Überblick: Weiterbildung Allgemeinchirurgie

Wie werde ich Fachärztin oder Facharzt für Allgemeinchirurgie? Wie lange dauert die Weiterbildung? Und welche Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind Gegenstand der Weiterbildung? Hier gibt es alle Infos.

Acht verschiedene Spezialisierungen gibt es in der Chirurgie. Die Allgemeinchirurgie ist eine davon. | cirquedesprit/Fotolia

Die Haupteinsatzgebiete des Allgemeinchirurgen sind die operative und nicht-operative Grund- und Regelversorgung. Der Allgemeinchirurg bringt alle Kenntnisse und Fähigkeiten mit, um der ideale chirurgische Primärarzt im Krankenhaus zu sein – dazu zählt sein breites Wissen in Unfall-, Viszeral- und Gefäßchirurgie.

In der chirurgischen Ambulanz stellt der Allgemeinchirurg das Bindeglied zu den Spezialisten der anderen chirurgischen Bereiche dar. Er ist auch in die Notfallversorgung bei gefäß-, thorax-, unfall- und viszeralchirurgischen Erkrankungen, Verletzungen und Infektionen im Einsatz. Da ein Facharzt für Allgemeine Chirurgie in einem verkürzten Verfahren eine zweite chirurgische Facharztqualifikation erwerben kann, ist er auch in der chirurgischen Spezialklinik einsetzbar – er hat das breiteste Spektrum im Gebiet Chirurgie. 

Allerdings ist die Chirurgie kein Fach für leichte Gemüter, denn es gilt unter anderem unangenehme Situationen auszuhalten. So erzählte Dr. Matthias Krüger, Facharzt für Chirurgie am Klinikum Magdeburg auf dem Operation Karriere Kongress Berlin 2017 von einem eingelieferten Patienten, bei dem ein Messer in der Brust steckte. "Hier kann man nicht weglaufen, sondern muss die Ruhe bewahren und mit anpacken können", so Krüger. Dass viele Allgemeinchirurgen und Allgemeinchirurginnen dennoch die Wahl ihrer Weiterbildung nicht bereuen, kann man auf der Homepage des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC) nachlesen. 

Fakten zur Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Allgemeinchirurgie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • müssen 18 Monate in Orthopädie und Unfallchirurgie abgeleistet werden
  • müssen 18 Monate in Viszeralchirurgie abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden

Die Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte im Gebiet Chirurgie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Lokalanästhesie und Schmerztherapie

  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge (Richtwert: 20)
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Allgemeinchirurgie

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Allgemeinchirurgie

  • Berufsgenossenschaftliche Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren
  • Grundlagen der Verwendung alloplastischer Materialien

Notfalleingriffe

  • Erkennung, Diagnostik, Therapie und interdisziplinäres Management für den Schwer- und Mehrfachverletzten (Richtwert: 10)
  • Zugang zum Thorax
  • Notfalleingriffe im Bauchraum, z. B. bei Ileus, Blutung, Peritonitis, Milzruptur, Hohlorganperforationen (Richtwert: 20)

Diagnostische Verfahren

  • Sonographische Untersuchungen des Abdomens und Retroperitoneums Sonographische Untersuchungen des Abdomens und Retroperitoneums  (Richtwert: 400)
  • Sonographische Untersuchungen der Urogenitalorgane  (Richtwert: 200)
  • Notfallsonographien (eFAST)  (Richtwert: 50)
  • Sonographie des Bewegungsapparats
  • Rektosigmoidoskopie
  • Proktoskopie
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von konventioneller Röntgendiagnostik, davon
  1. Notfalldiagnostik: Röntgendiagnostik ohne CT im Rahmen der Erstversorgung bei Erwachsenen und Kindern
  2. Skelett, Schädel, Stamm- und Extremitätenskelett in angemessener Gewichtung
  3. intraoperative radiologische Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren

