Überblick: Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie – jung und vielseitig

Die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie gibt es erst seit dem Jahr 2005. Jetzt wurde das Curriculum noch einmal überarbeitet. Hier sind alle Inhalte gelistet, die man in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ableisten muss.

Orthopädie

Niedergelassene Orthopäden bzw. Orthopädinnen erwirtschaften monatlich rund 17.000 Euro im Durchschnitt. | pixdeluxe/iStockphoto

Wer sich für die Weiterbildung in der Orthopädie/Unfallchirurgie interessiert, sollte notfallkompetent sein. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man schnell eine erste Einschätzung des Zustandes einer schwerverletzten Person abgeben kann, um dann zu entscheiden, welche anderen Spezialisten zur Behandlung notwendig sind. Prof. Dr. Gerhard Schmidmaier, Leiter der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Uniklinik Heidelberg, betont, dass man außerdem Freude daran haben sollte, mit den Händen zu arbeiten. "Grobe Kraft ist aber nicht erforderlich, sondern manuelles Geschick", so Schmidmaier

Nach der Facharztausbildung kann man in verschiedenen Spezialgebieten arbeiten, etwa in der Handchirurgie oder Wirbelsäulenchirurgie, der Notfallchirurgie oder der Sportmedizin. Auch in Forschung und Lehre gibt es gute und spannende Möglichkeiten. Durch den demographischen Wandel und die damit verbundene wachsenden Zahl an degenerativen Erkrankungen wird es auch in Zukunft einen großen Bedarf an Fachärzten und Fachärztinnen der Orthopädie und Unfallchirurgie geben.

In Kliniken werden Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Regel nach Tarif bezahlt, deshalb verdienen sie soviel wie die Kollegen anderer Fachrichtungen. In privaten Kliniken ist das Gehalt unter Umständen verhandelbar. Hier ist dargestellt, wie sehr sich das Einstiegsgehalt als Assistenzarzt von Haus zu Haus unterscheidet. Orthopäden, die sich für eine Niederlassung entschieden haben, sind nicht an einen Tarifvertrag gebunden. Sie verdienen mit einer Einzelpraxis im Durchschnitt 17.000 Euro pro Monat. Hier sind Ausgaben für Personal, Material, Miete und weitere tägliche Aufwendungen schon abgezogen. 

In der Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie startet man seine Weiterbildungszeit mit einer 24 Monate langen Basisweiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte. Davon verbringt man 6 Monate in der Notfallaufnahme, 6 Monate in der Intensivmedizin in der Chirurgie, weitere 12 Monate der Weiterbildung können in einem anderen Gebiet erfolgen. An diesen zweijährigen „Common Trunk“ schließen sich 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an. 

Die Weiterbildung Orthopädie/Unfallchirurgie im Überblick

Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Unfallchirurgie/Orthopädie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • müssen 48 Monate in Orthopädie und Unfallchirurgie abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte Chirurgie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Lokalanästhesie und Schmerztherapie

  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge (Richtzahl: 20)
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Übergreifende Inhalte Orthopädie und Unfallchirurgie

  • Biomechanik der Bewegungsorgane
  • Technische und biomechanische Grundlagen operativer und konservativer Verfahren
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (Richtzahl: 10)
  • Einleitung und Durchführung von berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren

Diagnostische Verfahren

  • Richtungsweisende Sonographie der Säuglingshüfte
  • Durchführung und Befunderstellung von Ultraschalluntersuchungen (Richtzahl: 300) davon:
  1. Notfallsonographien (eFAST) - Richtzahl: 50
  2. am Bewegungsapparat einschließlich Arthrosonographien - Richtzahl: 50
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von konventioneller Röntgendiagnostik, davon
  1. Notfalldiagnostik: Röntgendiagnostik ohne CT im Rahmen der Erstversorgung bei Erwachsenen und Kindern
  2. am Skelett
  3. intraoperative radiologische Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der Osteodensitometrie (Richtzahl: 50)
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation neurophysiologischer Diagnostik

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