Neu in Hessen: Frühchen-Simulation mit Puppe "Paul"

Das Universitätsklinikum Frankfurt und die Main-Kinzig-Kliniken Gelnhausen haben einen gemeinsamen neuen "Patienten": Mit der Simulations-Puppe "Paul" können Ärzte, Medizinstudenten und Pflegekräfte den Umgang mit frühgeborenen Babys üben.

"Paul" ist der kleinste High-End-Simulator der Welt. In Deutschland gibt es derzeit nur zehn Exemplare – jetzt unter anderem auch in Hessen. | © Unternehmenskommunikation Main-Kinzig-Kliniken / Barbarossakinder – Pro Kinderklinik Gelnhausen e.V.

Paul wiegt etwa 1.000 Gramm, ist 35 Zentimeter groß und hat einen Kopfumfang von 26 Zentimetern. Er entspricht damit einem Frühgeborenen in der 27. Schwangerschaftswoche – also einem Baby, das 13 Wochen zu früh zur Welt gekommen ist. Dabei sieht die Puppe einem echten Frühchen nicht nur täuschend ähnlich – sie entspricht auch im Innern der Anatomie eines echten Kindes. Verantwortlich dafür ist hochsensible Technologie. So wird Paul durch einen Computer kabellos gesteuert und  kann alle Krankheitszeichen im Frühgeborenenalter lebensecht simulieren. Ein Beispiel: Bei einer nicht ausreichenden Sauerstoffzufuhr wird er blau und hört schließlich komplett auf zu atmen. Dabei sorgen hunderte Sensoren dafür, dass sich die Puppe wie ein echtes Frühchen verhält.

Auf diese Weise können Ärzte, Medizinstudenten und Pflegekräfte den Umgang mit Frühchen realitätsnah üben – und das jetzt auch in Hessen: dank einer gemeinsamen Großspende der Vereine "Barbarossakinder – Pro Kinderklinik Gelnhausen e.V." und der "Kinderhilfestiftung Frankfurt e.V." in Höhe von 50.000 Euro. Der kleine "Paul" wird nun vom Universitätsklinikum Frankfurt und den Main-Kinzig-Kliniken gemeinsam genutzt: Geplant ist ein abwechselnder Einsatz in beiden Kliniken, aber auch klinikübergreifendes Notfalltraining.

Je realistischer das Training, umso besser die Vorbereitung auf den Ernstfall

„Gerade sehr kleine Frühgeborene sind auch für erfahrenste Ärzteteams eine Herausforderung. Treten bei den Kindern beispielsweise Atemnotfälle oder Herz-Kreislauf-Probleme auf, müssen alle Handgriffe im Team präzise aufeinander abgestimmt sein“, erklärte Dr. Hans-Ulrich Rhodius, Chefarzt der Gelnhäuser Kinderklinik. Da das Training mit Paul so realistisch ist, können die erlernten Inhalte in einer echten Notsituation leichter abgerufen werden.

Studierende des Universitätsklinikums Freiburg können mithilfe von virtueller Realität in einem neuen Simulationszentrum unter anderem minimalinvasive Eingriffe wie Kniespiegelungen oder das Entfernen von Gallenblasen üben.

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Insgesamt gibt es derzeit zehn "Paul"-Simulatoren in Deutschland – unter anderem in Lübeck und Tübingen, ebenfalls durch Spenden finanziert. Der weltweit kleinste Simulator für realistische Notfalltrainings in der Frühgeborenenmedizin wird von der österreichischen Firma SIM Characters hergestellt.

Neue Kooperationsbasis für hessische Kliniken

Das Universitätsklinikum Frankfurt und die Main-Kinzig-Kliniken Gelnhausen kooperieren schon seit vielen Jahren miteinander. Und auch Simulationen zur medizinischen Versorgung von Neugeborenen gibt es bereits in beiden Häusern: „Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass alle an einem Fall beteiligten medizinischen Berufsgruppen nach einem Simulationstraining effektiver und besser arbeiten“, erklärte Prof. Rolf Schlößer, Leiter der Neonatologie am Universitätsklinikum Frankfurt. „So üben Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende des Universitätsklinikums Frankfurt schon seit einigen Jahren mit einem Modell für reife Neugeborene die notwendigen medizinischen Maßnahmen im Notfall nach der Geburt eines Kindes. Auch diese Puppe wurde seinerzeit von der Kinderhilfestiftung dem Schwerpunkt Neonatologie gespendet.“ Und auch in Gelnhausen finden regelmäßig und strukturiert Teamtrainings unter Einsatz von Simulationstechnik statt. „Junge Kollegen gewinnen hierbei wertvolle Erfahrungen; erfahrene Mediziner festigen ihr Wissen und bleiben handlungsfähig“, so Dr. Manuel Wilhelm, ärztlicher Leiter der Gelnhäuser Neonatologie.

„Mit Paul erreicht die medizinische Versorgung und Pflege von Frühgeborenen an den Main-Kinzig-Kliniken Gelnhausen und dem Universitätsklinikum Frankfurt ein neues Zeitalter. Nie zuvor war es möglich, junge Mediziner und Pflegekräfte so professionell zu schulen und zu trainieren wie mit dem Simulationssystem Paul“, erklärte Dr. Michael Henning, Vorstandsvorsitzender der Kinderhilfestiftung Frankfurt. Auch der Förderverein Barbarossakinder bezeichnete die Anschaffung als Meilenstein: „Dies ist ein richtiger und wichtiger Schritt in die Zukunft“, sagte die erste Vorsitzende Bettina Büdel. Denn von dieser Innovation profitieren insbesondere die Eltern betroffener Kinder, die sich in einem hochmodern ausgestatteten Umfeld optimal aufgehoben fühlen. „Wir als Förderverein möchten Gutes tun, damit andere Gutes tun können“, so Büdel. „Die Resonanz und Begeisterung der Spender hat auch unsere Erwartungen übertroffen und es macht uns sehr stolz, diese Spende übergeben zu können.“

Quellen:
Pressemitteilung Main-Kinzig-Kliniken
Pressemitteilung Barbarossakinder
SIM Characters