Weichteilverletzungen, Wunden und Verbrennungen

  • Weichteileingriffe, z. B. an Sehnen, Bändern, Muskeln, Haut und bei Infektionen
  • Prävention, Diagnostik und Therapie des zentralen und peripheren Kompartmentsyndroms
  • Diagnostik und Therapie unkomplizierter Weichteilverletzungen
  • Erkennung und Erstversorgung von komplexen Weichteilverletzungen und Verbrennungen
  • Resektion gutartiger oberflächlicher und peripherer Weichteiltumore (Richtwert: 20)
  • Inzision und Exzision von Hautabszessen (Richtwert: 20)

Konservative Therapiemaßnahmen

  • Konservative Behandlung einschließlich schmerztherapeutischer Maßnahmen bei Luxationen, Frakturen, Distorsionen (Richtwert: 100)

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Hand

  • Häufigste Verletzungen und Funktionsstörungen der Hand
  • Erkennung und Erstversorgung von komplexen Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Hand
  • Diagnostik, konservative und operative Therapie von nicht-komplexen Verletzungen und Funktionsstörungen der Hand

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der viszeralen Organe und Gefäße

  • Implantation und Explantation von zentralvenösen Verweilkathetern, z. B. Portkatheter, Herzschrittmacher (Richtwert: 20)
  • Inzision von Perianalabszessen
  • Exzision von Perianalvenenthrombosen
  • Hämorrhoidenoperation einschließlich Therapie einer Fissur (Richtwert: 20)
  • Operative Therapie von Hernien, davon
  1. Leistenhernie (Richtwert: 40)
  2. Bauchwandhernie (Richtwert: 10)
  3. Narbenhernie (Richtwert: 10)
  • Methoden der Gefäßfreilegung, Embolektomie und Thrombektomie
  • Methoden der Varizenoperation
  • Laparotomien und deren Verschluss, auch minimal invasiv (Richtzahl: 50)
  • Resektionen, Übernähungen, Exstirpationen, konventionelle, endoskopische und interventionelle Techniken (Richtzahl: 150), davon
  1. Appendektomie (Richtzahl: 25)
  2. Cholecystektomie (Richtzahl: 35)
  3. explorative Laparotomie und/oder Laparoskopie (Richtzahl: 30)
  4. Magenübernähung
  5. Dünndarmresektion (Richtzahl: 10)
  6. Stomaanlage und Stomarückverlagerung (Richtzahl: 10)
  7. Eingriffe am Kolon (Richtzahl: 20)

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen des Kopf- und Halsbereichs

  • Anomalien der anatomischen Strukturen des Halses
  • Zervikale Eingriffe, z. B. an der Schilddrüse, Tracheotomie, Lymphknoten-Probeexzision

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Bewegungsorgane

  • Operationsschritte bei Erkrankungen und Verletzungen an Extremitäten, Wirbelsäule, Becken und Thorax
  • Weichteileingriffe, z. B. an Sehnen, Bändern, Muskeln, Haut, Weichteiltumoren (Richtzahl: 30)
  • Osteosynthesen bei Typ A- und B-Frakturen (Richtzahl: 120), davon
  1. an langen Röhrenknochen (Richtzahl: 10)
  2. am distalen Radius (Richtzahl: 20)
  3. am oberen Sprunggelenk (Richtzahl: 10)
  4. bei subcapitaler Humerusfraktur (Richtzahl: 10)
  5. am Ellenbogengelenk (Richtzahl: 10)
  6. Fixateur externe-Anlagen (Richtzahl: 10)
  7. Versorgung von Frakturen an der Hüfte mit Duokopfprothesen und Osteosynthesen (Richtzahl: 30)
  8. Operative Therapie bei Infektionen an Weichteilen, Knochen oder Gelenken (Richtzahl: 10)
  9. Implantatentfernungen (Richtzahl: 50)

Strahlenschutz

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Quellen: Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC), www.chirurg-werden.de und Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (2018)

Finde hier Informationen, Interviews, News und Videobeiträge rund um das Facharztgebiet Chirurgie und ihre unterschiedlichen Fachrichtungen.

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.