Lebens- und Karriereplanung: Genießen Sie das Arztsein!

Wie bringt man die Karriereplanung und seine anderen Lebenspläne unter einen Hut, damit man das Arztsein ein Berufsleben lang genießen kann? Darüber sprach Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, in seinem Impulsvortrag auf dem diesjährigen Operation Karriere-Kongress in Berlin.

"Behandle drum den Doktor gut, damit er euch desgleichen tut" – mit diesem Zitat des Münchner Dichters Eugen Roth leitete Jonitz seinen kurzweiligen Vortrag ein. Selbstfürsorge stehe inzwischen auch in der ärztlichen Berufsordnung, erklärte der Berliner Kammerpräsident. | Stefanie Hanke

 "Sie – die jungen Ärzte – sind mir besonders wichtig. Sie bringen Leben in die Krankenhäuser". So begrüßte Dr. Günther Jonitz, Berliner Kammerpräsident und Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer, das Publikum im Lehrgebäude des Virchow-Klinikums an der Berliner Charité.

Zunächst skizzierte Jonitz die Zuständigkeiten der Kammern als Interessenvertreter der Ärzte. Unter anderem könne die Kammer die Weiterbildungskataloge anpassen, wenn sich neue medizinische Methoden und Techniken etablieren, erklärte Jonitz. Er selbst habe in seiner Facharzt-Weiterbildung noch völlig andere Methoden gelernt, die heute schon lange nicht mehr üblich seien.

Das Thema Selbstfürsorge zog sich wie ein roter Faden durch Jonitz' Vortrag. Der christliche Grundsatz "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" bestehe aus zwei Teilen, mahnte er: Jeder sei auch dafür zuständig, dass es ihm selbst und seiner Familie gut gehe. Wer das Gefühl habe, er werde in der Klinik nur ausgebeutet und bekomme keinen Input für die persönliche Weiterbildung, müsse die Stelle wechseln, riet der Berliner Kammerpräsident.

„Sie leben in schwierigen Zeiten"

Jonitz beklagte, dass die Patientenversorgung heutzutage vor allem der Ökonomie unterworfen sei – es sei ein Skandal, dass die Patienten nicht mehr im Zentrum des ärztlichen Wirkens stehen. In den vergangenen Jahrzehnten habe es eine höchst erfreuliche Leistungsexplosion in der Medizin und Pflege gegeben – Operationen, die beispielsweise in den 60er Jahren nicht durchgeführt worden seien, seien heute Routine. Gleichzeitig wurden immer mehr Kliniken gegründet – doch trotz vieler Gesundheitsreformen konnten die Kosten im Gesundheitssystem nicht gesenkt werden. Derzeit leide das Gesundheitssystem unter einer "weichen Rationierung": Es gebe zu wenig Ärzte und in einigen Fällen auch nicht genug Medikamente.

Unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen rief Jonitz die jungen Mediziner dazu auf, sich aktiv einzubringen: Es brauche Menschen, die die Missstände aussprechen und der Politik widersprechen – und es brauche Ärzte in den Kliniken, die den Mund aufmachen, wenn es irgendwo akut klemmt.

„If you are not at the table, you are on the menue“

Gleichzeitig empfahl Jonitz den Nachwuchsärzten, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dazu sei es wichtig, genau zu wissen, wie man Leben möche, wie der eigene Lebensentwurf aussehe und welches Arbeitsumfeld dazu passe. Wichtig sei, dass Lebensentwurf und Arbeitsrealität kongruent seien. Um das zu erreichen, müsse man sich gut informieren und möglichst verschiedene Bereiche kennenlernen. Daher riet Jonitz seinem Publikum auch, mehrere Famulaturen zu machen. Besonders aufschlussreich sei ein Blick in die Anästhesie und die Pathologie.

Gut sei eine gewisse Offenheit auch abseits des Mainstreams: Auch der Öffentliche Gesundheitsdienst, die Arbeits- und Betriebsmedizin, die Bundeswehr oder die Pathologie können – abhängig von den persönlichen Vorlieben – ein attraktives Arbeitsumfeld bieten.

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Um sich zu orientieren, helfe es auch, sich eine Klinik anzuschauen und die Atmosphäre vor Ort kennenzulernen. Gute Informationsquellen seien auch die Qualitätsberichte der Krankenhäuser oder die Homepages der verschiedenen Abteilungen: "Wenn unter 'Team' nur der Chefarzt auftaucht – vergessen Sie es. Das spricht nicht gerade für ein gutes Miteinander", riet Jonitz.

Neben einer guten Planung plädierte Jonitz dafür, auch dem Zufall eine Chance zu geben: "Je genauer Sie planen, umso unerbittlicher trifft Sie der Irrtum. Je flexibler Sie sind, umso mehr trifft Sie der Zufall." Wer auf sich selbst vertraue, könne sich auch leichter auf die Chancen einlassen, die sich manchmal eben jenseits aller Planung zufällig ergeben.

„Ihre Arztpersönlichkeit macht den Unterschied – nicht Ihr Fachwissen"

Bei der Frage, was einen guten Arzt ausmache, sei die Persönlichkeit ein entscheidender Faktor: "Die Patienten müssen spüren, dass Sie es ernst meinen", riet Jonitz. Dafür sei es wichtig, auch das eigene Arzt-Sein zu reflektieren: Spätestens nach zwei Jahren Facharztweiterbildung sollte man eine Zwischenbilanz ziehen: Macht mir der Beruf Spaß? Gefällt es mir in dieser Klinik? Komme ich weiter? Stimmt diese Stelle mit meiner Lebensplanung überein? Sollte man hier ein negatives Fazit ziehen, sei es Zeit zu wechseln, empfahl der Berliner Kammerpräsident.

Am Ende präsentierte Jonitz noch kurz ein paar Lebensläufe von Arzt-Kollegen, die im Laufe ihres Berufsleben auch mal einen Wechsel in eine andere Fachrichtung gewagt haben – und damit erfolgreich waren.

Seine Tipps für den Nachwuchs:

  • Genießen Sie das Arztsein
  • Bewahren Sie Ihre Träume
  • Vertrauen Sie sich und schaffen Sie Vertrauen bei den Patienten
  • Bleiben Sie Herr / Herrin Ihres eigenen Lebens
  • Bleiben Sie neugierig
  • Schaffen Sie sich eigene Netzwerke
    und schließlich: Stay human!

Die vollständige Präsentation von Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, gibt es hier zum Download.

Operation Karriere Berlin, 03.11.2018. „Lebensplanung und Karriereplanung – worauf Sie achten sollten", Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin und Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer, Berlin.