auswertungen, Erfassung und Bewertung bei Verdacht auf Ausbrüche nosokomialer oder ambulant erworbener Infektionen zur Erreger- und Resistenzüberwachung, Identifikation von Risikofaktoren und Bekämpfung (Richtwert: 10)

Infektions-, Krankenhaus- und Praxishygiene

  • Risikoadaptiertes Hygienemanagement
  • Mikrobiologische, virologische und hygienische Überwachung, Risikoanalyse, Bewertung und Empfehlung von Maßnahmen in Operations-, Intensivpflege-, Funktions- und sonstigen Krankenhaus-Bereichen unter Einschluss technischer Anlagen, z. B. Wasser, Luft
  • Beurteilung von Baumaßnahmen oder des Betriebs von Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen
  • Mikrobiologische und virologische Bewertung antiseptischer und desinfizierender Substanzen; Überwachung der Aufbereitung, Desinfektion und Sterilisation von Medizinprodukten, Gebrauchs- und Bedarfsgegenständen; Risikoeinschätzung von Dekontaminationsprozessen hinsichtlich ihrer Erfordernis zur Verhütung nosokomialer Infektionen
  • Durchführung von Fortbildungen für medizinisches Personal zum Thema Infektionsprävention
  • Anleitung des Personals für die Krankenhaushygiene sowie Kommunikation mit den Entscheidungsträgern im Krankenhaus und überwachenden Gesundheitsbehörden; Ausbruchs- und Störfallmanagement
  • Erstellung von Hygieneplänen und Hygienekonzepten und Beteiligung an Hygieneprojekten

Labor- und Qualitätsmanagement

  • Einflussgrößen, Störfaktoren, Evaluation und Standardisierung von Untersuchungsverfahren und Validierung diagnostischer Verfahren
  • Relevante Qualitätsmanagementsysteme
  • Umgang mit und Lagerung von Referenzmaterialien und Proben
  • Grundlagen der Biobanken
  • Verfassen von Dokumenten im Qualitätsmanagementsystem und Validierung diagnostischer Verfahren
  • Durchführung von Ringversuchen

Spezielle Übergangsbestimmungen sind:
Kammerangehörige, die die Facharztbezeichnung Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie besitzen, sind berechtigt, stattdessen die Facharztbezeichnung Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zu führen.

Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2018

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.