Rheumatologen werben mit allen Mitteln um Nachwuchs

Für die Ausbildung von Rheumatologen wird zu wenig getan, sagt Hendrik Schulze-Koops, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Es fehle an Nachwuchs, schon jetzt müssten Patienten lange auf einen Termin beim Facharzt warten.

Eva Katalin Kondor / iStock

Die Rheumatologie müsse als Fachdisziplin „sexy und cool“ werden, sie müsse sich vom ihrem verstaubten Image in der Bevölkerung, beim Patienten, aber auch bei Studierenden lösen. Das forderte der dies­jährige Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), Hendrik Schulze-Koops, Leiter der Rheumaeinheit des Klinikums der Ludwig-Ma­ximilian-Universität München, anlässlich der virtuellen Pressekonferenz zum diesjährigen Kon­gress­auftakt seiner Fachgesellschaft.

Die Bedeutung der Rheumatologie ergebe sich bereits allein aufgrund der Zahlen, die eine Vielzahl von Betroffenen und einen großen Diagnose- und Behandlungsbedarf be­leg­ten: Die Prävalenz für entzündliche rheumatische Erkrankungen, Vaskulitiden und Kollagenosen beläuft sich auf 2 bis 3 Prozent, insgesamt litten rund 1,5 Millionen Men­schen in Deutschland an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, so die Experten auf der Pressekonferenz.

Vor dem Hintergrund der Bedeutung des Faches, aber nicht zuletzt aufgrund eines offi­zi­ellen Beschlusses des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) haben sich nun mehrere Organisationen des Faches Rheumatologie – neben der DGRh sind dies auch die Akut­kli­ni­ken und die niedergelassenen Ärzte – dazu entschlossen, 2020 eine eigene Kampagne zur Stärkung der Aus- und Weiterbildung in der Rheumatologie zu starten.

Denn der G-BA, so erläuterte Schulze-Koops, habe empfohlen, dass hierzulande dem­nächst 8 Prozent und in weiterer Zukunft 10 Prozent der internistischen Kassenarztsitze mit Fachärzten für Rheumatologie besetzt werden sollten. Das sei zwar nur zu befür­wor­ten, allerdings müssten sich alle Beteiligten fragen, woher die denn kommen sollten.

Derzeit liegt die Zahl der internistischen Rheumatologen bei etwa 750. Benötigt für die Versorgung würden indes nahezu doppelt so viele. Allerdings haben sich im vergangenen Jahr lediglich 44 Kollegen zu einem Facharzt für Rheumatologie qualifiziert – was ohne­hin schon zu wenig sei. Außerdem würden diese vermutlich nicht Vollzeit arbeiten, wo­durch die Engpässe weiterhin vergrößert würden, erläuterte der Kongresspräsident.

Möglichkeiten der Weiterbildung äußerst begrenzt

Momentan verfügten an den 35 Hochschulstandorten für Medizin weniger als zehn Uni­ver­sitätsklinika über Lehrstühle oder äquivalente Fortbildungskliniken in der Rheuma­to­logie. Auch bei sonstigen großen Krankenhäusern seien die Möglichkeiten der Weiter­bil­dung äußerst begrenzt, beklagte Hanns-Martin Lorenz vom Vorstand der DGRh.

Wie der Leiter der Sektion Rheumatologie an der Universitätsklinik Heidelberg betonte, habe es die Politik im Jahr 2004 schlicht „verpennt“, den Weiterbildungsauftrag der Klini­ken und Krankenhäuser zu sichern, als das Fallpauschalensystem (DRG) eingeführt wor­den sei. „Ein Krankenhaus ist zur Versorgung da“, so Lorenz, aber dies sei nicht auf die Ver­sorgung der Patienten begrenzt. Würde nicht dafür gesorgt, dass auch künftig genü­gend Fachärzte für eine solche Versorgung zur Verfügung stünden, sei dies „unethisch und kontra­produktiv“.

So würde beispielsweise in anderen europäischen Ländern nicht nur regelmäßig unter­sucht, wie groß der Bedarf an entsprechenden Fachärzten für die Bevölkerung sei, kriti­sierte er. Dort beteilige sich die Politik immerhin anteilig an der Finanzierung der Wei­ter­bildung, die allein aus den Fallpauschalen für die Häuser nicht zu stemmen sei.

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