Ich kam, sah und bloggte – Aus dem völlig verrückten Leben eines (Not)arztes.

Während ich mit der Pflegerin sprach, waren meine Kollegen mit den ersten Messungen bereits fertig geworden. Das monotone Piepsen im Hintergrund war ein untrügliches Zeichen dafür, dass es um Herrn Schuster nicht zum Besten stand.

»Doc, komm mal her. Die Sättigung ist trotz Sauerstoff nicht über siebzig zu kriegen«, informierte mich Mira, eine der beiden Retter, die heute auf dem RTW unterwegs waren. »Das geht nicht mehr lange gut.«

Ich überlegte kurz und fragte die Pflegerin dann: »Wissen Sie, ob es eine Patientenverfügung gibt?«

Die antwortete umgehend: »Ja, ja. Die Tochter von Herrn Schuster kommt jeden Tag her. Sie will auf keinen Fall, dass ihr Vater noch mal ins Krankenhaus kommt. Ich habe sie bereits informiert und sie ist auf dem Weg.«

»Warum haben Sie uns denn dann gerufen?«, wollte ich wissen, denn ich war ein wenig irritiert. Wenn Herr Schuster, was bei seiner Grunderkrankung nur zu verständlich war, verfügt hatte, dass man ihn nicht mehr in einem Krankenhaus behandeln sollte, dann war der Rettungsdienst wohl der falsche Ansprechpartner, denn jede Therapie, die ich in die Wege leiten konnte, würde ja zwangsläufig in der Klinik fortgesetzt werden müssen.

Die Altenpflegerin erklärte mir, dass sie gesetzlich verpflichtet sei, in einem solchen Fall den Notarzt zu verständigen.

»Was sollen wir tun?«, wollte Mira wissen, denn der Zustand unseres Patienten verlangte ein baldiges und sehr entschlossenes Handeln. Lange würde er, was auch immer ihm zusetzte, nämlich nicht mehr überleben.

»Wir machen bis auf den Sauerstoff erst mal gar nichts«, entschied ich.

Glücklicherweise dauerte es keine zehn Minuten, bis die Tochter von Herrn Schuster in der Einrichtung eintraf. Ich erklärte ihr, was vorgefallen war, und wollte das weitere Vorgehen mit ihr besprechen.

»Wir haben im Prinzip zwei Möglichkeiten«, begann ich meine Erläuterungen. »Entweder wir tun für Ihren Vater alles, was medizinisch möglich ist. Das würde bedeuten, ihm hier vor Ort einen Beatmungsschlauch in den Hals einzuführen und ihn ins künstliche Koma zu versetzen. Dann würden wir ihn auf die Intensivstation bringen, damit man dort feststellen kann, was die Atemnot verursacht hat.«

»Was glauben Sie denn?«, wollte die Tochter wissen.

Ich erklärte ihr, dass ich von einer Lungenembolie ausging. Durch das andauernde Sitzen im Rollstuhl konnte das Blut des Patienten nicht mehr vernünftig zum Herzen fließen, was eine gewisse Verklumpung zur Folge hatte. Einer dieser Blutklumpen war wahrscheinlich in die Lunge gelangt und verhinderte nun, dass diese ihrer normalen Aufgabe, nämlich der Aufnahme von Sauerstoff, nachkommen konnte.

»Die andere Möglichkeit«, fuhr ich fort, »besteht darin, Ihren Vater ins Krankenhaus zu fahren, ohne ihn maximal zu therapieren. Sollten Sie intensivmedizinische Maßnahmen ablehnen, so kann er auch auf eine normale Station gebracht werden.«

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