Überblick: Weiterbildung Öffentliches Gesundheitswesen

Fachärzte und Fachärztinnen für Öffentliches Gesundheitswesen arbeiten nur selten in einer Praxis oder Klinik, sondern sind häufig z.B. in Gesundheitsämtern, im Zivil- und Katastrophenschutz und in Beratungsstellen tätig.

Das Arbeitsprofil von Fachärzten für Öffentliches Gesundheitswesen ist vielseitig. | Eva Katalin Kondor/iStock

Auf einen Blick: Weiterbildung (Facharztausbildung) Öffentliches Gesundheitswesen:

  • Definition: Fachärzte und Fachärztinnen für Öffentliches Gesundheitswesen sind für die Gesundheit der gesamten Bevölkerung zuständig. Dabei übernehmen sie die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Prävention und gesundheitlichen Versorgung sowie der öffentlichen Hygiene, der Gesundheitsaufsicht sowie der Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten.
  • Dauer: Die Weiterbildungszeit im Öffentlichen Gesundheitswesen beträgt insgesamt 60 Monate. Davon müssen 24 Monate in Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens (12 Monate in einem Gesundheitsamt) abgeleistet werden. 24 Monate müssen in anderen Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung abgeleistet werden. 6 Monate im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie sind ebenfalls verpflichtend.
  • Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 1.616 Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen. Davon sind 793 berufstätig. 38 davon arbeiten ambulant, 34 stationär in einer Klinik. 591 arbeiten in Behörden und Körperschaften, beispielsweise in Gesundheitsämtern. 130 arbeiten in sonstigen Bereichen.

Im Öffentlichen Gesundheitswesen geht es – anders als in Klinik oder Praxis – nicht so sehr um das Wohl des einzelnen Patienten, sondern vielmehr um die Gesundheit der gesamten Bevölkerung. Daher ist die Arbeit auf diesem Gebiet viel stärker auf Prävention ausgerichtet als in anderen Fachrichtungen: Im Fokus des Öffentlichen Gesundheitswesens steht dabei beispielsweise die Beratung von Institutionen und öffentlichen Trägern in Bezug auf Gesundheitsschutz, Gesundheitsförderung und gesundheitliche Versorgung. Auch die Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten ist Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. So gehört es z.B. während der COVID-19-Pandemie zu den Aufgaben der Gesundheitsämter, Infektionsketten nachzuvollziehen und Quarantäneregelungen umzusetzen.

Schutz vor Infektionskrankheiten, Prävention und Aufklärung

Doch auch jenseits von Corona gehört der Schutz vor Infektionskrankheiten zu den zentralen Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. So müssen Fälle von meldepflichtigen Krankheiten wie Masern, Tollwut oder Typhus in den Gesundheitsämtern erfasst werden. Ziel ist es auch hier, Infektionsketten schnell zu erfassen und eine weitere Ausbreitung der Krankheiten zu verhindern. Und auch die Beratung und Prävention rund um sexuell übertragbare Erkrankungen fällt in den Aufgabenbereich des Öffentlichen Gesundheitsdienstes: Dazu gehören unter anderem die anonymisierten HIV-Tests, aber auch Aufklärungskampagnen an Schulen oder in Bordellen.

Özden Doğan absolviert in Fulda ein Trainee-Programm zum Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen. Die Entscheidung hat er noch keinen Tag bereut.

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Eine weitere Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ist der Kinder- und Jugendschutz. So treten Mitarbeiter der Gesundheitsämter z.B. bei den Kita- und Einschulungsuntersuchungen in Erscheinung und organisieren Unterstützung für Familien, wenn sie vermuten, dass die Kinder vernachlässigt werden. Gesundheitsämter sind auch dafür zuständig, beispielsweise die Hygiene und Unbedenklichkeit von Trinkwasser und Wasser in Schwimmbädern zu überwachen. Außerdem kontrollieren sie die Hygiene in Restaurants oder Krankenhäusern. Und auch der Amtsärztliche Dienst gehört zu den Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Dort untersuchten die Ärztinnen und Ärzte beispielsweise, ob eine Person erwerbsfähig/dienstfähig ist, ob sie aus gesundheitlichen Gründen berechtigt ist, bestimmte Sozialleistungen zu beantragen, oder ob sie in der Lage ist, eine Prüfung abzulegen.

Beste Aussichten auf eine Stelle und gute Work-Life-Balance

Die Arbeit im Öffentlichen Gesundheitswesen ist im Vergleich zum Klinikalltag vieler Ärzte meistens gut planbar: Außer in besonderen Notsituationen sind Nacht-, Wochenend- und Feiertagsschichten nicht zu erwarten – das macht das Fachgebiet besonders für alle interessant, die Wert auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben legen. Wer sich auf diesen Bereich spezialisiert, hat außerdem quasi eine Jobgarantie: Schon seit Jahren gehört der Öffentliche Gesundheitsdienst jedes Jahr zu den Facharztrichtungen, bei denen die wenigsten potentiellen Bewerber auf jede ausgeschriebene Stelle kommen.

