Krankenhauskultur: Chefärzte müssen umdenken

Auf Klinikfluren trifft heute die Generation Babyboomer auf die Generation Y. Beim Stichwort Arbeitseinstellung prallen dabei oft Welten aufeinander. Dies verlangt eine neue Art der Führungskultur.

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Haben Sie denn auch ein nettes Team?“ „Können Sie mir einen Kitaplatz besorgen?“ „Wie werden Überstunden ausgeglichen?“ „Kann ich immer donnerstags zum Yoga gehen?“ Inzwischen häufen sich solche Fragen in einem Bewerbungsgespräch um eine Arztstelle an einem Krankenhaus. Noch vor einigen Jahren fiel die Antwort klar und deutlich aus: wohl kaum. Wer hätte in der Babyboomer-Generation, die heute in den Krankenhäusern in den Spitzenpositionen angekommen ist, als junger Arzt so etwas gewagt zu fragen?

Heute reiben sich eben jene Ärzte in verantwortlicher Position verwundert die Augen, wenn sie solche Fragen – und die damit verbundenen Forderungen – in Gesprächen mit der Medizinergeneration von morgen zu hören bekommen. Der ein oder andere der älteren Ärztegarde ist vielleicht sprachlos ob dieses Wunschkonzertes, das da selbstbewusst vorgetragen wird. Doch Fakt ist: Junge Ärztinnen und Ärzte ticken heute anders als die Chefs, die ihnen gegenübersitzen.

Dieses „unterschiedlich ticken“, es birgt Konflikte, weiß Prof. Dr. med. Wolfgang Kölfen, Chefarzt an der Klinik für Kinder und Jugendliche der Städtischen Kliniken Mönchengladbach, der kürzlich auf der Tagung des Verbandes Leitender Kinder- und Jugendärzte und Kinderchirurgen Deutschlands (VLKKD) einen Vortrag zum Thema hielt. Mit seinen Ausführungen zum Clash der Generationen in den Krankenhäusern sprach er wohl vielen der anwesenden 120 Chefarztkollegen aus der Seele – und regte mit seiner Analyse zum Nachdenken an.

Rückblick in das Jahr 2000

Was waren das noch für Zeiten für Chefärzte an deutschen Kliniken. War eine Stelle ausgeschrieben, flatterten zahlreiche Bewerbungen herein. Die Mappen stapelten sich auf den Schreibtischen in den ärztlichen Arbeitszimmern. Und im Jahr 2019? „Da kann ich froh sein, wenn mir noch eine Bewerbung auf den Tisch kommt“, sagt Prof. Dr. med. Wolfgang Kölfen und veranschaulicht in einer Bilderserie, was wohl vielen Chefs dieser Tage widerfährt: Von Jahr zu Jahr werden die Stapel mit den Bewerbungsmappen kleiner.

Jeder weiß es: Qualifizierte medizinische Fachkräfte sind rar geworden im Land. Und die Folge ist: Um Ärzte von der eigenen Klinik zu überzeugen, müssen sich die Häuser und ihre Chefs einiges einfallen lassen – und sich einiges anhören.


Denn, so erfahren Führungskräfte branchenübergreifend: Die Vorstellungen zum beruflichen Alltag sind heute anders definiert, als einst. Es zählt in der Medizin nicht mehr allein der große Wunsch, als Arzt tätig sein zu wollen und gut zu verdienen. Andere Dinge sind in den Vordergrund gerückt. Geregelte Arbeitszeiten. Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Möglichkeit der Kinderbetreuung während der Arbeitszeit. Das Ausüben einer abwechslungsreichen Tätigkeit. Lebensglück.

Für Kliniken, die im Wettbewerb bestehen wollen, heißt das: Sie müssen ein gutes Arbeitsklima bieten. Soziale Einbindung möglich machen. Freizeit sichern. Und Familienzeit gewährleisten. Schlicht: Sie müssen ein überzeugendes Komplettpaket abliefern. „All das muss man heute bringen, um gute Leute zu bekommen“, macht Kölfen unmissverständlich deutlich. Und diese Signale müssten die Häuser möglichst auch schon in ihrer Außendarstellung – etwa via Social-Media-Kanäle – versenden. Doch der Referent warnt gleichzeitig: falsche Versprechungen?! Besser nicht.

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