Überblick: Facharzt-Weiterbildung Innere Medizin und Rheumatologie

Rheumatische Erkrankungen sind weit verbreitet: Laut Aussage der Deutschen Rheuma-Liga leiden hierzulande etwa 20 Millionen Menschen darunter. Trotzdem gibt es nur sehr wenige Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie. Wie die Facharzt-Weiterbildung abläuft und wie lange sie dauert, erfährst du im Beitrag.

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Auf einen Blick: Weiterbildung (Facharztausbildung) Innere Medizin und Rheumatologie:

  • Definition: Die Rheumatologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit Erkrankungen des so genannten Rheumatischen Formenkreises beschäftigt. Dazu zählen mehr als 400 Krankheitsbilder: sowohl degenerative Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis als auch Autoimmun-Erkrankungen.
  • Dauer: Die Weiterbildungszeit in der Inneren Medizin und Rheumatologie beträgt 72 Monate. Davon müssen 36 Monate in der
    Inneren Medizin und Rheumatologie abgeleistet werden (davon 24 Monate in der stationären Patientenversorgung). 24 Monate müssen in anderen Fachgebieten der Inneren Medizin erfolgen. Jeweils 6 Monate müssen in der Notfallaufnahme und in der Intensivmedizin abgeleistet werden.
  • Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 338 Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie. Davon sind 317 berufstätig. 126 davon arbeiten ambulant, 184 stationär in einer Klinik.

Mehr als 100 verschiedene Krankheitsbilder zählen zum Rheumatischen Formenkreis. Unter diesem Begriff werden sehr unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst: Dazu zählen beispielsweise entzündliche Gelenk- und Wirlbelsäulenerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen wie Arthrosen, aber auch Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder Gelenkentzündungen bei Schuppenflechte. All diese Erkrankungen verursachen teils heftige Schmerzen und machen den Körper weniger beweglich – für die Betroffenen ist daher auch die psychische Belastung oft sehr hoch.

Rheumatische Erkrankungen: Ein Volksleiden

Dabei sind rheumatische Erkrankungen ein Volksleiden, das durchaus nicht nur ältere Menschen betrifft: Auch jüngere Menschen und sogar Kinder können darunter leiden. An der Behandlung der Patientinnen und Patienten sind daher auch viele verschiedene medizinische Fachrichtungen mit verschiedenen Schwerpunkten behandelt. Bei Internistinnen und Internisten, die sich auf Rheumatologie spezialisiert haben, liegt das Hauptaugenmerk dabei auf der Beteiligung der inneren Organe am Krankheitsbild. Bei der Behandlung arbeiten sie dabei unter anderem mit Kolleginnen und Kollegen aus der Orthopädie oder der psychosomatischen Medizin zusammen, aber auch mit Allgemeinmedizinern und Kinderärzten.

Das Bündnis für Rheumatologie hat die Nachwuchs-Kampagne rheuma2025.de an den Start gebracht. Das Kernziel ist, bis zum Jahr 2030 rund 800 Ärzte und Ärztinnen rheumatologisch weiterzubilden, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten auch zukünftig sicherzustellen.

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Die Behandlung zielt dabei darauf, den Entzündungsprozess im Körper möglichst aufzuhalten und zu stoppen, um dadurch langfristige Schäden an Gelenken oder Organen zu verhindern. Dabei spielen unter anderem Medikamente eine wichtige Rolle, aber auch Physio- und Ergotherapie. Aber auch Sport und gesunde Ernährung ergänzen das Behandlungskonzept.

Rheumatologie: Zugang aus verschiedenen Fachrichtungen

Übrigens können sich nicht nur Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin auf die Rheumatologie spezialisieren: Es gibt auch Zusatz-Weiterbildungen innerhalb der Orthopädie und Unfallchirurgie (orthopädische Rheumatologie) und der Pädiatrie (Kinder- und Jugend-Rheumatologie). Internistinnen und Internisten legen dabei vor allem einen Schwerpunkt auf die konservative Therapie der rheumatischen Erkrankungen, die orthopädische Rheumatologie ist eher chirurgisch orientiert.