Die Weiterbildung (Facharztausbildung) Öffentliches Gesundheitswesen im Überblick:

Dauer der Weiterbildung:

Die Facharzt-Weiterbildung dauert insgesamt 60 Monate. Davon müssen

  • 24 Monate in einer Einrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens abgeleistet werden, davon müssen

    • 12 Monate in einem Gesundheitsamt abgeleistet werden

  • 24 Monate in anderen Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung abgeleistet werden
  • 6 Monate in Psychiatrie und Psychotherapie abgeleistet werden, davon können

    • zum Kompetenzerwerb bis zu 3 Monate Weiterbildung im sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes erfolgen

  • 6 Monate (720 Stunden) Kurs-Weiterbildung für Öffentliches Gesundheitswesen abgeleistet werden, davon können

    • zum Kompetenzerwerb bis zu drei Monate (360 Stunden) Weiterbildung im Rahmen eines Postgraduierten-Kurses in Public Health erfolgen

Inhalte der Weiterbildung:

Übergreifende Inhalte

  • Verfahren, Normen und Standards der öffentlichen und kommunalen Gesundheitssicherung und der Gesundheitsverwaltung
  • Umsetzung, Sicherstellung und Implementation der bevölkerungsbezogenen rechtlichen und fachlichen Normen der Gesundheitssicherung und des Gesundheitsschutzes
  • Zusammenarbeit und Kommunikation mit politischen Vertretern und zivilgesellschaftlichen Institutionen
  • Beratung und Unterstützung von politischen Vertretern und zivilgesellschaftlichen Institutionen zu gesundheitspolitischen Fragestellungen (Gesundheitsplanung, -sicherung, -schutz, besondere Gefährdungslagen) sowie bei der Risikokommunikation
     

Gesundheitsberichterstattung

  • Epidemiologie, Statistik, Gesundheitsindikatoren und Gesundheitsberichterstattung
  • Bewertung der gesundheitlichen Versorgung und des Gesundheitszustandes von Bevölkerungsgruppen, u. a. Analyse und gesundheitliche Bewertung gemeindebezogener Planungen

Prävention und Gesundheitsförderung

  • Konzepte und Methoden zur Planung, Umsetzung und Bewertung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen und Präventionsprogrammen
  • Priorisierung, Initiierung, Koordination und Evaluation von Strategien und Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung von Bevölkerungsgruppen, z. B. Impfen

Infektionsschutz

  • Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten
  • Beratung, Vorbeugung, Surveillance, Risikobewertung und Durchführung von Maßnahmen zur Reduktion übertragbarer Erkrankungen bei Einzelnen und von Bevölkerungsgruppen

Umweltbedingte Gesundheitsbelastungen

  • Umweltbedingte gesundheitliche Belastungen und Schädigungen
  • Risikoanalyse, -bewertung, -kommunikation und -management umweltbedingter gesundheitlicher Belastungen

Begutachtungen im Amtsärztlichen Dienst

  • Erstellung amtsärztlicher und anderer Gutachten nach unterschiedlichen Rechtsgrundlagen
  • Beratung von Individuen und Institutionen im Rahmen der Begutachtung

Amtsärztliche Aufgaben

  • Gesundheitshilfen und Maßnahmen für Bevölkerungsgruppen mit besonderem Förderbedarf oder Menschen, deren ausreichende gesundheitliche Versorgung nicht gewährleistet ist
  • Indikationsstellung, Initiierung und subsidiäre Sicherstellung von Gesundheitshilfen und Fördermaßnahmen im sozialen Umfeld/Setting

Kinder- und jugendärztliche Aufgaben

  • Gesundheitshilfen und Fördermaßnahmen für Kinder und Jugendliche sowie deren Umfeld
  • Prävention und Gesundheitssicherung in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagestagesstätten und Schulen
  • Erkennung und Vermeidung von Gesundheitsschäden und -beeinträchtigungen im Sinne des Kinderschutzes
  • Indikationsstellung, Initiierung und subsidiäre Sicherstellung von Gesundheitshilfen und Fördermaßnahmen im sozialen Umfeld/Setting bei Kindern und Jugendlichen

Sozialpsychiatrische Aufgaben

  • Gesundheitshilfen und Maßnahmen für Menschen mit psychischen Erkrankungen einschließlich Suchterkrankungen sowie deren Umfeld
  • Indikationsstellung, Initiierung und subsidiäre Sicherstellung von Gesundheitshilfen und Fördermaßnahmen im sozialen Umfeld/Setting bei Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • Aspekte der Unterbringung, Betreuung und Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Störungen
  • Differentialdiagnostik der häufigsten psychischen Erkrankungen und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung

Pandemieplanung und Katastrophenschutz

  • Krisenmanagement, Notfallplanung und Risikokommunikation
  • Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung bei Großschadensereignissen
  • Aufstellung von Alarmplänen im Infektionsschutz
  • Grundlagen der Mitarbeit in Krisenstäben

Hygiene und Gesundheitsschutz, Krankenhaushygiene

  • Innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in medizinischen Einrichtungen und Gemeinschaftseinrichtungen
  • Hygienemanagement und Aufgaben des Hygienefachpersonals
  • Bestellung, Aufgaben und Zusammensetzung einer Hygienekommission
  • Durchführung der infektionshygienischen Überwachung und Gefährdungsanalyse mit Beratung, Bewertung und Überprüfung der hygienischen Standards in medizinischen Einrichtungen und Gemeinschaftseinrichtungen
  • Verhütung, Erkennung, Erfassung und Bekämpfung von nosokomialen Infektionen und Krankheitserregern mit Resistenzen
  • Hygienische Beratung bei der Bauplanung, Bauausführung und dem Betrieb von hygienerelevanten Gewerken, medizinischen Einrichtungen und Gemeinschaftseinrichtungen
  • Ausbruchs- und Krisenmanagement einschließlich Moderation und Kommunikation
  • Grundlagen des Aufnahme- und Entlassungsmanagements bei multiresistenten Erregern
  • Rationaler Antiinfektivaeinsatz und Anwendung von Strategien zur Prävention von Über- und Fehlverordnung in der ambulanten und stationären Versorgung sowie Mechanismen mikrobieller Resistenzentwicklung

Quellen: (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2018, Ärztestatistik 2019, www.aerzteblatt.de

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.

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