Überblick: Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie – jung und vielseitig

Die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie gibt es erst seit dem Jahr 2005. Jetzt wurde das Curriculum noch einmal überarbeitet. Hier sind alle Inhalte gelistet, die man in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ableisten muss.

Orthopädie

Niedergelassene Orthopäden bzw. Orthopädinnen erwirtschaften monatlich rund 17.000 Euro im Durchschnitt. | pixdeluxe/iStockphoto

Auf einen Blick: Facharzt-Weiterbildung Orthopädie und Unfallchirurgie

Definition: Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie beschäftigen sich mit dem menschlichen Stütz- und Bewebungsapparat, der sich aus Knochen, Sehnen und Muskeln zusammensetzt. Ihr Behandlungsspektrum reicht von der konservativen Orthopädie über die der Endoprothetik und der Versorgung von Frakturen bis hin zum Polytrauma.

Dauer: Die Facharzt-Weiterbildung in der Orthopädie und Unfallchirurgie dauert 72 Monate. Davon müssen jeweils 6 Monate in der Notfallaufnahme und in der Intensivmedizin abgeleistet werden. Bis zu 12 Monate können in anderen Gebieten erfolgen.

Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 12.059 Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie. Davon sind 11.407 berufstätig. 3.642 arbeiten ambulant, 7.371 stationär in einer Klinik, 73 in Behörden, Körperschaften und ähnlichen Einrichtungen.

Anders als Allgemeinmediziner oder Radiologen müssen Orthopäden notfallkompetent sein. Das heißt, der Zustand einer schwerverletzten Person muss schnell eingeschätzt werden, um andere Spezialisten entsprechend einzubinden. Die Orthopädie und Unfallchirurgie ist also ein manuelles Fach, es kommt weniger auf grobe Kraft an, dafür um so mehr auf eine schnelle Auffassungsgabe, Stressresistenz und Geschicklichkeit.

Als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie kann man sich spezialisieren, zum Beispiel auf die Wirbelsäulenchirurgie, die Handchirurgie oder die Notfallchirurgie. Unter Umständen ist es sinnvoll, eine Zusatz-Weiterbildung in dem entsprechenden Bereich zu absolvieren. So gibt es gemäß der Musterweiterbildungsordnung verschiedene Zusatz-Weiterbildungen, z.B. für Handchirurgie, Orthopädische Rheumatologie oder Sportmedizin. Grundsätzlich behandeln Orthopäden das gesamte Spektrum der muskuloskeletalen Chirurgie, wer sich auf eine ältere Patientengruppe spezialisiert, wird in Zukunft allerdings besonders viel zu tun haben. "Die größte Herausforderung im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie ist die immer älter werdende Bevölkerung. Wir sehen immer häufiger osteoporotische Frakturen. Die älteren Patienten haben meist relevante Vorerkrankungen, die bei der Versorgung berücksichtigt werden müssen", so Prof. Dr. Gerhard Schmidmaier, Leiter der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Uniklinik Heidelberg.

Manche Ärzte entscheiden sich nach der Facharztweiterbildung für die Niederlassung. Dies ist in diesem Fachbereich gut möglich, allerdings muss man zuvor abklären, ob in der Lieblingsregion die Gründung einer neuen Praxis möglich ist. Als Faustregel gilt: Wenn der Versorgungsgrad in einem Gebiet unter 110 Prozent liegt, dann gibt es eine Kassenzulassung und man kann eine Praxis neu gründen. Liegt der Versorgungsgrad über 110 Prozent ist nur die Übernahme einer bereits bestehenden Praxis möglich. Wer sich einen Überblick verschaffen will, welche Praxen gerade angeboten werden, findet auf KVbörse viele Anzeigen. Über den genauen Versorgungsgrad der einzelnen Regionen informiert die zuständige Kassenärztliche Vereinigung.

Ob man sich für die Selbstständigkeit und die damit verbundene Niederlassung oder eine Anstellung in der Klinik entscheidet, hängt mit einer Reihe von persönlichen Präferenzen zusammen. Fakt ist, dass man mit der Praxis mehr Geld verdienen kann, wenn man über ein gewisses unternehmerisches Geschickt verfügt. Im Durchschnitt verdient ein niedergelassener Orthopädie 17.000 Euro/Brutto pro Monat, während ein angestellter Orthopäde in der Funktion eines Oberarztes im Klinikum nur auf rund 7.500 Euro/Brutto monatlich kommt. Bei dem monatlichen Einkommen des Praxisinhabers handelt es sich um den Reinertrag, also das Ergebnis des Geschäftsjahres der Praxis. Hier sind Ausgaben für Personal, Material, Miete und weitere tägliche Aufwendungen zwar schon abgezogen, Aufwendungen für eine Praxisübernahme und für die Anschaffung medizinischer Geräte sind allerdings nicht eingerechnet. Trotz dieser Ausgaben dürfte das Einkommen bei den meisten niedergelassenen Orthopäden höher ausfallen als bei ihren angestellten Kollegen.

Und wie läuft die Weiterbildung in der Orthopädie und Unfallchirurgie nun ab? Zu Beginn startet man mit einem "Common Trunk" - also einer struktiereten 2-jährigen Grundausbildung: 6 Monate verbringt man in der Notfallaufnahme, 6 Monate in der Intensivmedizin in der Chirurgie, weitere 12 Monate der Weiterbildung können in einem anderen Gebiet erfolgen. Danach lernt man weitere vier Jahre ausschließlich in der Orthopädie und Unfallchirurgie.

Die Weiterbildung Orthopädie/Unfallchirurgie im Überblick

Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Unfallchirurgie/Orthopädie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • müssen 48 Monate in Orthopädie und Unfallchirurgie abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte Chirurgie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Lokalanästhesie und Schmerztherapie

  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge (Richtzahl: 20)
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Übergreifende Inhalte Orthopädie und Unfallchirurgie

  • Biomechanik der Bewegungsorgane
  • Technische und biomechanische Grundlagen operativer und konservativer Verfahren
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (Richtzahl: 10)
  • Einleitung und Durchführung von berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren

Diagnostische Verfahren

  • Richtungsweisende Sonographie der Säuglingshüfte
  • Durchführung und Befunderstellung von Ultraschalluntersuchungen (Richtzahl: 300) davon:
  1. Notfallsonographien (eFAST) - Richtzahl: 50
  2. am Bewegungsapparat einschließlich Arthrosonographien - Richtzahl: 50
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von konventioneller Röntgendiagnostik, davon
  1. Notfalldiagnostik: Röntgendiagnostik ohne CT im Rahmen der Erstversorgung bei Erwachsenen und Kindern
  2. am Skelett
  3. intraoperative radiologische Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der Osteodensitometrie (Richtzahl: 50)
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation neurophysiologischer Diagnostik

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