Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie – jung und vielseitig

Die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist in ihrer inhaltlichen Ausrichtung noch relativ jung. Dabei wurden das Fachgebiet der Orthopädie und die Unfallchirurgie als Teilgebiet/Schwerpunkt der Chirurgie 2005 zu einem neuen Fachgebiet zusammengelegt.

Orthopädie

Niedergelassene Orthopäden bzw. Orthopädinnen erwirtschaften monatlich rund 15.000 Euro im Durchschnitt. | pixdeluxe/iStockphoto

In der Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie startet man seine Weiterbildungszeit mit einer 24 Monate langen Basisweiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte. Davon verbringt man 6 Monate in der Notfallaufnahme, 6 Monate in der Intensivmedizin in der Chirurgie oder in einem anderen Gebiet, die auch während der spezialisierten Facharztweiterbildung abgeleistet werden können. Danach folgen 12 Monate Chirurgie, wovon 6 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden können. 

An diesen zweijährigen „Common Trunk“ schließen sich 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an. Davon können bis zu 12 Monate in einer der anderen Facharztweiterbildungen des Gebietes Chirurgie und/ oder in Neurochirurgie angerechnet werden, sowie 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet/ angerechnet werden. Werden im Gebiet Chirurgie zwei Facharztkompetenzen erworben, beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens 9 Jahre.

Wer sich für die Weiterbildung in der Orthopädie/Unfallchirurgie interessiert, sollte notfallkompetent sein. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man schnell eine erste Einschätzung des Zustandes einer schwerverletzten Person abgeben kann um dann zu entscheiden, welche anderen Spezialisten zur Behandlung notwendig sind. Prof. Dr. med. Gerhard Schmidmaier, Leiter der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Uniklinik Heidelberg, betont, dass man außerdem Freude daran haben sollte mit den Händen zu arbeiten. "Grobe Kraft ist aber nicht erforderlich, sondern manuelles Geschick", so Schmidmaier

Nach der Facharztausbildung kann man in verschiedensten Spezialgebieten arbeiten, etwa in der Handchirurgie oder Wirbelsäulenchirurgie, der Notfallchirurgie oder der Sportmedizin. Auch in Forschung und Lehre gibt es gute und spannende Möglichkeiten. Durch den demographischen Wandel und die damit verbundene wachsenden Zahl an degenerativen Erkrankungen, wird es auch in Zukunft einen großen Bedarf an Fachärzten und Fachärztinnen der Orthopädie und Unfallchirurgie geben.

Die Weiterbildung Orthopädie/Unfallchirurgie im Überblick

Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Unfallchirurgie/Orthopädie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie
  • 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie (davon sind bis zu 12 Monate in einer der anderen Facharztweiterbildungen des Gebietes Chirurgie und/oder in der Neurochirurgie möglich. Außerdem können bis zu 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.)

Werden im Gebiet Chirurgie zwei Facharztkompetenzen erworben, so beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens neun Jahre.

Inhalte der Weiterbildung

Die Weiterbildung Unfallchirurgie/Orthopädie sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • der Vorbeugung, Erkennung, operativen und konservativen Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Verletzungen und deren Folgezuständen sowie von angeborenen und erworbenen Formveränderungen, Fehlbildungen, Funktionsstörungen und Erkrankungen der Stütz- und Bewegungsorgane unter Berücksichtigung der Unterschiede in den verschiedenen Altersstufen
  • der Behandlung von Schwer- und Mehrfachverletzten einschließlich des Traumamanagements
  • den zur Versorgung im Notfall erforderlichen neurotraumatologischen, gefäßchirurgischen, thoraxchirurgischen und visceralchirurgischen Maßnahmen in interdisziplinärer Zusammenarbeit
  • der Erhebung einer intraoperativen radiologischen Befundkontrolle unter Berücksichtigung des Strahlenschutzes
  • der konservativen und funktionellen Behandlung von angeborenen und erworbenen Deformitäten und Reifungsstörungen
  • den Grundlagen der konservativen und operativen Behandlung rheumatischer Gelenkerkrankungen
  • den Grundlagen der operativen Behandlung von Tumoren der Stütz- und Bewegungsorgane
  • der Erkennung und Behandlung von Weichteilverletzungen, Wunden und Verbrennungen einschließlich Mitwirkung bei rekonstruktiven Verfahren
  • der Erkennung und Behandlung von Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Hand
  • der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Sportverletzungen und Sportschäden sowie deren Folgen
  • der Mitwirkung bei operativen Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade
  • der Prävention und Behandlung von Knochenerkrankungen und der Osteoporose
  • der Biomechanik
  • chirotherapeutischen und physikalischen Maßnahmen einschließlich funktioneller und entwicklungsphysiologischer Übungsbehandlungen sowie der medizinischen Aufbautrainings- und Gerätetherapie
  • der technischen Orthopädie und Schulung des Gebrauchs orthopädischer Hilfsmittel einschließlich ihrer Überprüfung bei Anproben und nach Fertigstellung
  • den Grundlagen der Durchgangsarzt- und Verletzungsartenverfahren der gewerblichen Berufsgenossenschaften

vor.

Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren 

  • sonographische Untersuchungen der Bewegungsorgane einschließlich Arthrosonographien, auch bei Säuglingen
  • operative Eingriffe einschließlich Notfalleingriffe an Körperhöhlen, Wirbelsäule, Schulter/Oberarm/Ellbogen, Unterarm/Hand, Becken, Hüftgelenk, Oberschenkel, Kniegelenk, Unterschenkel, Sprunggelenk, Fuß
  • Eingriffe an Nerven und Gefäßen
  • Eingriffe bei Infektionen an Weichteilen, Knochen und Gelenken
  • Implantatentfernungen
  • Behandlung von thermischen und chemischen Schädigungen
  • konservative Behandlungen von angeborenen und erworbenen Deformitäten, Luxationen, Frakturen und Distorsionen
  • Injektions- und Punktionstechniken an Wirbelsäule und Gelenken
  • Osteodensitometrie
  • Anordnung, Überwachung und Dokumentation von Verordnungen orthopädischer Hilfsmittel

Quellen: Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC), www.chirurg-werden.de und Musterweiterbildungsordnung 2013 der Bundesärztekammer.

Finden Sie hier Informationen, Interviews, News und Videobeiträge rund um das Facharztgebiet Chirurgie und ihre unterschiedlichen Fachrichtungen.