„Die Berufsaussichten für künftige Orthopäden sind sehr gut“

Sie bieten eine Reihe an Kursen an, wie „Anatomischer Präparationskurs“, „Operationskurs Traumatologie“, „Workshop Kinderfuß“. Was zeichnet Ihre Kurse aus?
Die D.A.F. bietet insgesamt 7 Kurse, plus einen Abschlusskurs an, die den Erwerb des D.A.F.-Zertifikates „Fußchirurgie“ ermöglichen. Die Kurse behandeln verschiedene Themenbereiche des Fußes. Die kleine Gruppengröße von knapp 40 Teilnehmern ermöglicht einen intensiven direkten Austausch mit den Instruktoren im Kurs. Diese referieren über Indikationen zu verschiedenen Operationen und deren differenzierte Therapie. Anschließend demonstrieren die Referenten den Eingriff am Leichenfuß für alle gut sichtbar live und mit Video-Unterstützung und nennen Tipps und Tricks.
Die Teilnehmer führen dann diese OP-Technik jeweils zu zweit an einem Leichenfuß selbst durch und werden dabei durch die Instruktoren betreut. Das Üben am Leichenfuß kommt der realen Situation am nächsten, denn so können auch weichteilige Besonderheiten besser demonstriert werden, als würde man nur am Kunstknochen üben. Es besteht außerdem jederzeit die Möglichkeit während des zweitägigen Kurses eigene Fälle, zum Beispiel Röntgenbilder, mitzubringen und mit den Kollegen zu besprechen.
Die Teilnehmer haben einen unterschiedlichen Ausbildungsstand, also vom Assistenzarzt über den Oberarzt bis zum Chefarzt, und sind in Kliniken tätig oder auch selbständige Kollegen. Diese Heterogenität der Gruppe hat den positiven Effekt, dass das unterschiedliche Arbeitsumfeld manchmal unterschiedliche Vorgehensweisen erfordert.
So entstehen Fragen wie: welche Alternativen gibt es bei der Materialwahl, welche Erfahrungen gibt es bei welcher Nachbehandlung und wie handhabt es der jeweilige Referent, der in den allermeisten Fällen ein aktiver, in der Fußchirurgie tätiger und erfahrener Kollege ist. Ganz nebenbei kommt es zum kollegialen Austausch der Teilnehmer untereinander, insbesondere dann, wenn diese am Ende des ersten Kurs-Tages am Gesellschafts-Event, wie zum Beispiel einem Abendessen in entspannter Atmosphäre, teilnehmen.

Neuerdings ist es möglich, sich als „Fußzentrum“ zertifizieren zu lassen, ähnlich wie bei den Prothesen für Hüfte und Knie. Was wird dazu benötigt?
Für die Erlangung der Zertifizierung zum „Fußzentrum“ ist solch ein D.A.F.-Zertifikat „Fußchirurgie“ Grundvoraussetzung. Wer also langfristig plant mit dem Schwerpunkt Fuß zu arbeiten, profitiert auch deshalb von dieser Fortbildungsreihe. 

Die D.A.F. organisiert jedes Jahr ein Reisestipendium. Was erwartet die Stipendiaten dieses Jahr während des dreiwöchigen USA-Reisestipendiums?
Die jährlichen Reisestipendien finden in geraden Jahren in Europa und in ungeraden Jahren in den USA statt. Dieses Jahr wird es also wieder ein USA-Reisestipendium geben, das im Herbst für die Dauer von drei Wochen stattfinden wird und drei Stationen beinhaltet. 2017 werden folgende hochrangige Fußchirurgen Gastgeber für die Stipendiaten sein: Jonathan Deland in New York, Lew Schon in Baltimore und Christopher DiGiovanni in Boston.
Die Gastgeber sind ausgewiesene Spezialisten mit internationalem Ansehen und so gewählt, dass ihre Wirkungsstätten geographisch nah bei einander liegen, um nicht zu viel Zeit durch das Reisen zu verlieren. Die Reisestipendien werden innerhalb der D.A.F.-Mitglieder vergeben und sind mit 5000 Euro (USA) pro Person dotiert. Es werden ein bis vier Stipendiaten pro Jahr ausgewählt. Hierzu erforderlich sind Bewerbungen mit Lebenslauf, Publikationsliste und Bescheinigung vom Abteilungsleiter über die Freistellung für den Zeitraum des Reisestipendiums.
Die Stipendiaten nehmen an den Sprechstunden des jeweiligen Gastgebers teil und können je nach Umfeld jederzeit Fragen stellen bzw. grundsätzliche Herangehensweisen mit dem Gastgeber – teilweise unter Anwesenheit des Patienten – erörtern und fachmännisch diskutieren.

Sie kennen die John Hopkins Universität in Baltimore gut. Was ist dort so besonders?
Hier findet sehr viel Ausbildung und Forschung statt, mit einer enormen Ausstattung an Personal und Material. Jeder Artikel und jede neuste Studie zu irgendeinem Krankheitsbild ist direkt abrufbar und wird bei Bedarf von entsprechendem Personal zusammengefasst und noch während der Patient vor einem sitzt an Dr. Schon übermittelt. Die Fußchirurgische Abteilung verfügt zudem über ein riesiges Forschungslabor. Es besteht sogar die Möglichkeit, an Körperspendern verschiedene operative Eingriffe zu üben und neue Techniken zu erlernen. Neben der Anwesenheit  bei den Sprechstunden besuchen die Stipendiaten auch den OP. Hier beobachten sie sowohl den Eingriff an sich als auch das Umfeld. Auch hier besteht die Möglichkeit, den Gastgeber und sein Team zu fragen und zu „Fachsimpeln“. Die Gastgeber sind persönlich immer sehr engagiert und betreuen die Stipendiaten auch außerhalb der „Lehre“, indem sie zum Beispiel zum Essen einladen oder andere kleine Aktivitäten planen, manchmal sogar im privaten Umfeld.

Und wirkt sich der Auslandsaufenthalt auch positiv aus, wenn die „Rückkehrer“ wieder in Deutschland arbeiten?
Die Stipendiaten erhalten während ihrer Reise außerdem einen Einblick in die Strukturen eines anderen Gesundheitssystems und sehen verschiedene Ablauforganisationen, die ihnen wertvolle neue Ideen und Denkanstöße für ihre eigene tägliche Arbeit geben können und so auch das eigene Handeln reflektieren lassen. Mein Besuch in den Staaten im Rahmen eines solchen Reisestipendiums hat zum Beispiel dazu geführt, dass wir schon 2007 das “Time out-Procedere“ in unsere Klinik eingeführt haben, lange bevor es in Deutschland flächendeckend eingeführt wurde.

Frau Abbara-Czardybon, vielen Dank für das Interview.

Operation Karriere Frankfurt, 11.02.2017. Dr. med. Mona Abbara-Czardybon, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie Gelenkzentrum Bergisch Land, Remscheid; Leitende Ärztin Zentrum Fuß und Sprunggelenkchirurgie St. Josef Krankenhaus Haan, Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e.V., Nachwuchsförderung, Remscheid.