Überblick: Weiterbildung Pathologie

Pathologen haben nur mit Toten zu tun? Nein: Bis zu 95 Prozent ihrer Arbeitszeit widmen Fachärztinnen und Fachärzte in diesem Bereich lebenden Patienten – allerdings ohne Patientenkontakt. Wie lange die Facharzt-Weiterbildung dauert und wie sie abläuft, erfährst du im Beitrag.

Junge Laborantin blickt in ein Mikroskop

Wavebreakmedia/iStockphoto

Auf einen Blick: Weiterbildung (Facharztausbildung) Pathologie

  • Definition: Die Pathologie ist die Lehre von abnormen und krankhaften Zuständen und Vorgängen im Körper. Fachärztinnen und Fachärzte sind meistens in der pathologischen Diagnostik tätig. Dort untersuchen sie menschliches Gewebe mit Methoden wie Makro- und Mikroskopie, Biochemie und Molekularbiologie auf Anzeichen von Erkrankungen.
  • Dauer: Die Facharzt-Weiterbildung in der Pathologie dauert 72 Monate. Davon können bis zu 24 Monate in der Neuropathologie abgeleistet werden. Bis zu 12 Monate können in einem anderen Gebiet erfolgen.
  • Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 2.517 Fachärzte für Pathologie. Davon sind 1.819 berufstätig. 882 arbeiten ambulant, 808 stationär in einer Klinik.

Was ein Pathologe macht, weiß doch jeder Kriminfan, oder? Ganz so stimmt das nicht: Die Fachärzte, die meist in Filmen und TV-Serien zu sehen sind, sind eher im Bereich der Rechtsmedizin angesiedelt – einem anderen Fachgebiet. Der geläufige Irrtum hat etwas mit US-amerikanischen Fernsehserien zu tun und lässt sich auf einen Übersetzungsfehler zurückführen: Im amerikanischen Englisch wird der Rechtsmediziner als forensic pathologist bezeichnet.

Hauptaufgabe in der Pathologie: Gewebeuntersuchungen

Eine der Hauptaufgaben in der Pathologie ist die Untersuchung von Gewebe, das dem Patienten bei einer Biopsie entnommen wird. Die Pathologinnen und Pathologen untersuchen dann, ob beispielsweise ein Tumor vorliegt oder nicht. Dabei werden kleine Gewebeproben direkt zu Schnittpräparaten verarbeitet, die dann unter dem Mikoskop betrachtet werden können. Eine Sonderform ist der Schnellschnitt, der während einer Operation durchgeführt wird. Hier bekommt der Pathologe eine Gewebeprobe eines Patienten, der gerade in der Narkose liegt. Auf der Grundlage des pathologischen Befundes kann das Chirurgenteam dann über den weiteren Verlauf der Operation entscheiden.

Ähnlich wie ihre Kollegen aus der Rechtsmedizin führen auch Pathologinnen und Pathologen Obduktionen durch. Man spricht in diesem Fall von klinischen Obduktionen. Dabei sind Pathologen für die Untersuchung von Toten zuständig, die eines natürlichen Todes gestorben sind und deren Angehörige einverstanden sind. Liegt ein Verdacht auf einen unnatürlichen Todesfall vor, ist die Rechtsmedizin zuständig. In der klinischen Obduktion geht es um die Klärung der Todesursache und weiterer Erkrankungen. Das Ergebnis gibt dem behandelnden Arzt Rückmeldung darüber, ob seine Diagnose und Therapie korrekt war – damit liefert die Pathologie Informationen, die auch für die Qualitätssicherung der klininschen Medizin enorm wichtig sind.

Was macht eigentlich ein Pathologe? In Bezug auf diese Fachrichtung halten sich einige Vorurteile hartnäckig: Eines lautet, dass Pathologen nur mit Toten zu tun haben – ein anderes, dass Pathologen so etwas wie Labormediziner sind. Beides stimmt so nicht.

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Die genaue Klärung der Todesumstände kann aber auch für die Angehörigen entlastend sein – auch bei einer natürlichen Todesursache, beispielsweise, wenn sich der Zustand des Verstorbenen kurz vor dem Tod rapide verschlechtert hat. Außerdem gibt das Obduktionsergebnis Hinweise auf mögliche familiäre Vorbelastungen bei bestimmten Erkrankungen.

