Urologie – Facharzt für Männergesundheit

Die Urologie ist für die Männer das, was die Gynäkologie für die Frauen ist. Oder? Welche Krankheitsbilder von Urologen behandelt werden und dass auch durchaus Frauen zu den Patienten zählen, erklärte PD Dr. Marcus Horstmann auf dem Operation Karriere-Kongress in Bochum.

Urologen sind nicht nur Männer-Fachärzte, erklärte PD Dr. Marcus Horstmann. Etwa ein Drittel der Patienten sei weiblich. | Hanke

Urologen sind für alles zuständig, was mit dem Harntrakt zu tun hat. Und natürlich haben auch Frauen beispielsweise eine Blase oder einen Harnleiter. Dass Urologen trotzdem als eine Art "Männerärzte" gesehen werden, liegt daran, dass sie auch Erkrankungen an Penis, Hoden und Prostata behandeln. Trotzdem seien ein Drittel der Patienten weiblich, erklärte Horstmann.

Insgesamt sind Urologen für ein breites Spektrum an Erkrankungen zuständig. Dazu gehören beispielsweise Harnwegsinfektionen, Abszesse, aber auch Krebserkrankungen an Blase, Niere oder Prostata. Häufig auftretende Krankheitsbilder seien aber zum Beispiel auch Harnsteinleiden, Blasenentleerungsstörungen und Inkontinenz.

Von der Wiege bis zur Bahre: Patienten in allen Altersgruppen

Im Bereich der Kinderurologie habe man es meistens mit Erkrankungen wie Enuresis, Phimose, Hodenhochstand zu tun. Aber auch der demographische Wandel und die alternde Bevölkerung seien ein Thema für die Urologie: So sei im Bereich der Onko-Urologie derzeit ein steter Patientenzuwachs zu beobachten.

Dabei fallen sowohl die Diagnostik als auch die operative und konservative Therapie in den Bereich der Urologie: Hier müsse wiederum in die medikamentöse Behandlung von Infektionen und Tumoren, die funktionelle Therapie und die psychologische/psychosomatische Therapie unterschieden werden.

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Im operativen Bereich gebe es einerseite offene Schnittoperationen (sowohl ablativ als auch rekonstruktiv), aber auch endourologische und minimalinvasive Operationen – beispielsweise bei der Entfernung von Harnsteinen. Bei Operationen wie der Vasovasostomie – also dem Zusammenfügen der Samenleiter, wenn nach einer früheren Sterilisation doch noch ein Kinderwunsch auftritt – operieren Urologen sogar mikrochirurgisch unter einem Mikroskop.

Führend in der roboterassistierten Chirurgie

Als medizinische Fachrichtung sei die Urologie führend im Bereich der roboterassistierten Chirurgie, erklärte Horstmann. Vor allem bei der Prostataentfernung habe sich das durchgesetzt. Aber auch andere moderne Technologien kommen in der Urologie zum Einsatz: Neben der Mikrochirurgie unter dem Mikroskop werde beispielswesie auch mit Hilfe von Lasern operiert.

Insgesamt sei die Urologie ein interdisziplinäres Fach: Es gebe enge Kooperationen mit Fächern wie Anästhesie, Radiologie, Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie, Onkologie, Strahlentherapie, Geriatrie. Als Urologe müsse man bereit sein, im Austausch und im Team mit anderen zu arbeiten und sich auch als Manager verstehen, erklärte Horstmann. Dabei könne man sich auf unterschiedliche Art weiterentwickeln – in der Klinik, aber auch in der eigenen Praxis. Künftig werde es in Kliniken eher ein Department-System geben, in dem Ärzte sich auf kleine Bereiche spezialisieren. "Hier kann man dann schnell einen Fachbereich leiten", sagte Horstmann. Auch in einer Gemeinschaftspraxis könne man mit Ärzten mit verschiedenen Spezialisierungen eng zusammenarbeiten.

Was muss man mitbringen, um Urologe zu werden?

In Deutschland arbeite etwa die Hälfte der Urologen nicht-operativ, verriet Horstmann. Trotzdem seien operative Skills grundsätzlich gut, wenn einen das Fachgebiet interessiere. Außerdem müsse man in der Lage sein, sich selbst Ziele zu setzen und sich auch als Manager verstehen. Darüber hinaus sei auch Kommunikationsfähigkeit wichtig, um sich im Stationsalltag mit Kollegen und im Netzwerk der verschiedenen Fächer aPpatienten die richtigen Entscheidungen treffen", mahnte Horstmann. Wenn man das im Kopf behalte, könne man ein guter Urologe werden.

Allen, die sich für die Weiterbildung zum Facharzt für Urologie interessieren, empfahl er, sich früh zu vernetzen: "Die Urologengemeinde ist relativ klein. Nutzen Sie das Netzwerk und die Mentoring-Angebote!" Auf der Webseite der German Society of Residents in Urology (GeSRU) e. V. (www.gesru.de) könne man andere Urologen kennenlernen und sich beraten lassen – auch für die eigene Karriereplanung. "Nutzen Sie das als Kompass – wenn Sie ohne Orientierung durch die Weiterbildung wandern, können Sie leichter enttäuscht werden", lautete Horstmanns Fazit.

Quelle: Operation Karriere Bochum, 18.05.2019, "Urologie - Facharzt für Männergesundheit", PD Dr. med. Marcus Horstmann, Chefarzt Urologie und Kinderurologie, Leiter des Malteser Robotik Zentrum, Krefeld-Uerdingen