Schwangerschaft in der Weiterbildung

Viele junge Ärztinnen machen ihre Facharztweiterbildung im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, also genau dann, wenn oftmals die Familienplanung konkret wird. Was ist bei einer Schwangerschaft und der Elternzeit zu beachten?

Schwangere Frau

Die Richtlinien zum Schutze schwangerer Ärztinnen sind teilweise veraltet. | jimcox40/Fotolia

Kliniken geraten immer mehr unter Druck, familienfreundliche Lösungen wie Teilzeit, Gleitzeit oder Kinderbetreuung anzubieten, weil derzeit 60 Prozent der Medizinstudierenden Frauen sind und es folglich immer mehr Ärztinnen geben wird. Bei vielen Kliniken lassen familienfreundliche Maßnahmen aber noch zu wünschen übrig. Deshalb sollte man bei der Bewerbung berücksichtigen, inwiefern der potenzielle Arbeitgeber mit einer Halbtagstätigkeit, mit einem Betriebskindergarten etc. entgegenkommt. 

No-Gos in der Schwangerschaft

Es gibt verschiedene gesetzliche Regelungen, die schwangere Ärztinnen und ihr ungeborenes Kind vor gesundheitlichen Schäden und Überforderung am Arbeitsplatz schützen sollen. Insbesondere im Mutterschutzgesetz und in der Mutterschutzrichtlinienverordnung ist festgelegt, was man als werdende oder stillende Mutter nicht mehr machen darf. Dazu gehört u.a.: 

  • Nachtarbeit zwischen 20:00 und 6:00 Uhr
  • Bereitschaftsdienste
  • Notdienste
  • Mehrarbeit
  • regelmäßiges Heben von mehr als 5 kg
  • Kontakt zu giftigen und gesundheitsschädlichen Gefahrenstoffen
  • Kontakt zu potenziell infektiösem Material
  • Injektionen, Punktionen, Blutentnahmen, Operationen. 

Es empfiehlt sich, die Schutzverordnungen genau durchzulesen, damit man weiß, auf welche Rechte man sich berufen kann. So ist der Arbeitgeber z.B. auch verpflichtet, einer schwangeren Ärztin einen Ruheraum zur Verfügung zu stellen und die Schwangerschaft beim zuständigen Landesamt für Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz zu melden. Kann der Arbeitgeber nicht alle Maßnahmen umsetzen, die einer schwangeren Ärztin zustehen, muss der Betriebsarzt ein Beschäftigungsverbot bescheinigen. Man bleibt dann zu Hause, bezieht das Gehalt aber weiter. 

Natalja Ostankov

Natalja Ostankov ist 27, zweifache Mutter und studiert Medizin in München. Kann man das alles unter einen Hut bringen? Sie sagt ja und schildert in diesem Blog, wie der Alltag zwischen Kindern und Klinik aussieht. Teil 3: Zeit als Kaugummi.

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Die Richtlinien zum Schutze von Mutter und Kind werden aber auch kritisiert, zum Beispiel vom Deutschen Ärztinnenbund (DÄB), weil der schwangeren Ärztin der Patientenkontakt aufgrund der Bestimmungen mehr oder weniger verboten wird. Die Bestimmungen sind z.T. schon 20 Jahre alt, die OP-Technik hat sich in dieser Zeit aber stark weiterentwickelt. Das in der Richtlinie festgelegte generelle OP-Verbot erscheint vielen als zu hart. Derzeit haben schwangere Ärztinnen nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie teilen ihre Schwangerschaft frühzeitig mit. Dann müssen sie damit rechnen vom Dienst freigestellt zu werden und können keine weiteren Leistungen für die Weiterbildung sammeln. Oder: Sie machen die Schwangerschaft erst sehr spät öffentlich. Dann genießen sie keinen gesonderten Schutz und werden von den unwissenden Kollegen womöglich wegen häufiger Ruhezeiten kritisiert. 

Mutterschutzbestimmungen

Bis es zu einer überarbeitenden Mutterschutz-Richtlinie für Ärztinnen kommt, muss man als schwangere Ärztin also selbst überlegen, wie man mit der eigenen Schwangerschaft umgeht. Am besten bespricht man sich gründlich mit dem Partner und der Frauenärztin (auch sie darf ein Berufsverbot aussprechen). Oft sagt einem auch der eigene Körper, was er braucht.  

Wenn man in der Schwangerschaft arbeitet, besteht die Möglichkeit, sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin in den „Mutterschutz“ zu gehen, also nicht mehr zu arbeiten. Nach der Geburt ist man 8 Wochen verpflichtend im Mutterschutz. Während dieser Zeit bekommt man ein Mutterschaftstagegeld von der Krankenkasse, zusätzlich überweist einem der Arbeitgeber die Differenz zwischen Mutterschaftsgeld und dem vorherigen Nettogehalt. Während des Mutterschutzes bekommt man also das gleiche Geld überwiesen wie in der Zeit davor und muss keine finanziellen Einbußen hinnehmen.