Überblick: Facharzt-Weiterbildung Physiologie

Die Physiologie ist eine der kleinsten Facharztrichtungen: Derzeit gibt es in diesem Bereich weniger als 100 berufstätige Fachärzte und Fachärztinnen. Wie die Weiterbildung abläuft und wie lange sie dauert, erfährst du im Beitrag.

Junge Ärztin bei einem Vortrag

Die Physiologie gehört zu den vorklinischen Fächern im Medizinstudium. Viele Fachärztinnen und Fachärzte in diesem Bereich sind daher in der Lehre tätig. | Monet/stock.adobe.com

Auf einen Blick: Weiterbildung (Facharztausbildung) Physiologie

  • Definition: Die Physiologie umfasst die Lehre der Funktionen des gesunden menschlichen Körpers vom Molekül bis zum Organismus.
  • Dauer: Die Facharzt-Weiterbildung Physiologie dauert 48 Monate. Davon können 12 Monate in anderen Fachgebieten angerechnet werden.
  • Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 179 Fachärzte für Physiologie. Davon sind 94 berufstätig. Nur 5 arbeiten ambulant, 44 stationär in einer Klinik, 15 in Behörden, Körperschaften und ähnlichen Einrichtungen. 30 arbeiten in sonstigen Bereichen, z.B. bei Pharmaunternehmen.

Die Facharzt-Weiterbildung Physiologie gehört mit einer Weiterbildungsdauer von insgesamt nur vier Jahren zu den kürzesten Facharzt-Weiterbildungen, die es in Deutschland gibt. Und auch in einem anderen Punkt fällt die Weiterbildung Physiologie etwas aus dem Rahmen: Die Behandlung von Patienten spielt dabei so gut wie keine Rolle. Wer sich für eine Weiterbildung im Bereich Physiologie entscheidet, gehört damit definitiv zu den Exoten unter den Fachärzten: In den Jahren 2017-2019 haben insgesamt nur sieben Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner einen entsprechenden Facharzttitel erworben.

Physiologie: Eines der vorklinischen Fächer

Die Physiologie gehört – wie unter anderem auch die Anatomie und die Biochemie – zu den vorklinischen Fächern im Medizinstudium und wird auch im Physikum abgefragt. Im Fach Physiologie geht es darum, die Abläufe im menschlichen Körper zu erforschen und zu verstehen – also beispielsweise den Energiestoffwechsel, das Wachstum von Zellen oder die Fortpflanzung. Dabei wird das Zusammenspiel der physikalischen, biochemischen und chemischen Vorgänge im gesamten Organismus betrachtet. Hierbei geht es vor allem darum zu verstehen, wie ein Körper normalerweise funktioniert. Denn: Nur, wer die Abläufe in einem gesunden Organismus versteht, kann später als Arzt oder Ärztin die vielen verschiedenen Krankheitsbilder richtig einschätzen.

Anatomie

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheidet, gibt es viele Möglichkeiten der Spezialisierung. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal unter der Lupe: die Anatomie.

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Damit bildet die Physiologie eine der Grundlagen für den gesamten klinischen Bereich der Medizin. Außerdem macht sie auch eine gezielte Pharmakologie möglich; denn aus den Erkenntnissen der Physiologie können Wirkungen, Eigenschaften und Nachteile von Medikamenten teilweise beschrieben und prognostiziert werden. Wer sich als Facharzt oder Fachärztin auf diesen Bereich spezialisiert, hat allerdings keinen Patientenkontakt, sondern arbeitet in der Regel in der Forschung oder in der Lehre.

Auch ein Teilgebiet der Biologie

In der Medizin geht es natürlich genaugenommen nur um die Physiologie des menschlichen Organismus, also um die Humanphysiologie. Die Physiologie ist aber auch ein Teilgebiet der Biologie – in diesem Rahmen untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler natürlich auch die Vorgänge in tierischen und pflanzlichen Organismen, aber auch in Pilzen und Mikroorganismen wie Einzellern, Bakterien oder Viren.

