Überblick: Weiterbildung Innere Medizin und Pneumologie

Als Internist hat man die Möglichkeit, sich zu spezialisieren: zum Beispiel im Bereich der Lungenheilkunde (Pneumologie). Welche Fähigkeiten muss man nachweisen, um zum Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie zu werden?

Die deutsche Bezeichnung für Pneumologie ist Lungenheilkunde. | CC0

Pneumologen sind spezialisierte Internisten, die sich mit Lungenerkrankungen beschäftigen. Dabei untersuchen sie die luftführenden Atemwege, wie Luftröhre (Trachea), Bronchien bis hin zu den Lungenbläschen (Alveolen) und den blutführenden Gefäßen (Lungenarterien und -venen) der Lunge. Viele Kenntnisse, die auf dem Weg zum Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie erworben werden, stehen deshalb im Zusammenhang mit dem Atmungstrakt. So muss z.B. alles über respiratorische Insuffizienz oder infektiologische Erkrankungen der Atmungsorgane gewusst werden. Aber auch Kenntnisse von Therapien sind erforderlich (z.B. Tabakentwöhnung) und das Wissen um eine interdisziplinäre Indikationsstellung ist wichtig, weil Pneumologen interdisziplinär arbeiten (u.a. mit Thoraxchirurgen bei notwendigen Operationen). 

Als Internist mit dem Spezialgebiet Pneumologie hat man die Möglichkeit, an einem Klinikum zu arbeiten oder sich niederzulassen. Derzeit gibt es in Deutschland circa 1.000 Ärzte mit dem Titel "Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie". Diese Anzahl ist nicht ausreichend; Pneumologen gehören deutschlandweit zu jenen Fachärzten, die von Klinikbetreibern am härtesten umworben werden. Kein Wunder: Krankheiten der Lunge sind auf dem Vormarsch. Asthma ist weltweit eine der häufigsten chronischen Erkrankungen, auch COPD und Bronchitis sind weit verbreitete Krankheiten. Um diese und weitere Krankheiten diagnostizieren zu können, müssen Pneumologen alle notwendigen Diagnosemethoden kennen und beherrschen, wie etwa das Legen einer Pleuradrainage oder die Bedienung des Ganzkörperplethysmographen.

Diese Inhalte sind Teil der Weiterbildung zum Facharzt bzw. zur Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie: 

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • den Inhalten der Basisweiterbildung
  • der Erkennung und Behandlung der Erkrankungen der Lunge, der Atemwege, der Pulmonalgefäße, des Mediastinums, der Pleura, der Thoraxwand und Atemmuskulatur sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • der Erkennung und Behandlung der akuten und chronischen respiratorischen Insuffizienz
  • den Krankheiten durch inhalative Traumen und Umwelt-Noxen sowie durch Arbeitsplatzeinflüsse
  • den Grundlagen schlafbezogener Atmungsstörungen
  • der Facharztkompetenz-bezogenen Zusatz-Weiterbildung Medikamentöse Tumortherapie als integraler Bestandteil der Weiterbildung
  • der Indikationsstellung, Durchführung und Überwachung der zytostatischen, immunmodulatorischen, antihormonellen sowie supportiven Therapie bei soliden Tumorerkrankungen des Schwerpunkts einschließlich der Beherrschung auftretender Komplikationen
  • den heriditären Erkrankungen der Atmungsorgane
  • den infektiologischen Erkrankungen der Atmungsorgane einschließlich Tuberkulose
  • der Erkennung und Behandlung gebietsbezogener allergischer Erkrankungen
  • der interdisziplinären Indikationsstellung zu chirurgischen, strahlentherapeutischen und nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren
  • Tabakentwöhnung und nichtmedikamentösen Therapiemaßnahmen wie Patientenschulung und medizinischer Trainingstherapie
  • der intensivmedizinischen Basisversorgung

Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren:

  • sonographische Diagnostik von Lunge, Pleura und Thoraxwandstrukturen, des rechten Herzens und des Lungenkreislaufes sowie transoesophageale Untersuchungen des Mediastinums und transbronchiale Untersuchungen der Lunge
  • flexible Bronchoskopie einschließlich broncho-alveolärer Lavage sowie sämtliche Biopsietechniken
  • Pleuradrainage und Pleurodese sowie Durchführung von perthorakalen Punktionen von Lunge oder pulmonalen Raumforderungen
  • Mitwirkung bei Thorakoskopien und bei Bronchoskopien mit starrem Instrumentarium bei interventionellen Verfahren
  • Funktionsuntersuchungen der Atmungsorgane, wie
    Ganzkörperplethysmographien
    Bestimmungen des CO-Transfer-Faktors
    Untersuchungen von Atempump-Funktion und Atemmechanik
    Unspezifische Hyperreagibilitätstestung der unteren Atemwege
  • Blutgase und Säure-Basen-Haushalt im arteriellen Blut
  • Belastungsuntersuchungen einschließlich Spiro-Ergometrie
  • unspezifische und allergenvermittelte Provokations- und Karenztests einschließlich epikutaner, kutaner, intrakutaner und inhalativer Tests einschließlich Erstellung eines Therapieplanes
  • Hyposensibilisierung
  • Mitwirkung bei Untersuchungen des Lungenkreislaufs einschließlich Rechtsherzkatheter
  • Inhalationstherapie
  • Sauerstofflangzeittherapie und Beatmungstherapie einschließlich der Heimbeatmung
  • zytostatische, immunmodulatorische, antihormonelle sowie supportive Therapiezyklen bei soliden Tumorerkrankungen der Facharztkompetenz einschließlich der Beherrschung auftretender Komplikationen
  • Chemotherapiezyklen einschließlich nachfolgender Überwachung

Weiterbildungszeit:

72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1, davon

  • 36 Monate in der stationären Basisweiterbildung im Gebiet Innere Medizin
  • 36 Monate Weiterbildung in Pneumologie, davon 6 Monate internistische Intensivmedizin, die auch während der Basisweiterbildung abgeleistet werden können

    Bis zu 18 Monate der Weiterbildung können im ambulanten Bereich abgeleistet werden.

Weiterbildungsziel:

Ziel der Weiterbildung ist die Erlangung der Facharztkompetenz Innere Medizin und Pneumologie nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeiten und Weiterbildungsinhalte einschließlich der Inhalte der Basisweiterbildung.

Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2015

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.