Rheumatologe werden: Die Weiterbildung (Facharztausbildung) Innere Medizin und Rheumatologie im Überblick

Dauer der Weiterbildung

Die Facharzt-Weiterbildung dauert 72 Monate im Gebiet Innere Medizin unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon

  • müssen 36 Monate in Innere Medizin und Rheumatologie abgeleistet werden (24 Monate davon in der stationären Patientenversorgung)
  • müssen 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen des Gebiets abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte im Gebiet Innere Medizin

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Beratung bezüglich gesundheitsfördernder Lebensführung
  • Schulung bei ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen
  • Begutachtung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Begutachtung der Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsminderung
  • Begutachtung der Pflegebedürftigkeit
  • Beratung und Führung Suchtkranker sowie Suchtprävention
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Beratung zu Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten einschließlich Organspende

Fachgebundene genetische Beratung

  • Grundlagen hereditärer und multifaktorieller Krankheitsbilder und Entwicklungsstörungen
  • Interpretation und Aussagekraft genetischer Untersuchungsergebnisse (Sensitivität, Spezifität, prädiktiver Wert)
  • Methodische, psychosoziale und ethische Aspekte der genetischen Beratung und Diagnostik einschließlich pharmakogenetischer Tests
  • Erkennung fachbezogener genetisch bedingter Krankheitsbilder oder Entwicklungsstörungen
  • Fachgebundene genetische Beratung bei diagnostischer und prädiktiver genetischer Untersuchung

Notfall- und intensivmedizinische Maßnahmen im Gebiet Innere Medizin

  • Stufendiagnostik und Therapie bei akut einsetzenden Leitsymptomen, z. B. Dyspnoe, Thoraxschmerz, Bauchschmerz, passagere und persistierende Bewusstseinsstörungen, Fieber, Erbrechen, Durchfall
  • Diagnostik und Therapie akuter und vital bedrohlicher Erkrankungen und Zustände, insbesondere

    • respiratorische Insuffizienz
    • Schock
    • kardiale Insuffizienz
    • akutes Nierenversagen
    • sonstiges Ein- und Mehrorganversagen
    • Koma und Delir
    • Sepsis
    • Intoxikationen

  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Intensivmedizinische Behandlung von Patienten mit Funktionsstörungen von mindestens zwei vitalen Organsystemen
  • Analgosedierung von intensivmedizinischen Patienten
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten einschließlich Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Therapie von Stoffwechselentgleisungen
  • Notfallsonographie
  • Notfallbronchoskopie
  • Passagere Schrittmacheranlage
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken, insbesondere

    • zentralvenöse Zugänge
    • arterielle Gefäßzugänge

  • Endotracheale Intubation

Infektionen im Gebiet Innere Medizin

  • Meldepflichten gemäß Infektionsschutzgesetz
  • Vorsorge und Behandlung häufiger Infektionskrankheiten
  • Management bei therapieresistenten Erregern

Funktionelle Störungen im Gebiet Innere Medizin

  • Basisbehandlung psychosomatischer Krankheitsbilder
  • Krisenintervention unter Berücksichtigung psychosozialer Zusammenhänge

Diagnostische Verfahren im Gebiet Innere Medizin

  • Durchführung von ultraschallgestützten Punktionen bei Pleuraerguss und Aszites
  • B-Modus-Sonographie der Schilddrüse
  • Elektrokardiogramm
  • Langzeit-Elektrokardiogramm
  • Ergometrie
  • Langzeitblutdruckmessung
  • CW-, PW-, Duplex-, Farbduplex-Sonographie der Arterien und Venen
  • B-Modus-Sonographie der peripheren Arterien und Venen
  • B-Modus-Sonographie des Abdomens und Retroperitoneums einschließlich der Nieren und ableitender Harnwege (Richtwert: 400)
  • Spirometrische Untersuchung der Lungenfunktion
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Röntgen-Thorax-Untersuchungen
  • Differentialdiagnosen atopischer Erkrankungen

Therapeutische Verfahren im Gebiet Innere Medizin

  • Durchführung von Entlastungspunktionen und Drainagen bei Pleuraerguss und Aszites
  • Enterale und parenterale Ernährung einschließlich Sondentechnik mit Berechnung des Energie- und Nährstoffbedarfs sowie Erstellen eines Ernährungsplans
  • Infusionstherapie
  • Transfusions- und Blutersatztherapie

Angiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen

Endokrinologische und diabetologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation endokriner Erkrankungen einschließlich assoziierter Stoffwechselstörungen
  • Internistische Basisbehandlung von endokrinen Erkrankungen einschließlich assoziierter Stoffwechselstörungen
  • Behandlung des Diabetes mellitus

Gastroenterologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Krankheiten der Verdauungsorgane sowie der exokrinen Verdauungsdrüsen und ihrer Ableitungswege
  • Internistische Basisbehandlung von Krankheiten der Verdauungsorgane sowie der exokrinen Verdauungsdrüsen und ihrer Ableitungswege

Geriatrische Basisbehandlung

  • Spezielle geriatrische Behandlungsmöglichkeiten mit dem Ziel der Erhaltung und Wiederherstellung größtmöglicher Selbstständigkeit
  • Behandlung von Erkrankungen und Behinderungen des höheren Lebensalters einschließlich interdisziplinärer Aspekte bei Multimorbidität

