Was wollen Chefärzte? Und wie passt das zu Deinen Erwartungen an die Weiterbildung?

Wie stellst Du Dir den optimalen Arbeitgeber für die Facharzt-Weiterbildung vor? Und was wünscht sich Dein künftiger Chef? Im Dialog mit dem Publikum haben die Chefärzte Dr. Georg Hillebrand und PD Dr. Marko Fiege beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg die gegenseitigen Erwartungen herausgearbeitet. Wir haben mit beiden gesprochen.

Dr. Georg Hillebrand (links) ist Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Itzehoe. PD Dr. Marko Fiege ist Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie am selben Klinikum. | Hanke

Ein weiß-rotes Absperrband teilt das Publikum in zwei Hälften: Die Medizinstudenten und jungen Ärzte, die beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg im Hörsaal sitzen, dürfen bei diesem Vortrag nicht nur zuhören. Stattdessen können sie selbst aktiv werden und sich in verschiedene Situationen einfühlen. Die Zuhörer auf der einen Seite spielen die "Chefärzte": Sie wollen für ihre Klinik möglichst geeignete Nachwuchskräfte rekrutieren. Auf der anderen Seite sitzen die "Weiterbildungsassistenten", die eine attraktive Stelle suchen, bei der sie viel für ihre Facharztweiterbildung lernen, aber bei der auch die Work-Life-Balance nicht zu kurz kommt.

Hillebrand und Fiege steuern die Diskussion mit Fragen: Welche Form sollte eine Bewerbung haben? Ist die Bewerbungsmappe noch zeitgemäß, oder reicht es, im Bewerbungsportal seine Unterlagen hochzuladen? "Eine E-Mail mit den Dokumenten als pdf-Datei im Anhang ist inzwischen üblich und meistens gleichwertig wie die gedruckte Bewerbungsmappe", erklärt Hillebrand, "allerdings sollten Sie keine Serienbriefe schreiben, sondern in der Bewerbung zeigen, dass Sie sich mit der Stelle auseinandergesetzt haben". "Wir stellen niemanden ein, der nicht zumindest bei uns hospitiert hat", ergänzt Fiege, "dann rede ich mit meinen Kollegen, ob der Kandidat ins Team passt. Besser ist es natürlich, wenn jemand schon im PJ bei uns war – dann wissen beide Seiten, was sie erwartet".

Was ist wichtig: Promotion? Auslandserfahrung? Ehrenamt?

Eine Promotion sei nicht entscheidend – allerdings sei sie auch kein Nachteil, verrät Fiege weiter. Im besten Fall habe jemand in seiner Doktorarbeit schon bestimmte Fähigkeiten unter Beweis gestellt, die für die Weiterbildung wichtig seien.

Auslandserfahrung sei grundsätzlich gut; allerdings komme es darauf an, was genau jemand gemacht habe, erklärt Hillebrand: Wer zwei PJ-Tertiale auf Tahiti verbracht habe, müsse sich die Frage gefallen lassen, ob dabei nicht vielleicht die Freizeitgestaltung im Mittelpunkt gestanden habe. Etwas anderes sei ein Aufenthalt in einer Klinik für Tropendermatologie in Sri Lanka – das ist bei der Bewerbung von Vorteil. Gut sei es auf jeden Fall, wenn man soziales Engagement nachweisen könne – zum Beispiel in einer studentischen Initiative.

Und was ist mit Lücken im Lebenslauf? "Das finde ich als Chefarzt oft extrem spannend, weil ich verstehen will, was jemand in der Zeit gemacht hat", verrät Fiege, "Das macht Menschen spannend, wenn sie im Leben auch mal über den medizinischen Tellerrand geguckt und etwas ganz anderes gemacht haben". Und auch Kinder sind grundsätzlich kein Problem – vor allem, weil die junge Ärztegeneration die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer mehr einfordere, erklärt Hillebrand. Wichtig sei es nur, keine völlig steifen Vorstellungen von der Arbeitszeit zu haben: "Wir versuchen, Eltern da entgegenzukommen. Aber ein großer Teil der Facharzt-Weiterbildung ist nunmal in Schichtdiensten organisiert. Da können sich einzelne nicht nur die Rosinen rauspicken – sonst wird es dem Rest des Teams gegenüber schnell ungerecht".

Für beide Chefärzte ist aber die Begeisterung für das Fach und die Arbeit als Arzt das allerwichtigste Kriterium, wenn es darum geht, einen neuen Kollegen einzustellen: "Das ist dieses Leuchten in den Augen", beschreibt Hillebrand, "Der Kandidat soll für das Fach brennen. Und wenn man das merkt, ist das schon eine gute Ausgangslage".