Start als Arzt – was Ärzte in der Weiterbildung erwartet

„Junge Ärzte sind voller Theorie – aber die praktischen Kenntnisse lernt man nicht an der Uni“ – deshalb könne der Start in der Weiterbildung holprig sein. Wie die Ärztekammern helfen können, erklärte Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, beim Operation Karriere-Kongress in Bochum.

Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, sprach darüber, wie der Start in die fachärztliche Weiterbildung am besten gelingt. | Alex Muchnik

„Wie gefährlich sind junge Ärzte? Ich darf alles und kann fast nichts“, so titelte das Magazin DER SPIEGEL im Jahr 1983. In seinem Vortrag ging Windhorst detailliert darauf ein, worauf es ankommt, damit der Einstieg in den Arztberuf gelingt. Ein wichtiger Partner dabei seien die Ärztekammern als Dienstleister der Ärzte: „In der Kammer nehmen wir Sie ernst“, sagte Windhorst an die jungen Mediziner im Publikum gerichtet. Es sei Aufgabe der Älteren, den Nachwuchs so einzuführen, dass die Jüngeren ihre Ideen einbringen können – gleichzeitig müsse aber auch eine gute Work-Life-Balance gelingen.

„In vielen Krankenhäusern sehe ich eine unerträgliche Hierarchie“, kritisierte der Kammerpräsident. Hier müsse die Arbeit stärker teamorientiert ausgerichtet werden – flachere Hierarchien seien auch hilfreich, um das Wissen aus dem Team zusammenzuführen.

Karriere muss gut geplant werden

Windhorst nahm auch Bezug auf den Kongress-Namen „Operation Karriere“: Wie eine chirurgische Operation müsse auch der eigene berufliche Werdegang gut vorbereitet werden – es solle ja keine Not-OP werden. Dabei bedeute Karriere nicht, innerhalb von zwei Jahren zum Chefarzt aufzusteigen, sondern sich selbst eine klare Vorstellung von den eigenen Wünschen zu machen und den Weg dorthin gut zu planen. Dazu gehöre neben Herz und Hirn auch ein gutes Stück Empathie – das dürfe durch die ökonomischen Zwänge im Klinikalltag nicht abgestumpft werden.

„Viele junge Ärzte sind durch das Studium verhätschelt worden – in der Weiterbildung muss man sich stärker einbringen und mehr um sich selbst kümmern“, erklärte Windhorst. Der Übergang vom strukturierten Studium zum Klinikalltag sei ein Sprung ins kalte Wasser – bis zu 18 Prozent der approbierten Ärzte brechen die Facharztweiterbildung ab und wechseln in andere Berufe. Die Verantwortung sei hoch – auch rechtlich gesehen: Als approbierter Arzt dürfe man beispielsweise schon Leistungen über private Krankenkassen abrechnen. Mit dieser Verantwortung müsse man gerade am Anfang der Weiterbildung bewusst umgehen: „In den ersten Tagen sollte das Leitmotto sein: Tun Sie nichts, was Sie nicht können“. Hier seien erfahrene Ärzte als Mentoren gefragt.

Damit die Weiterbildung korrekt abläuft, stellen die Ärztekammern gewisse Spielregeln auf und achten auf deren Einhaltung. So werden die Arbeitsplatzbedingungen in den Krankenhäusern überprüft – darunter auch die Weiterbildungsbefugnis des Chefarztes in Bezug auf Zeit und Inhalt. Die Koordinierungsstelle Aus- und Weiterbildung (KoStA) der Ärztekammer Westfalen-Lippe diene dabei als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zur Facharzt-Weiterbildung. Die Kammern geben außerdem Empfehlungen dazu, in welchen Kliniken besonders auf Aspekte wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Angebote zur Kinderbetreuung und Möglichkeiten der Teilzeitweiterbildung geachtet wird.

Wie findet man einen passenden Arbeitgeber? Vergleichen!

„Als Bewerber haben Sie derzeit eine gute Startposition – Sie treffen auf einen weitgehend aufnahmefähigen Arbeitsmarkt und werden umworben“, gab Windhorst den Nachwuchsärzten mit auf den Weg. Um einen passenden Arbeitgeber zu finden, sollte man in den Stellenausschreibungen vergleichen, was jeweils geboten werde. Attraktiv seien beispielsweise Fortbildungsmaßnahmen in bestimmten Bereichen, aber auch Zusatzangebote wie eine betriebliche Altersversorgung, Jobticket oder eine betriebseigene Kinderbetreuung. Wichtig sei vor allem auch eine individuelle Betreuung während der Weiterbildung. „Nicht jeder Weiterbilder ist gleich gut und gleich engagiert“, erklärte Windhorst. Um sich über konkrete Weiterbildungsmöglichkeiten zu informieren, gebe es eine regelmäßige Evaluation, bei der die Weiterzubildenden ihre Weiterbildung bewerten. Die Ergebnisse könne man auf der Webseite der Ärztekammer Westfalen-Lippe einsehen.

Damit die Weiterbildungszeit effektiv werden könne, müsse man sich als Weiterbildungsassistent aber auch selber kümmern und einfordern, was einem zustehe – beispielsweise ein jährliches Weiterbildungsgespräch. Der Weiterbilder müsse auch das Logbuch zur Weiterbildung abzeichnen – mindestens einmal im Jahr. Nur wer ein ausgefülltes Logbuch vorlegt, könne zur Facharztprüfung zugelassen werden. Neben dem Arbeitsvertrag sei es zudem sinnvoll, auch eine Weiterbildungsvereinbarung mit der Klinik abzuschließen – hier wird festgelegt, dass die Weiterbildung auch strukturiert umgesetzt wird.

Wenn die Weiterbildung nicht wie vorgesehen abläuft, drohen der Klinik Konsequenzen von Seiten der Kammern“, erklärte Windhorst: Die erste Stufe sei die Bitte um eine schriftliche Stellungnahme des Chefarztes. Dann folge die Einladung zu einem kollegialen Gespräch, das als konstruktiver Dialog geführt werde. Die nächste Stufe sei eine Vor-Ort-Besichtigung der Weiterbildungsstätte, also eine Visitation. „Wenn das alles nicht hilft, kann im schlimmsten Fall die Weiterbildungsbefugnis gekürzt werden.“

Ungeschliffene Diamanten

Trotz der guten Startposition sei die Weiterbildung kein Selbstläufer – hier sei viel Eigeninitiative gefragt, gab er den Studenten als Fazit auf den Weg: „Sie sind Diamanten – aber Sie müssen noch geschliffen werden“.

Operation Karriere Bochum, 29.06.2018. „Impulsvortrag: Der Start als Arzt – Was Ärzte in der Weiterbildung erwartet", Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Münster/Westfalen.