Weiterbildung Urologie: Nicht nur für Männer

Anja Meyering ist Weiterbildungsassistentin für Urologie im zweiten Jahr am Unfallkrankenhaus in Berlin. Als überschaubares und vielseitiges Fach ist die Urologie längst keine Männerdomaine mehr.

Urologie

„Urologie ist ein kleines und überschaubares Fach, in dem man schnell einen ganz guten Überblick hat“, erklärt Anja Meyering. | Ocskay-Mark/Fotolia

Dienst in der Rettungsstelle heißt es heute für Anja Meyering. Jeden Tag nach der Visite teilen die jungen Assistenzärzte auf der Urologiestation des Unfallkrankenhauses Berlin (ukb) die Dienste in der Rettungsstelle, der Station oder im OP unter sich auf. Meyering zuckt mit den Schultern: Im Gegensatz zu vielen Nachwuchsmedizinern, die sich um Operationen reißen, zählt für sie vor allem die Abwechslung. „Für mich wäre es nichts, ausschließlich im OP zu stehen oder auf der Station zu sein. In allen Bereichen hat man andere Aufgaben, und das ist gerade das Spannende“, sagt die zierliche Ärztin und eilt in die Notaufnahme.

Die erst vor wenigen Monaten neu eröffnete Rettungsstelle des ukb ist mal wieder gut gefüllt. Meyering lässt den Blick kurz über die Patienten schweifen und steuert dann zielsicher einen älteren Mann an. „Oft erkennt man seine Urologie-Patienten schon auf den ersten Blick“, sagt sie und schmunzelt. Der 80-jährige Patient hat seinen transurethralen Dauerkatheter verschoben und damit die Harnröhre verletzt, die nun blutet. „Das Blut verklumpt und verstopft den Katheter“, erklärt die Ärztin und legt dem Mann einen dickeren Katheter, um diese Gefahr zu reduzieren. Bevor der Patient nach Hause entlassen wird, soll er noch kurz zur Beobachtung in der Notaufnahme bleiben.

Herausforderung: Schichtdienst mit Kind

Seit knapp zwei Jahren absolviert Meyering ihre Weiterbildung am ukb, wenn auch mit einer Unterbrechung. Denn nach nur einem Jahr Ausbildung wurde sie schwanger. „Wie es in einem operativen Fach häufig ist, bin ich leider ziemlich schnell ins Beschäftigungsverbot gekommen und musste dann insgesamt 1,5 Jahre pausieren“, berichtet sie. Seit Juni 2013 ist die Assistenzärztin wieder dabei und muss Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Von 7 bis 16 Uhr dauern ihre Schichten unter der Woche. Monatlich kommen noch fünf bis sechs Nacht- und Wochenenddienste hinzu. „Es ist sehr hilfreich, dass mein Ehemann kein Mediziner ist und nicht in einem Schichtsystem arbeitet. Auch meine Eltern unterstützen uns viel“, erzählt sie. Dass ihr Sohn in der ukb-eigenen Kita einen Platz bekommen hat, erleichtere auch einiges. Einfach ist es dennoch nicht, den Krankenhausalltag mit der Mutterrolle zu vereinbaren. „Da ich meinen Sohn um Viertel nach sechs hier in der Kita abgebe, versuche ich, keine Überstunden zu machen, um ihn möglichst schnell wieder abzuholen“, erklärt die junge Mutter. „Da wir in der Urologie sehr gut organisiert sind, klappt es auch meistens.“

Eigentlich wollte Meyering Internistin werden. Das änderte sich jedoch im praktischen Jahr, als sie ein Tertial im Wahlfach Urologie absolviert hat. „Während dieser Zeit wurde mein Interesse für das Fach geweckt“, erinnert sie sich. „Dass ich mich damals überhaupt für ein Tertial in der Urologie entschieden habe, ist auch ein bisschen der Tatsache geschuldet, dass mein Vater niedergelassener Urologe ist.“ Die Entscheidung für dasselbe Fach habe sie bis heute nicht bereut. „Urologie ist ein kleines und überschaubares Fach, in dem man schnell einen ganz guten Überblick hat“, erklärt die junge Ärztin. Man habe einerseits die Möglichkeiten eines operativen Faches, lerne aber durch die Nierenerkrankungen auch internistische Herangehensweisen.

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