Übrigens: Der Medizin-Nobelpreis heißt vollständig "Nobelpreis für Physiologie oder Medizin" und wird seit 1901 verliehen. Das bedeutet: Der Preis wird häufig nicht an Mediziner vergeben, sondern an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Bereichen wie Biologie, Genetik oder Biochemie, die mit ihren Forschungen zum Verständnis des gesunden menschlichen Körpers beitragen.

Die Weiterbildung Weiterbildung (Facharztausbildung) Physiologie im Überblick:

Dauer der Weiterbildung:

Die Weiterbildungszeit beträgt 48 Monate Physiologie bei einem Weiterbildungsbefugten in einer Weiterbildungsstätte, davon

  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen.

Inhalte der Weiterbildung:

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Physiologie

  • Grundlagen der Physik, physikalischen Chemie, Biologie, Biochemie, Genetik, Immunologie, Anatomie, Histologie und Zytologie
  • Struktur-Funktionsbeziehungen
  • Grundlagen der elektrophysiologischen, optischen und immunhistochemischen Nachweismethoden sowie molekularbiologischer Techniken
  • Theoretische, zellphysiologische und/oder tierexperimentelle Arbeitstechniken

Vegetative Physiologie

  • Eingehende Kenntnisse zur Vermittlung der Funktionsweise der Organe und Systeme, insbesondere
  1. Herz, Kreislauf, Blut und deren Regulation
  2. Atmung, deren Regulation und Säure-Basen-Haushalt
  3. Stoffwechsel, Energiehaushalt, Wärmehaushalt, Elektrolythaushalt, Wasserhaushalt, Verdauung und deren Regulation
  4. endokrines System, vegetatives Nervensystem, Reproduktion, Niere und deren Regulation
  5. Muskulatur
  6. Anpassungsmechanismen von Herz-Kreislauf-, Atmungs- und Stoffwechselsystem sowie des Bewegungsapparates und der neuronalen Regulation bei physischer Arbeit

Neurophysiologie

  • Eingehende Kenntnisse zur Vermittlung der Funktionsweise von Strukturen und Prozessen, insbesondere
  1. Motorik
  2. Großhirnrinde, Wach-Schlaf-Rhythmus, Lernen/Gedächtnis, Emotion, Motivation, Kognition, Verhalten, Sprache
  3. Auge, Gehör, Gleichgewicht, Somatosensorik, Schmerz, Geschmack, Geruch
  4. Signaltransduktion, Membrantransport, Erregbarkeit, Differenzierung, Proliferation

Untersuchungstechniken

  • Eingehende Kenntnisse zur Vermittlung von physiologischen Untersuchungsmethoden
  • Anleitung zur Durchführung einfacher apparativer Untersuchungstechniken in 5 unterschiedlichen Methoden, z. B. EKG, Blutdruckmessung, Elektromyogramm (EMG), Elektroenzephalogramm (EEG), Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), Spirometrie, Pneumotachographie, Kreatinin-Clearance, Audiometrie
  • Anleitung zur Durchführung komplexer apparativer Untersuchungstechniken in 2 unterschiedlichen Methoden, z. B. Belastungs-EKG, Ergospirometrie, Gefäßdoppler, Bodyplethysmographie, Anomaloskop, otoakustische Emmissionen, kalorischer Nystagmus, evozierte Potentiale
  • Grundlagen der bildgebenden Verfahren

Forschung und Lehre

  • Methoden der Biomathematik und Statistik
  • Konzeptionierung, Durchführung einschließlich Publikation von Forschungsprojekten
  • Vermittlung der physiologischen Grundlagen durch Lehrveranstaltungen, insbesondere in Praktika und Seminaren
  • Didaktische Grundlagen der universitären Lehre

Quellen: Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2020, Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2018, Deutsche Physiologische Gesellschaft (DPG)

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.

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