Überblick: Weiterbildung Rehabilitative Medizin

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheiden muss, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Rehabilitative Medizin.

Rehabilitation

Überblick: Weiterbildung Rehabilitative Medizin | Foto: Avenue Images

Das Gebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin umfasst die sekundäre Prävention, die interdisziplinäre Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation von körperlichen Beeinträchtigungen, Struktur- und Funktionsstörungen mit konservativen, physikalischen, manuellen und naturheilkundlichen Therapiemaßnahmen sowie den Verfahren der rehabilitativen Intervention.

Aktuell haben von den 365.247 berufstätigen Medizinern in Deutschland 1.829 die Gebietsbezeichnung "Physikalische und Rehabilitative Medizin" erworben – das ist vergleichsweise wenig. Die Zahl der Facharztanerkennungen auf diesem Gebiet ist in den vergangenen Jahren zudem leicht zurückgegangen. Im Jahr 2012 waren es 84, in den beiden Jahren darauf jeweils 71.

Ganzheitliche Betrachtung

Es ist das Ziel des Facharztes für Physikalische und Rehabilitative Medizin, dass die Patienten ihre Krankheit annehmen und einen günstigen Umgang damit finden. Anders als häufig bei der Arbeit im Klinikum, fokussiert sich der Reha-Arzt nicht auf einzelne Symptome, sondern betrachtet den Patienten bzw. den Menschen als Gesamtgebilde mit all seinen Wünschen und Problemen. Sehr viel Zeit wird investiert, um eine präzise Diagnose stellen zu können. Wenn alle Ergebnisse vorliegen, wird das optimale Trainingsprogramm festgelegt. Je nach Krankheitsbild zählen zu verordneten Maßnahmen Ausdauertraining auf einem Ergometer, Gymnastik, Aquafitness, Massagen, Ernährungsberatung sowie Kurse zur Stressbewältigung und Raucherentwöhnung.

In einer Reha-Klinik ist der Alltag und die Therapie der Patienten planbarer als in der Akutklinik. Der Reha-Arzt nimmt sich viel Zeit für seine Patienten, von denen es sowohl stationäre als auch ambulante gibt. Er spricht mit seinen Schützlingen über ihre Beschwerden und ihre Fortschritte.

Fakten: Weiterbildung zum Facharzt Rehabilitative Medizin

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 12 Monate in der stationären Patientenversorgung im Gebiet Chirurgie und/oder in Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Neurochirurgie und/oder Urologie
  • 12 Monate in der stationären Patientenversorgung im Gebiet Innere Medizin und/oder in Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Kinder- und Jugendmedizin und/oder Neurologie
  • bis zu 24 Monate können im ambulanten Bereich abgeleistet werden

Der Inhalt der Weiterbildung

Die Weiterbildung Allgemeine Chirurgie sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • der Rehabilitationsabklärung und Rehabilitationssteuerung
  • der Klassifikation von Gesundheitsstörungen nach der aktuellen Definition der WHO
  • der Durchführung von Rehabilitationsmaßnahmen einschließlich der Frührehabilitation mit dem Ziel der Beseitigung bzw. Verminderung von Krankheitsfolgen, der Verbesserung und Kompensation gestörter Funktionen und der Integration in Bereiche der beruflich/schulischen, sozialen und persönlichen Teilhabe
  • den Grundlagen der Diagnostik von Rehabilitation erfordernden Krankheiten, Verletzungen und Störungen und deren Verlaufskontrolle
  • der Indikationsstellung, Verordnung, Steuerung, Kontrolle und Dokumentation von Maßnahmen und Konzepten der physikalischen Medizin einschließlich der Heil- und Hilfsmittel unter kurativer und rehabilitativer Zielsetzung
  • den physikalischen Grundlagen, physiologischen und pathophysiologischen Reaktionsmechanismen einschließlich der Kinesiologie und der Steuerung von Gelenk-, Muskel-, Nerven- und Organfunktionen
  • der Besonderheit von angeborenen Leiden und von Erkrankungen des Alters
  • der physikalischen Therapie wie Krankengymnastik, Ergotherapie, medizinische Trainingstherapie, manuelle Therapie, Massagetherapie, Elektro- und Ultraschalltherapie, Hydrotherapie, Inhalationstherapie, Wärme- und Kälteträgertherapie, der Balneotherapie, Phototherapie
  • der Behandlung im multiprofessionellen Team einschließlich Koordination der interdisziplinären Zusammenarbeit
  • Aufgaben, Strukturen und Leistungen in der Sozialversicherung
  • den Grundlagen und der Anwendung von Verfahren zur Bewertung der Aktivitätsstörung/Partizipationsstörung einschließlich Kontextfaktoren (Assessments)
  • der Erstellung von Behandlungs- und Rehabilitationsplänen einschließlich Steuerung, Überwachung und Dokumentation des Rehabilitationsprozesses im Rahmen der Sekundär-, Tertiärprävention und der Nachsorge
  • der Patienteninformation und Verhaltensschulung sowie in der Angehörigenbetreuung
  • der gebietsbezogenen Arzneimitteltherapie
  • psychogenen Symptomen, somatopsychischen Reaktionen und psychosozialen Zusammenhängen
  • der Bewertung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, der Arbeitsfähigkeit, der Berufs- und Erwerbsfähigkeit, des Grades der Behinderung sowie der Pflegebedürftigkeit auch unter gutachterlichen Aspekten

vor.

Die definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind

  • Erstellung von Behandlungs- und Rehabilitationsplänen einschließlich deren epikritischer Bewertung
  • spezielle Verfahren der rehabilitativen Diagnostik, z. B. sensomotorische Tests, Leistungs-, Verhaltens- und Funktionsdiagnostiktests, neuropsychologische Tests
  • rehabilitative Interventionen, z. B. Rehabilitationspflege, Dysphagietherapie, neuropsychologisches Training, Biofeedbackverfahren, Musik- und Kunsttherapie, rehabilitative Sozialpädagogik, Diätetik, Entspannungsverfahren
  • funktionsbezogene apparative Messverfahren, z. B. Muskelfunktionsanalyse, Stand- und Ganganalyse, Bewegungsanalyse, Algometrie, Thermometrie

Quellen: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2013, MEDIZIN STUDIEREN 2/2015, Foto: francescoridolfi.com

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.