Überblick: Weiterbildung Neurologie

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheiden muss, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Neurologie.

Zentrales Nervensystem

Die Neurologie beschäftigt sich mit Erkrankungen des Zentralen Nervensystems. | Pixabay

Schlaganfall, Parkinson, Migräne oder Multiple Sklerose – dies sind nur einige der häufigsten Neurologischen Erkrankungen. Die Vorgänge im menschlichen Gehirn geben den Wissenschaftlern und Medizinern bis heute noch einige Rätsel auf. Trotzdem sind schon viele Erkenntnisse verfügbar, die die Versorgung Neurologischer Erkrankungen verbessern. Viele neue Therapien retten alleine in Deutschland jährlich zehntausenden Menschen das Leben, bewahren sie vor schweren Behinderungen, verbessern ihre Lebensqualität und verlängern ihr Leben.

Der zunehmend ältere Gesellschaft sichert auch in Zukunft die Arbeitsgebiete der Neurologen – das Vorkommen von Demenzerkrankungen, Schlaganfällen sowie anderen typischen Alterserkrankungen steigt. Auch auf interdisziplinärer Ebene übernehmen Neurologen damit eine immer wichtigere Rolle.

Stark wachsendes Fach

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Anzahl neurologischer Ärzte auf über 6000 verfünffacht. Im Jahr 2014 war die Neurologie sogar das am stärksten wachsende Fach in der Medizin. Da die Anzahl der Patienten jedoch in gleichem Maße steigt, gibt es einen Mangel an jungen Nachwuchskräften. Nach einer Hochrechnung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wären pro Jahr circa 600 neue Zulassung notwendig, um den Versorgungsbedarf adäquat decken zu können. Daher arbeiten die Fachgesellschaft, die Berufsverbände und die Jungen Neurologen daran, mehr Studierende für das Zentrale Nervensystem zu begeistern und mehr junge Mediziner für eine Facharztausbildung in der Neurologie zu gewinnen.

Die Jungen Neurologen bieten zur Förderung des Nachwuchses unter anderem die Vermittlung von Praxisfamulaturen, Summer Schools und ein Mentorenprogramm an.

Fakten zur Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Neurologie beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 24 Monate in der stationären neurologischen Patientenversorgung
  • 12 Monate in Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Psychiatrie und Psychotherapie und/ oder Psychsomatische Medizin und Psychotherapie
  • 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung neurologischer Patienten
  • können bis zu 12 Monate im Gebiet Innere Medizin und/ oder in Allgemeinmedizin, Anatomie, Neurochirurgie, Neuropathologie, Neuroradiologie und/ oder Physiologie angerechnet werden
  • können bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet/angerechnet werden

Der Inhalt der Weiterbildung

Die Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation neurologischer Krankheitsbilder und Defektzustände
  • der neurologisch-psychiatrischen Anamneseerhebung einschließlich biographischer und psychosozialer Zusammenhänge, psychogener Symptome sowie somatopsychischer Reaktionen
  • der Indikationsstellung und Überwachung neurologischer, neurorehabilitativer und physikalischer Behandlungsverfahren
  • der Indikationsstellung und Auswertung neuroradiologischer Verfahren
  • der interdisziplinären diagnostischen und therapeutischen Zusammenarbeit auch mit anderen Berufsgruppen der Gesundheitsversorgung wie der Krankengymnastik, Logopädie, Neuropsychologie und Ergotherapie einschließlich ihrer Indikationsstellung und Überwachung entsprechender Maßnahmen
  • der Indikationsstellung soziotherapeutischer Maßnahmen
  • der gebietsbezogenen Arzneimitteltherapie
  • den Grundlagen der gebietsbezogenen Tumortherapie
  • der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • neurologisch-geriatrischen Syndromen und Krankheitsfolgen einschließlich der Pharmakotherapie im Alter
  • den Grundlagen neurologisch relevanter Schlaf- und Vigilanzstörungen
  • den Grundlagen der Verhaltensneurologie und der Neuropsychologie
  • den Grundlagen hereditärer Krankheitsbilder einschließlich der Indikationsstellung für eine humangenetische Beratung
  • der Hirntoddiagnostik
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse in das jeweilige Krankheitsbild
  • der intensivmedizinischen Basisversorgung
  • der Akutbehandlung von Suchterkrankungen

vor.

Die definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind

  • Elektroenzephalographie
  • Elektromyographie
  • Elektroneurographie einschließlich der kortikalen Magnetstimulation
  • visuelle, somatosensible, akustisch und motorisch evozierte Potentiale
  • Funktionsdiagnostik des autonomen Nervensystems
  • Funktionsanalysen bei peripheren und zentralen Bewegungsstörungen sowie Gleichgewichtsstörungen
  • Funktionsanalysen bei Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen
  • neuro-otologische Untersuchungen, z. B. experimentelle Nystagmusprovokation, spinovestibuläre, vestibulospinale und zentrale Tests
  • verhaltensneurologische und neuropsychologische Testverfahren
  • sonographische Untersuchungen von Nervensystem und Muskeln sowie Doppler-/Duplex-Untersuchungen extra- und intrakranieller hirnversorgender Gefäße
  • neurologische Befunderhebung bei Störungen der höheren Hirnleistungen, z. B. der Selbst- und Defizitwahrnehmungen, der Motivation, des Antriebs, der Kommunikation, der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses, der räumlichen Fähigkeiten, des Denkens, des Handelns, der Kreativität
  • Erstellung von Rehabilitationsplänen, Überwachung und epikritische Bewertung der Anwendung von Rehabilitationsverfahren
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich der Gewinnung von Untersuchungsmaterial aus dem Liquorsystem
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung

Quellen: Berufsverband Deutscher Nervenärzte (www.bvdn.de), Junge Neurologen (www.junge-neurologen.de), Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2013

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.