Pathologie: Arbeitsalltag im Labor

Insgesamt haben Pathologen und Pathologinnen in ihrem Arbeitsalltag deutlich häufiger mit Lebenden als mit Verstorbenen zu tun: Während es an einem pathologischen Institut im Jahr nicht mehr als 100 bis 200 Obduktionen gibt, stehen in der Regel zehntausende Biopsien auf dem Programm. Allerdings spielt sich der Arbeitsalltag hauptsächlich im Labor ab. Direkten Patientenkontakt gibt es in diesem Fachgebiet so gut wie gar nicht.

Doch auch in diesem Fachgebiet ist interdisziplinare Zusammenarbeit wichtig: So sind Pathologen beispielsweise regelmäßig an Tumorkonferenzen beteiligt, bei denen sie mit Onkologen, Radiologen und Fachärzten aus anderen Bereichen über verschiedene Tumorpatienten sprechen und gemeinsam eine individuelle Therapie festlegen.

Pathologe werden: Die Weiterbildung (Facharztausbildung) Pathologie im Überblick

Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Pathologie beträgt 72 Monate unter Befugnis an Weiterbildungsstätten. Davon können bis zu

  • 24 Monate im Gebiet Neuropathologie erfolgen
  • 12 Monate können in einem anderen Gebiet abgeleistet werden.

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Pathologie

  • Prinzipien interdisziplinärer Therapiekonzepte und Therapieplanung, insbesondere bei Tumorerkrankungen
  • Interpretation von klinischen Befunden im Zusammenhang mit gebietsbezogenen Fragestellungen
  • Digitale Pathologie
  • Beurteilung unter Berücksichtigung der Morphologie erwünschter und unerwünschter Arzneimittelwirkungen
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung
  • Spezielle Anatomie der verschiedenen Körperregionen

Obduktionstätigkeit

  • Spezielle Präparations- und Nachweismethoden der makroskopischen und mikroskopischen Diagnostik
  • Obduktionen (vollständige Leichenöffnung) einschließlich weiterführender Untersuchungen, epikritischer Auswertung und Dokumentation (Richtzahl: 150)
  • Vorstellung von Obduktionsbefunden in Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen
  • Herrichtung von obduzierten Leichen und Konservierung von Leichen

Makroskopie

  • Makroskopische Beurteilung, Auswahl und Entnahme morphologischen Materials für die histologische und zytologische Untersuchung einschließlich der Methoden der technischen Bearbeitung und Färbung unter Berücksichtigung der Immunhistologie und Molekularpathologie

Aufbereitung und Befundung von Präparaten

  • Grundlagen der technischen Aufbereitung von Präparaten
  • Einflussgrößen und Störfaktoren auf Untersuchungsergebnisse einschließlich deren Steuerung

Mikroskopie

  • Beurteilung und Befunderstellung histologischer und zytologischer Präparate
  • Beurteilung und Befunderstellung von histopathologischen Untersuchungen verschiedener Entitäten (Richtzahl: 15.000), davon

    • Schnellschnittuntersuchungen (Richtzahl: 500)

  • Allgemeine und spezielle fachgebietsbezogene Methoden der morphologischen Diagnostik einschließlich der Immunhistologie/Immunzytologie, Molekularpathologie, der Morphometrie und der Zytogenetik sowie der Biochemie und Immunologie
  • Durchführung und Befunderstellung molekularpathologischer Untersuchungen sowie deren Interpretation

Zytopathologie und Zytometrie

  • Durchführung und Befunderstellung von zytopathologischen Untersuchungen verschiedener Entitäten (Richtzahl: 1.000)

Gynäkologische Exfoliativzytologie

  • Zervixkarzinome und deren Vorstufen
  • Beurteilung, Befunderstellung einschließlich Klassifizierung von Zellausstrichen (Richtzahl: 5.000), davon

    • Zervixkarzinome und Vorstufen (Richtzahl: 200)

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

  • Mitwirkung an klinischen Demonstrationen sowie klinisch-pathologischen Konferenzen
  • Mitwirkung an interdisziplinären Tumorkonferenzen (Richtzahl: 30)

Asservierung und Dokumentation

  • Asservierung von Untersuchungsgut für ergänzende Untersuchungen
  • Grundlagen von Biobanken
  • Fotografische Dokumentation

Quellen: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2018, Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2020, Deutsche Gesellschaft für Pathologie

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.

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