"Superhelden" im OP: Anästhesie und Intensivmedizin

Was macht einen guten Anästhesisten aus? Diesem Thema widmete sich Dr. Daniel Gill-Schuster, Oberarzt und Facharzt für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Frankfurt in seinem Vortrag auf dem Frankfurter Operation Karriere-Kongress.

Gute Anästhesisten müssen mutig, schnell, kreativ, intelligent und kommunikativ sein, erklärte Dr. Daniel Gill-Schuster in seinem Vortrag. | Stefanie Hanke

Ein guter Anästhesist ist quasi ein Superheld: Ein bisschen James Bond, ein bisschen Künstler, ein bisschen Diplomat. So skizzierte Gill-Schuster die Eigenschaften, die man für diese Facharztrichtung braucht. Ein guter Anästhesist müsse

  • mutig sein und dürfe keine Angst haben – ein vernünftiger Respekt vor der eigenen Verantwortung sei aber wichtig
  • sehr schnell sein, um im OP reagieren zu können, wenn es dem Patienten plötzlich schlechter gehe
  • intelligent sein und Pläne machen – dabei riet Gill-Schuster, immer auch einen Plan B und einen Plan C zu haben
  • kreativ sein, um alternative Lösungen entwickeln zu können, falls etwas nicht nach Plan laufe
  • kommunikativ und eloquent sein, um mit den Patienten, aber auch den Kollegen reden und dabei seinen Standpunkt vertreten zu können

Vor allem aber brauche ein guter Anästhesist Leidenschaft für seine Aufgabe.

"Am Anfang dachte ich, ich bringe alle um"

Gill-Schuster erzählte auch von seiner eigenen Zeit als Assistenzarzt. "Am Anfang habe ich immer gedacht, ich bringe alle Patienten um", verriet er. Aber am Ende habe bei allen Patienten die Atmung wieder eingesetzt – auch, als mit zunehmender Berufserfahrung die Fälle immer schwieriger wurden.

In der Facharztweiterbildung lerne man, die Patienten richtig einzuschätzen und sicher durch die Narkose zu bringen – dafür müsse man aber die Medikamente, das wichtigste Handwerkszeug des Anästhesisten, gut kennen. "Das kommt aber durch viel Praxis", beruhigte Gill-Schuster das Publikum. Nicht umsonst müsse man nach der (Muster-)Weiterbildungsordnung für das Fach 1.800 Anästhesien nachweisen.

Überwachung auf der Intensivstation

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheiden muss, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Anästhesie.

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"Es ist im eigenen Interesse der Oberärzte, den Nachwuchs gut auszubilden", erklärte Gill-Schuster, "wir müssen uns darauf verlassen können, dass Sie auch selbstständig arbeiten können". Am Uniklinikum Frankfurt durchlaufe ein Assistenzarzt daher in der Weiterbildung verschiedene Abteilungen: Am Anfang gebe es kleinere Eingriffe und Narkosen, beispielsweise in der Urologie oder der Traumatologie. Darauf folge eine Zeit in der Gynäkologie, denn ab dem zweiten und dritten Jahr müsse man selbstständige Narkosen beispielsweise für Geburten durchführen können. Eine weitere Etappe der Weiterbildung sei die Neurochirurgie. Darauf folgen zwölf Monate in der Intensivmedizin und auf der neurochirurgischen Intensivstation. Anschließend gehe es in dei Herz-Thorax-Chirurgie – spätestens jetzt müsse man alles ohne fremde Hilfe können, auch Beatmung dürfe kein Problem sein.

Nach der Facharztweiterbildung gebe es für Anästhesisten jede Menge Möglichkeiten, sich zu spezialisieren: beispielsweise als Palliativmediziner, Schmerztherapeut, Intensivmediziner oder Notarzt. Auch eine wissenschaftliche Karriere sei möglich.

Gill-Schuster kritisierte die beliebte Fernsehserie "Grey's Anatomy": "Da laufen ja nur Chirurgen rum – dabei könnten die ohne uns Anästhesisten gar nicht arbeiten".

Operation Karriere Frankfurt, 02.02.2019, "Anästhesie und Intensivmedizin – Am Puls der Zeit", Dr. med. Daniel Gill-Schuster, Oberarzt, Facharzt für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Frankfurt