Hämatologische und onkologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen des Blutes, der blutbildenden und lymphatischen Organe, des Immunsystems, der Hämostase sowie von malignen Neoplasien
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen des Blutes, der blutbildenden und lymphatischen Organe, des Immunsystems, der Hämostase sowie von malignen Neoplasien

Kardiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs

Nephrologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenaler Komplikationen
  • Internistische Basisbehandlung von akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenale Komplikationen

Pneumologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabili-tation der Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Grundlagen allergologischer Erkrankungen

Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Innere Medizin und Rheumatologie

Rheumatologie

  • Differentialdiagnose, Therapieoptionen, Langzeit-betreuung und Rehabilitation entzündlich-rheumati-scher Gelenkerkrankungen, inflammatorischer/ immunologischer Systemerkrankungen, insbeson-dere Kollagenosen, Vaskulitiden, autoinflammato-rische Syndrome, Immundefekte und ihre Komorbiditäten
  • Transition im Kontext der zugrunde liegenden Erkrankung

Rheumatische Systemerkrankungen

  • Therapiesteuerung anhand diagnosespezifischer Funktions- und Aktivitätsindizes bei rheumatischen und entzündlich-systemischen Erkrankungen

Stoffwechselbedingte, kristall-induzierte und endokrine rheumatische Krankheiten und Osteopathien

  • Mitbehandlung von endokrinen und metabolischen Erkrankungen mit rheumatischer Symptomatologie
  • Diagnostik und konservative Therapie sowie Langzeitbetreuung von Kristallarthropathien sowie der Osteoporose und Osteomalazie

Degenerative rheumatische und muskuloskelettale Erkrankungen

  • Therapieoptionen bei degenerativen rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen

Rheumatologisch bedingte Infektionen

  • Diagnostik und konservative Therapie von rheumatologischen Gelenk- und Weichteilinfektionen
  • Prophylaxe und Behandlung von Infektionen unter immunmodulatorischen oder immunsuppressiven Therapien

Fibromyalgie und rheumatische Schmerz-Syndrome

  • Behandlung von Fibromyalgie und Schmerz-Syndromen am Bewegungssystem

Multimodales Therapiekonzept

  • Medikamentöse Therapie zur Distanzierung von Schmerzen bei rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen
  • Einleitung, Verordnung und Steuerung physikalischer und funktioneller Behandlung
  • Einleitung, Verordnung und Überwachung der Hilfsmittelversorgung
  • Patientenberatung und -schulung
  • Indikationsstellung und Einleitung psychotherapeutischer Interventionen
  • Strukturierte Schulungsprogramme bei rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen

Rehabilitation

  • Methoden der medizinischen und beruflichen Rehabilitation einschließlich der sozialmedizinischen Besonderheiten bei rheumatischen und muskuloskelettalen Krankheiten sowie rehabilitationsspezifischer Diagnostik
  • Indikationsstellung und Einleitung von Leistungen zur Rehabilitation, Verordnung von Nachsorgeleistungen, Einleitung und Steuerung der stufenweisen Wiedereingliederung

Rheumatologische Labordiagnostik

  • Prinzipien der laborchemischen Präanalytik, Kontrolle von Testbedingungen, Validierung von Laborbefunden und Postanalytik, Plausibilitätskontrolle und Befunderstellung
  • Grundsätze des Labormanagements
  • Differenzierte Indikationsstellung, Durchführung und Befunderstellung von Laboruntersuchungen zur Diagnostik und zum Monitoring von rheumatischen und muskeloskelettalen Erkrankungen, davon

    • Immunnephelometrie und/oder Immunturbidimetrie
    • Immunoassay
    • Dot-Blot oder Line-Immunoassay
    • Immunfluoreszenztest

  • Befundinterpretation infektionsserologischer Untersuchungen
  • Durchführung und Befundinterpretation der serologischen und/oder molekularbiologischen Untersuchung von genetischen Markern, insbesondere humane Leukozytenantigen (HLA)-Merkmale
  • Mikroskopische Untersuchung von Gelenkflüssigkeit auf zelluläre und kristalline Bestandteile

Bildgebende Verfahren

  • Sonographie des Bewegungsapparates einschließlich Farbdopplersonographie (Richtwert: 200)
  • Duplex-Sonographie zur Akutdiagnostik der Vaskulitiden
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der Osteodensitometrie mit Doppelröntgenabsorptiometrie (DEXA) (Richtwert: 50)
  • Kapillarmikroskopie (Richtwert: 50)

Interventionen

  • Intra- und periartikuläre Punktionen, Injektionen und/oder Infiltrationen (Richtwert: 100)
  • Immunmodulatorische und immunsuppressive Behandlungen einschließlich Infusionsbehandlung

Strahlenschutz

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Quellen: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2018, Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2020, Deutsche Rheuma-Liga

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.

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